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"Wir kommen nächstes Jahr mit einem Film zurück"

Die Berlinale ist gestartet - und Görlitz vertreten: Felix von Boehm ist der Produzent des Films "Fabian". Im Interview spricht er auch über seine Görlitz-Pläne.

Dreharbeiten vorm Görlitzer Kaufhaus mit Tom Schilling und Regisseur Dominik Graf.
Dreharbeiten vorm Görlitzer Kaufhaus mit Tom Schilling und Regisseur Dominik Graf. © Nikolai Schmidt

Die künstlerische Leitung der Berlinale hat jedes Jahr unzählige Filme zu schauen - um auszuwählen, welche überhaupt ins Rennen gehen um den goldenen und die silbernen Bären in Berlin. Dieses Jahr schaffte es unter die 15 internationalen Wettbewerbsfilme einer aus Görlitz: "Fabian oder Der Gang vor die Hunde", produziert von Felix von Boehm. In Berlin hat er seine Produktionsfirma Lupa-Film, drehte im Sommer 2019 mit Regisseur Dominik Graf und Schauspielern wie Tom Schilling, Saskia Rosendahl, Albrecht Schuch, Meret Becker, Eva Medusa Gühne in Görlitz einen großen Teil des Films "Fabian". Nächstes Jahr kehrt er zurück.

Felix von Boehm ist Mit-Geschäftsführer von Lupa-Film in Berlin. Ein Bär wäre für ihn der erste, wenn "Fabian" am Freitag zu den Gewinnerfilmen zählen sollte.
Felix von Boehm ist Mit-Geschäftsführer von Lupa-Film in Berlin. Ein Bär wäre für ihn der erste, wenn "Fabian" am Freitag zu den Gewinnerfilmen zählen sollte. © Lupa-Film

Herr von Boehm, am 5. März gibt die internationale Berlinale-Jury ihre Entscheidung bekannt, welche Filme in den verschiedenen Kategorien einen Bären erhalten. Über "Fabian" liest man dieser Tage sehr viel. Wie sehen Sie die Chancen?

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Das weiß man leider nie. Aber ich komme gerade aus einer Pressevorführung hier in Berlin, und da waren ganz begeisterte Stimmen zu hören. Ich bin optimistisch, dass wir auch die internationale Jury begeistern können.

Waren Sie sehr überrascht von der Nominierung oder hatten Sie vielleicht etwas Hoffnung, dass es mit "Fabian" klappen könnte?

Ich hatte schon die Hoffnung. Nicht zuletzt, weil es ein echter Berlin-Film ist, der mit dem Wettbewerb der Berlinale quasi an seine Geburtsstätte zurückkehren kann. Aber man weiß es wirklich nie. Man ist, wenn man einen Film macht, immer unsicher, ob das, was man sich da ausdenkt, auch so wirklich ankommt bei den Menschen. Insofern ist eine solche Einladung schon mal eine kleine Bestätigung.

Sie sprachen von "Fabian" als echten Berlin-Film. Es ist aber auch ein echter Görlitz-Film. Görlitz spielte teilweise Berlin. Kann das jetzt mit Blick auf die Berlinale auch von Nachteil sein, oder spielt das keine Rolle?

Das sehe ich gar nicht problematisch. Görlitz ist sogar immer ein Vorteil. Wir haben hier tolle Produktionsbedingungen vorfinden können, wurden sehr unterstützt von einer Stadt, die Verständnis für Dreharbeiten hat und von den Bürgerinnen und Bürgern die uns bei verschiedenen Motiven mit offenen Armen Türen geöffnet haben. Einerseits bietet Görlitz eine großartige Architektur, die nun mal sehr stark an das Berlin der 20er Jahre erinnern kann. Andererseits bietet die Stadt eine große Konzentration. Das ist für die Schauspieler, aber auch für die Regie oder uns als Produzenten eine tolle Situation. Es fühlt sich doch ein bisschen an wie im Studio - man kann sich auf vergleichsweise kleinem Raum seinen ganzen Filmkosmos kreieren.

Dreharbeiten auf der Berliner Straße mit Tom Schilling und Produzent Felix von Boehm. Hier wurden leer stehenden Geschäften neues Leben eingehaucht - mit Mode und Waren aus der Zeit der ausgehenden Weimarer Republik..
Dreharbeiten auf der Berliner Straße mit Tom Schilling und Produzent Felix von Boehm. Hier wurden leer stehenden Geschäften neues Leben eingehaucht - mit Mode und Waren aus der Zeit der ausgehenden Weimarer Republik.. © Matthias Wehnert

Was macht Fabian so besonders?

Die Ästhetik zum einen. Der Film zeigt uns die 1920er Jahre noch einmal in einem neuen Licht. Das liegt etwa daran, dass Regisseur Dominik Graf auch mit historischem Material gearbeitet hatte, dass Räume anders ausgestattet sind als der "deutsche Standard" so will, wenn man diese Zeit betrachtet. Zum anderen ist es die Erzählweise, die der Form des Romans recht nahe kommt, dadurch, dass sie sehr vielschichtig ist. Es wird auf sehr vielen Ebenen der Klaviatur der Kosmos der Stadt Berlin, der ausgehenden Weimarer Republik und der Figur Fabian mit ihren persönlichen Beziehungen erzählt.

Dieses Jahr ist vieles anders bei der Berlinale. Der erste Teil läuft größtenteils online. So gibt es beispielsweise eine Diskussionsrunde, in der das neue Görlitzer Filmbüro ein Thema sein soll. Das Büro hat sich zur Aufgabe gemacht, Produktionen unter erschwerten Bedingungen wie in der Coronazeit zu unterstützen. Was hat die Coronakrise für Sie als Produzenten bedeutet im zurückliegenden Jahr?

Wir hatten Glück. Wir haben Anfang 2020, kurz vor dem Lockdown, eine Produktion für das ZDF abgeschlossen. Da sind wir erst mal verschont geblieben. Aber auch vor einer Postproduktion macht Corona nicht halt, an der ja doch eine Menge Akteure beteiligt sind - Komponisten, Mischtonmeister, Editoren - und bei der natürlich auch die Hygienebedingungen der Corona-Zeit einzuhalten sind. Das ist nicht so schlimm und dramatisch wie beim Dreh, aber ja, ein Stückweit war beim Schnitt und in der Postproduktion auch "Fabian" betroffen.

Alles etwas anders dieses Jahr: Die Jury besteht aus sechs Bären-Gewinnern der Vorjahre: Gianfranco Rosi, Ildikó Enyedi, Jasmila Žbanić, Adina Pintilie. Mohammad Rasoulof wird die Filme online sehen, er kann in Berlin nicht dabei sein, weil er von der ira
Alles etwas anders dieses Jahr: Die Jury besteht aus sechs Bären-Gewinnern der Vorjahre: Gianfranco Rosi, Ildikó Enyedi, Jasmila Žbanić, Adina Pintilie. Mohammad Rasoulof wird die Filme online sehen, er kann in Berlin nicht dabei sein, weil er von der ira

Auch Sie sind in der Diskussionsrunde zu Görlitz dabei. Worum geht es Ihnen?

Ich werde zum Beispiel einen Rückblick geben auf die Drehtage in Görlitz im Sommer 2019. Und ich werde auch Vorausblicke auf das Frühjahr 2022 geben, wenn wir nach Görlitz zurückkehren mit einer Produktion über Albert Einstein.

Stehen schon Schauspieler fest?

Nein, das nicht. Aber wir werden kommendes Frühjahr mit der Regisseurin Theresa von Eltz, die zum Beispiel den Deutschen Filmpreis für "4 Könige" gewonnen hatte, einen Film über Albert Einstein und seine beiden Söhne in Görlitz drehen.

Haben Sie bereits mit der Drehortsuche begonnen?

Haben wir, ein bisschen kenne ich Görlitz ja nun inzwischen. Ich freue mich, wieder hinzufahren, zu schauen, welche Orte wir für "Fabian" noch nicht eingefangen haben.

Was würde ein Bär für "Fabian" für Sie bedeuten und was, aus Ihrer Sicht, für Görlitz?

Für mich persönlich würde es bedeuten, dass die Latte sehr hoch liegt für alles, was kommt. Und dass man das, was man macht, nochmal mit mehr Demut macht. Für Görlitz würde es sicherlich bedeuten, dass die Stadt erneut Weltklasse beweist.

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