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Hat das leerstehende Hotel in Reichenbach eine Zukunft?

Seit Jahren steht die Immobilie leer. Doch jetzt gibt es neue Pläne - und die Hoffnung auf rund 50 Arbeitsplätze.

Von Constanze Junghanß
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Noch ist der Reichenbacher Hof leer. Es gibt jedoch Ideen zur Wiederbelebung – aber nicht als Hotel. Dazu wird einiges bereits auf den Weg gebracht.
Noch ist der Reichenbacher Hof leer. Es gibt jedoch Ideen zur Wiederbelebung – aber nicht als Hotel. Dazu wird einiges bereits auf den Weg gebracht. © Archivfoto: Steffen Gerhardt

Gibt es neue Hoffnung für das Ringhotel "Reichenbacher Hof"? Es steht seit Jahren leer. 2017 erwarb es ein Ungar bei einer Zwangsversteigerung. Anschließend wurde es längere Zeit auf Immobilienplattformen im Internet zum Kauf und zwischenzeitlich auch zur Vermietung angeboten. Seit einer Weile sind die Annoncen aus dem Netz verschwunden. Wurde das Hotel mittlerweile veräußert, wie deshalb so mancher Reichenbacher vermutete?

Ganz so weit ist es offenbar noch nicht. Allerdings tut sich einiges hinter den Kulissen, was die Zukunft der Kleinstadt entscheidend nach vorne bringen sowie Arbeitsplätze schaffen soll. Stichwort: Strukturwandel.

Öffentlich zur Sprache kam das erstmals im Oktober bei einer Bürgerveranstaltung in der Oberschule, an der etwa 20 Gäste teilnahmen. Da stellten sich das Fraunhofer-Institut, die Hochschule Zittau/Görlitz, das zukünftige Deutsche Zentrum für Astrophysik DZA, der Gedes-Verein, das Team von Working Evolutions und das Unternehmen pecem UG Wärmespeichersysteme vor. „Sie alle möchten Teil eines Forschungs- und Weiterbildungszentrums im ehemaligen Reichenbacher Hof werden“, informierte Barbara Werling vom Görlitzer Ingenieurbüro Richter + Kaup. Das Ingenieurbüro organisierte die Veranstaltung im Rahmen des Reichenbacher Strategiepapiers. Dieses Papier ist auch im Internet auf der Stadtseite veröffentlicht worden. Zu lesen ist da von einem „Areal für Forschung, Lernen und Arbeit in Oberreichenbach – ehemaliger Reichenbacher Hof“.

Verhandlungen „sehr weit fortgeschritten“

Von einem möglichen Labor für Biogas, Wasser und Pflanzenzucht ist da die Rede, von 30 Büroarbeitsplätzen, Anwender-Testfeldern für Aquafarmen, Gewächshäusern, Biogasanlagen und einer Testumgebung für modulare Bauweise im Außenbereich. Auch Digitalisierung und Elektronik spielen eine Rolle. Die Verhandlungen seien bereits „sehr weit fortgeschritten“, wie Barbara Werling im Nachgang erklärt.

Norbert Döring vom in das Projekt involvierten Verein Gedes (Sitz Mengelsdorf) sagt, dass das Hotel noch nicht den Eigentümer gewechselt habe und auch nicht die Stadt selbst das Objekt erwerben kann. Vielmehr bildete sich nach Angaben Dörings „ein Innovationsbündnis aus Wirtschaftsunternehmen und Forschungsinstituten, der Entwicklungsgesellschaft Eno und der Hochschule Zittau-Görlitz, die gemeinsam einen Antrag auf Gelder aus dem Strukturwandeltopf stellen werden.“ Das bestätigt Reichenbachs Bürgermeisterin Carina Dittrich. Sie sagt: „Die Stadt unterstützt dieses Ansinnen nach besten Kräften.“

Auch das Umland könnte profitieren

Die Hoffnungen liegen also auf Geld für den Kohleausstieg. Davon könnte Reichenbach und das Umland mit dem Hotelprojekt profitieren. Denn es soll – so erläutert Norbert Döring – auch um Vorhaben zur klimaneutralen Energieversorgung von Kommunen im ländlichen Raum gehen. In die Ideen ist bereits der Ortsteil Zoblitz eingebunden. Da gibt es Überlegungen und Gesprächsrunden, die Herausforderungen im Wandel der Energiewirtschaft ein Wärmeversorgungsnetz mithilfe eines mobilen Wärmespeicher-Projektes zu lösen.

Norbert Döring spricht von bis zu 50 Arbeitsplätzen die im und am ehemaligen Reichenbacher Hof entstehen sollen. „Da die Anforderungen an den Strukturwandel bei diesem Projekt in allen Belangen erfüllt werden und wir mit der Eno, dem Landkreis sowie dem Innovationsbündnis starke Unterstützer haben, hoffen wir sehr auf ein positives Votum“, sagt er. Bis darüber Klarheit herrscht, wird es noch etwas dauern. Norbert Döring geht davon aus, dass über den Antrag des Innovationsbündnisses im kommenden Jahr vom Regionalen Begleitausschuss entschieden wird.