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Wo die Azubis künftig in die Berufsschule gehen

Der Freistaat ordnet ab 2021 die Ausbildung neu. Görlitz und Löbau sind die Gewinner im Landkreis.

Lehrlinge wie hier bei Bäckermeister Michael Tschirch in Görlitz werden künftig an der Görlitzer Berufsschule ihr theoretisches Rüstzeug erfahren.
Lehrlinge wie hier bei Bäckermeister Michael Tschirch in Görlitz werden künftig an der Görlitzer Berufsschule ihr theoretisches Rüstzeug erfahren. © Archivfoto: nikolaischmidt.de

Die Hoffnungen des Görlitzer Volksbank-Chefs Sven Fiedler haben sich nicht erfüllt. Der Freistaat will ab kommendem Sommer die Ausbildung der Bankkaufleute an der Dresdner Berufsschule ansiedeln – im Moment ist sie noch in Bautzen. Das geht aus dem Teilschulnetzplan für die berufsbildenden Schulen in Sachsen hervor, den das Kultusministerium jetzt vorgelegt und zu Stellungnahmen der Kreise veröffentlicht hat. Bis März 2021 haben sie dazu Gelegenheit, ehe das Ministerium den Plan in Kraft setzen wird.

Fiedler hatte sich im Namen der Sparkassen in den Kreisen Görlitz und Bautzen bis zuletzt gegen die Entscheidung für Dresden ausgesprochen. Vor allem bei Azubis unter 18 Jahren könnte das ein Problem werden, denn in Dresden gibt es kein Internat an der Berufsschule, zudem werden die Wege zwischen Heimat- und Ausbildungsort vor allem für die jungen Leute von der Neiße weiter. Trotzdem hofft Fiedler angesichts attraktiver Ausbildungsplätze seiner Bank mit Übernahmegarantie sowie tariflicher Ausbildungsvergütung, auch ab 2021 gute Bewerbungen zu erhalten. Die Ausbildungsquote von zehn Prozent möchte er gern beibehalten.

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Auszubildende Odina Brüning (re.) von der Volksbank/Raiffeisenbank Niederschlesien wird ihre Ausbildung noch in Bautzen beenden können. Neue Bankkauf-Azubis aber müssen künftig nach Dresden.
Auszubildende Odina Brüning (re.) von der Volksbank/Raiffeisenbank Niederschlesien wird ihre Ausbildung noch in Bautzen beenden können. Neue Bankkauf-Azubis aber müssen künftig nach Dresden. © André Schulze

Der Teilschulnetzplan ist freilich ein umfangreicher Kompromiss für ganz Sachsen. Genau 464 Seiten im A4-Format ist er lang, drei Jahre lang hat das Kultusministerium alle 60 Berufsschulen unter die Lupe genommen und die jetzigen Ausbildungsrichtungen mit dem künftigen Bedarf verglichen – im Hinterkopf immer die voraussichtliche Entwicklung der Einwohnerzahlen. Bis 2017 traten von Jahr zu Jahr weniger junge Leute eine Lehre an. Seitdem steigt die Zahl wieder, das soll auch bis Anfang der 2030er Jahre so bleiben. Bis zu diesem Zeithorizont blickt der neue Teilschulnetzplan. Auf den 464 Seiten gibt es für jedes einzelne Berufliche Schulzentrum (BSZ) einen extra Passus.

Denn nicht jede Schule unterrichtet alles, es gibt Spezialisierungen. Wer zum Beispiel Fischer werden will, kann das nur in Königswartha lernen. Angehende Steinmetze, nicht nur aus Sachsen, kommen zur Ausbildung nach Demitz-Thumitz.

Kreis Görlitz ist mit dem Kompromiss zufrieden

Für den Landkreis Görlitz war immer wichtig, alle vier Berufsschulen in Görlitz, Weißwasser, Löbau und Zittau zu erhalten. Das schreibt der Plan auch fest. Grundsätzlich, so erklärt Marlies Wiedmer-Hüchelheim, Chefin des Kreis-Schulamtes, entspricht der vorliegende Entwurf den vielen Abstimmungen mit dem Kultusministerium. Zwar müssen noch die Gremien des Kreistages zustimmen, aber generell, sagt sie, kann der Plan „vom Landkreis Görlitz so mitgetragen werden“. Tatsächlich enthält er auch viele positive Folgen. So werden künftig die Bäcker für die gesamte Oberlausitz in Görlitz ausgebildet. Auch die Fachverkäufer für Bäcker. Hotel- und Restaurantfachleute aus den Landkreisen Görlitz und Bautzen lernen künftig alle in Zittau, Friseure werden derzeit sachsenweit noch in sieben Beruflichen Schulzentren ausgebildet. Weil die Zahl der Lehrlinge seit 2010 aber um die Hälfte geschrumpft ist, sollen künftig nur noch fünf Berufsschulen diese Ausbildung anbieten. Dazu gehört Görlitz, aber nicht mehr Bautzen.

Görlitz erhält Metallberufe, Löbau Bauberufe

Auch zahlreiche Ausbildungsberufe in der Metallbranche werden in Görlitz zentralisiert, bislang gab es sie auch in Zittau. Dafür gibt Görlitz die Kaufleute für Büromanagement und die Raumgestalter nach Zittau ab. Fachinformatiker erhalten ihre Ausbildung künftig an der Berufsschule in Weißwasser, dafür gehen die Mechatroniker nach Bautzen. In Löbau werden die grünen Berufe wie Land- und Tierwirt zentralisiert, auch der Bauausbau wird seinen Nachwuchs künftig nach Löbau schicken. Dafür verliert Löbau aber die Maurer, Hochbaufacharbeiter, Straßenbauer und Tiefbaufacharbeiter, die nach Pirna und Dresden wechseln. Elektrotechniker mussten häufig bislang nach Dresden zur Ausbildung fahren, jetzt wird alles in Bautzen konzentriert, ebenso für angehende Elektroniker die Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik gewählt haben.

Wiedmer-Hüchelheim räumt auch „schmerzliche Einschnitte“ ein. So bleibt die traditionelle Dachdeckerausbildung im Landkreis, wird aber in Löbau neu etabliert. Das ist für Görlitz genauso ein tiefer Einschnitt wie der Wechsel der Metallausbildung von Zittau nach Görlitz.

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