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Erster Schnee: Wie sind die Gemeinden vorbereitet?

Die Dienstpläne für den Winterdienst sind geschrieben, die Fahrzeuge vorbereitet, die Streugutsilos aufgefüllt. Die SZ sagt, wie es zwischen Görlitz und Niesky steht.

Von Constanze Junghanß & Steffen Gerhardt & Ingo Kramer
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Dieses Fahrzeug vom Reichenbacher Stützpunkt der Straßenmeisterei Niesky war in den vergangenen Jahren im Einsatz.
Dieses Fahrzeug vom Reichenbacher Stützpunkt der Straßenmeisterei Niesky war in den vergangenen Jahren im Einsatz. © SZ-Archiv / Pawel Sosnowski/80studio.net

Anfang nächster Woche könnte er kommen: Der erste Schnee dieses Winters. Pünktlich zum meteorologischen Winteranfang am 1. Dezember. Wer sich jetzt nicht auf die veränderten Bedingungen vorbereitet hat, bestraft womöglich das Leben. Die SZ hat in den Städten und Gemeinden nachgefragt, wie sie für den Winter gerüstet sind.

Stadt Görlitz hat sieben Fahrzeuge im Einsatz

In der Stadt Görlitz sind - wie in jedem Jahr - sieben Fahrzeuge für den Winterdienst vorbereitet, erklärt Svend Schmoll vom städtischen Bauamt: "Außerdem stehen die Schneefangzäune bereit und auch die Streugutbehälter sind aufgefüllt." Die sieben Fahrzeuge gehören der Firma SKS Straßendienst und Kommunalservice GmbH, die auch dieses Jahr den Winterdienst übernimmt. "Sollte ein strengerer Winter kommen, müssen wir noch zusätzliche Fahrzeuge vom städtischen Betriebshof aufrüsten", sagt Schmoll. Bisher sei die Stadt mit sieben Autos aber meist ganz gut über die Runden gekommen.

An den Straßen und ihren Dringlichkeitsstufen hat sich im Vergleich zu den Vorjahren nichts geändert. Fünf Leute vom Straßenunterhalt der Stadt organisieren die Rufbereitschaft, weisen also an und stimmen ab. "Dabei orientieren wir uns am Wetterbericht", so Schmoll. Bei der SKS organisieren zwei Männer die Durchführung: "Die haben genügend Fahrer zur Verfügung."

Niesky hat Unterstützung von zwei Firmen

Die Stadt Niesky ist noch mit den Herbstarbeiten wie Laub aufsammeln beschäftigt. Dennoch hat der Bauhof den Winter im Blick. "Wir rechnen am Wochenende mit den ersten Touren", sagt Sachgebietsleiter Enrico Bachmann. Die gesamte Stadttechnik soll kommende Woche umgerüstet werden. Der Bauhof ist mit zwei Unimog-Fahrzeugen und auf den Gehwegen mit einem Multicar unterwegs. Dazu wird die Kehrmaschine noch ausgerüstet für die engen Stellen in der Stadt. Ein weiterer Multicar ist mit der "Handarbeitsgruppe" zu Bushaltestellen und ähnlichem unterwegs.

Kommt es dicke Weiß von oben, teilt sich der Bauhof mit der Firma Kernchen in den Winterdienst. Sie ist dann für die Ortschaften Kosel und Stannewisch sowie den Busbahnhof in Niesky zuständig. Zudem hat die Stadt über den Winter einen Lkw-Fahrer zusätzlich angestellt und den Dienstleister LDS für bestimmte Bereiche wie der Krone-Tunnel verpflichtet. Die beiden Silos im Bauhof sind mit jeweils 30 Tonnen Streugut befüllt und können aus einem Lager jederzeit neu aufgefüllt werden. Im vergangenen Winter wurden 260 Tonnen Streugut verbraucht. Im Winter davor waren es nur 38 Tonnen in Niesky.

Kreis: Neuer Unimog und 20 weitere Fahrzeuge bereit

Für die Kreis-, Staats- und Bundesstraßen ist der Landkreis Görlitz zuständig. Zwischen Bad Muskau und Zittau müssen im Winterdienst rund 1.300 Kilometer Straßen und Radwege betreut werden. Der Landkreis verfügt über vier Straßenmeistereien, von denen aus die Fahrzeuge unterwegs sind: Weißwasser, Niesky, Lawalde, Zittau und einen Winterdienst-Stützpunkt in Reichenbach. Für diesen Winter stehen 20 eigene Winterdienst-Fahrzeuge und zwölf Fremdfahrzeuge mit Räum- und Streukombinationen zur Verfügung, berichtet eine Kreissprecherin.

Es muss nicht immer Schnee auf der Straße liegen. Oft sorgt schon überfrierende Nässe für den Einsatz des Winterdienstes.
Es muss nicht immer Schnee auf der Straße liegen. Oft sorgt schon überfrierende Nässe für den Einsatz des Winterdienstes. © André Schulze

Dazu kommen mehrere Radlader und Traktoren, die bei schweren Winterverhältnissen als Räumfahrzeuge eingesetzt werden können. Im September wurde ein Unimog als Ersatz beschafft und in Dienst gestellt. Das Bevorraten mit Streugut wurde bereits im September in allen Straßenmeistereien und im Stützpunkt Reichenbach abgeschlossen. Insgesamt sind 4.650 Tonnen Salz eingelagert. Ebenso ist die Schicht- und Dienstplanung abgeschlossen, heißt es aus dem Landratsamt. Diese Pläne gelten ab dem Wintereinbruch beziehungsweise ab einer entsprechenden Wetterlage. Der Kreis kann insgesamt etwa 100 Straßenwärter für den Winterdienst einsetzen.

Markersdorf: Bauhof und zwei Dienstleister im Einsatz

Der vergangene Winter brachte die Mitarbeiter des Markersdorfer Bauhofs ganz schön ins Schwitzen. Vor allem die teils starken Verwehungen sorgten für Dauereinsätze tags und in der Nacht. Höhepunkt: Sogar das Dach der Grundschule und der Turnhalle musste gemeinsam mit den Hausmeistern beräumt werden, weil die weiße Last sonst zu groß geworden wäre, heißt es seitens des Rathauses.

Der Bauhof sorgt auch in der anstehenden Wintersaison mit Traktor und Multicar für freie Strecken, selbst auf den Radwegen wird Schnee geschoben. Für die Bushaltestellen greifen die Mitarbeiter auf Schneeschieber zurück. Die werden ebenso wie die öffentlichen Bereiche zuerst geräumt. Zusätzlich zum Bauhof gibt es in Markersdorf die Unterstützung durch zwei Dienstleister in der Winterzeit.

Reichenbach: Schwierige Suche nach neuen Partnern

Reichenbach dagegen hat keinen eigenen Bauhof. Ein Punkt, den die CDU-Fraktion im Stadtrat mehrfach ansprach und die Verwaltung um Prüfung bat, ob ein Bauhof in Zukunft wieder installiert werden könnte. Da die finanzschwache Kommune im Moment dazu keine Möglichkeit hat, fehlt der Bauhof weiterhin. Nun drohte eine Zuspitzung der Lage. Denn die zuletzt mit dem Winterdienst beauftrage Firma OLTG, mit der die Stadt den Winterdienstvertrag festgezurrt hatte, ging pleite. Das Insolvenzverfahren sei der Stadt erst im August bestätigt worden, sagte Bürgermeisterin Carina Dittrich im Stadtrat.

„Normalerweise ist der Winterdienst im Juni zu organisieren“, teilte sie in der Sitzung mit. Insofern habe sich die Suche nach einer Lösung als „eine sportliche Angelegenheit“ erwiesen. Auf die Ausschreibung meldete sich keine einzige Firma, die Schneeberäumung und Streudienst übernimmt. Letztendlich fand die Stadt drei Landwirtschaftsunternehmen, die den Winterdienst durchführen werden, sowie drei Baufirmen, die Unterstützung zusagten.

Doch es bleiben Probleme: Durch die Situation stünde wenig kleinere Technik zur Verfügung. „Mit Sicherheit wird es diesen Winter Reibungspunkte geben“, so Carina Dittrich, die gleichzeitig die Bürger um Verständnis bittet. Die Beräumung der Bushaltestellen – Reichenbach hat fünf Ortsteile mit zugehörigen Dörfern – sollen die Technischen Mitarbeiter des Rathauses übernehmen und möglicherweise auch die Anwohner selbst, die dafür eine Monatspauschale erhalten und entsprechend versichert werden.

Schöpstal: Gemeindeeigener Bauhof ist gut gerüstet

Im Schöpstal sieht die Lage ganz anders aus. „Wir sind mit unserem Bauhof recht gut für den Winterdienst gerüstet“, schätzt Bürgermeister Bernd Kalkbrenner ein. Ein neuer Radlader wird jetzt von der Gemeinde angeschafft, um bei glatter Straße ein Sand-Salz-Gemisch auf die Fahrbahn zu bringen. Für die kleineren und engen Straßen stehen Multicars bereit. Unter anderem im Neubaugebiet wird damit der Schnee geschoben. Für die entfernter liegenden Ortsteile Liebstein und Charlottenhof kommt der Multicar zum Einsatz. Und wenn das nicht reicht, kann Schöpstal immer noch auf die Unterstürzung der Agrar GmbH zurückgreifen. Für Schöpstal gilt: Priorität haben die öffentlichen Einrichtungen, wie Kitas und Schule. „Da wird zuerst geräumt“, sagt Bernd Kalkbrenner.

Königshain: Landwirte für den Kampf gegen Eis engagiert

Im Nachbarort Königshain beauftragte die Gemeinde ebenfalls die Schöptsal Agrar GmbH. Bürgermeister Siegfried Lange spricht von „einer sehr guten Zusammenarbeit seit vielen Jahren.“

Rothenburg: Mit 150 Tonnen Tausalz ist vorgesorgt

Die Stadt Rothenburg hat ihre kommunalen Straßen in unterschiedliche Räumzonen eingeordnet und werden sie werden durch vier Fahrzeugtouren beräumt, informiert Bürgermeisterin Heike Böhm. Bushaltestellen und Gehwege in Zuständigkeit der Kommune werden durch ein fünftes Team per Hand beräumt. Fremdfirmen kommen nicht zum Einsatz. Zum Personal sagt die Bürgermeisterin, dass der Winterdienst mit den sechs Stammmitarbeitern des Städtischen Bauhofes abgesichert wird. Zusätzliche Kräfte speziell für den Winterdienst sind nicht vorhanden.

Vier Bauhoffahrzeuge - zwei Unimog, ein Multicar und ein Mitsubishi Pfau Rexter - werden mit stadtigener Winterdiensttechnik wie Schiebeschild und Behälterstreuer rechtzeitig umgerüstet. Der Lagerbestand an Tausalz beträgt rund 150 Tonnen. Je nach Verbrauch wird der Vorrat durch Frühbestellung jährlich wieder aufgefüllt. In diesem Jahr wurden 48 Tonnen Tausalz gekauft.

Waldhufen: Zusammenarbeit zwischen Bauern und Bauhof

Auch in Waldhufen hat sich die Zusammenarbeit mit den Landwirten bewährt. Mit der Agrargenossenschaft Nieder Seifersdorf, dem Landwirtschaftsbetrieb Brückner in Thiemendorf und der Jänkendorfer Agrar GmbH bestehen seit Jahren feste Verträge. Dazu kommt noch der Bauhof der Gemeinde, der die Fußwege und Flächen an den Kindereinrichtungen und der Grundschule freiräumt. „Wir sind gut auf den Winter vorbereitet“, sagt Bürgermeister Horst Brückner und betont, dass in seiner Gemeinde kein Salz auf den kommunalen Straßen und Wegen zum Einsatz kommt. Waldhufen setzt auf Streusplitt.

Kois-Mitarbeiter Uwe Bork zeigt, dass der Multicar für seinen ersten Einsatz in der Gemeinde Kodersdorf gerüstet ist. Das Streugut kommt aus dem Silo darüber.
Kois-Mitarbeiter Uwe Bork zeigt, dass der Multicar für seinen ersten Einsatz in der Gemeinde Kodersdorf gerüstet ist. Das Streugut kommt aus dem Silo darüber. © André Schulze

Kodersdorf: Gemeindeigene Firma Kois ist gut vorbereitet

"Mit dem Multicar könnten wir sofort loslegen", sagt Andreas Schneider, Geschäftsführer der Kodersdorfer Inklusions- und Service gGmbH (Kois). Dieser steht für den Winterdienst bereit. Das zweite Fahrzeug, ein Unimog, wird entsprechend dem Wetter für das Räumen und Streuen ebenfalls eingesetzt. Die Kois-Mitarbeiter sind für die Gemeindestraßen zuständig und den Radweg entlang der B 115. Insgesamt haben sie rund 50 Kilometer zu bewältigen. Das Streugut ist in einem Silo auf dem Bauhof gelagert. Im vergangenen Jahr wurden davon 75 Tonnen auf die Straßen gebracht.

Quitzdorf am See: Bürgermeister fährt auch selbst

Bürgermeister Günter Holtschke wartet noch auf ein Ersatzteil für den Schneepflug. Ansonsten sei alles bereit für den Winter in Quitzdorf am Stausee. Der Gemeindetraktor wird bei Schnee und Eis wieder seine Runden ziehen, chauffiert von einem Gemeindearbeiter oder dem Bürgermeister selbst. Nur eine Strecke überlässt man einer Firma, der Mietbau Kernchen mit Sitz in Niesky: Die Schulbuslinie, die die Schüler zwischen Sproitz und Kosel einsammelt.

Mücka: Dienst übernimmt der Quad- und Fahrzeugservice

Die Gemeinde Mücka hat ihren Winterdienst an den ortsansässigen Quad- und Fahrzeugservice von Sven Fuder vergeben. Der Unternehmer wird zeigen, dass sich nicht nur mit herkömmlichen Fahrzeugen, sondern auch mit einem Quad Schnee räumen lässt. Die Gemeinde Hohendubrau setzt wieder auf die bewährte Zusammenarbeit mit dem Bauhof Soldan in Weigersdorf und den eigenen Bauhof. Auch hier sei man bereit für den Winter heißt es aus dem Gemeindeamt.

Hohendubrau: Zusammenarbeit mit Firma Soldan

Die Gemeinde Hohendubrau setzt wieder auf die bewährte Zusammenarbeit mit dem Bauhof Soldan in Weigersdorf und den eigenen Bauhof. Auch hier sei man bereit für den Winter, heißt es aus dem Gemeindeamt.