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Birkenstock: Acht Millionen für früheres Yeti-Gebäude

Der Schuhhersteller weitet seine Produktion in Görlitz aus und betont zugleich seine Verbundenheit mit der Natur. Zurzeit sucht das Unternehmen sogar einen Imker.

Von Daniela Pfeiffer
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Birkenstock gibt der Natur ein Stück zurück: Katrin Appolt vom Landschaftspflegeverband Oberlausitz, der Görlitzer OB Octavian Ursu und Standortleiter Hilmar Knoll von Birkenstock (v.l.) mit Nistkästen, die auf dem Werksgelände angebracht wurden.
Birkenstock gibt der Natur ein Stück zurück: Katrin Appolt vom Landschaftspflegeverband Oberlausitz, der Görlitzer OB Octavian Ursu und Standortleiter Hilmar Knoll von Birkenstock (v.l.) mit Nistkästen, die auf dem Werksgelände angebracht wurden. © Foto: Birkenstock

Das frühere Yeti-Gebäude im Gewerbegebiet Ebersbach soll für acht Millionen Euro für eine neue Birkenstock-Produktionsstrecke flott gemacht werden. Vier Millionen sollen direkt ins Gebäude fließen, weitere vier Millionen in den Kauf neuer Maschinen. Auch 50 Arbeitsplätze, unter anderem fürs Stanzen und in der Laufsohlenproduktion, werden hier entstehen, kündigt Birkenstock-Sprecher Jochen Gutzy an.

Bis Ende 2022 sollen demnach die Sanitäranlagen komplett erneuert, elektrische Leitungen saniert, Sozialräume geschaffen und notwendige Voraussetzungen für die Arbeitssicherheit wie Notausgänge, erfüllt werden. Zudem wird das Dach komplett erneuert und bei dieser Gelegenheit eine Photovoltaikanlage installiert. Das Vorhaben hatte sich durch Corona, aber auch, weil mehr gemacht werden muss als anfangs angenommen, verzögert.

Der Schlafsackhersteller Yeti war im Sommer auf die Rauschwalder Straße gezogen und hat seine Gläserne Fabrik eröffnet, allerdings nicht mehr unter dem Namen Yeti, sondern unter "Y by Nordisk", denn er gehört seit einiger Zeit zur Firma Nordisk. Aus seinem bisherigen Domizil im Gewerbegebiet musste Yeti ausziehen, weil Birkenstock Eigenbedarf anmeldete. Das Gebäude gehört dem Schuhhersteller, auch der Werksverkauf ist im Erdgeschoss des Gebäudes bereits seit einiger Zeit untergebracht.

Das neue Sozialgebäude von Birkenstock in Görlitz. Als Ausgleich für seinen Bau hat sich Birkenstock zu einem Renaturierungsprojekt verpflichtet.
Das neue Sozialgebäude von Birkenstock in Görlitz. Als Ausgleich für seinen Bau hat sich Birkenstock zu einem Renaturierungsprojekt verpflichtet. © Birkenstock

Was sich weiterhin am Standort Görlitz ändern wird, soll aktuell noch nicht im Detail an die Öffentlichkeit. Viel hänge davon ab, wo Birkenstock sein neues Kompetenzzentrum für Kunststoffprodukte etablieren wird. Zwei Standorte seien in der engeren Auswahl, eine Entscheidung solle in den kommenden Wochen fallen. Denn in Zukunft will Birkenstock in Görlitz keine Kunststoffsandalen mehr, dafür aber doppelt so viele Kork-Latex-Schuhe produzieren. 50 Millionen Euro sollen dafür insgesamt investiert werden.

Vorangegangen ist es indes mit dem Renaturierungsprojekt. Hier schafft das Unternehmen Ausgleich zu der durch den Bau eines neuen Sozialgebäudes verschwundenen Natur. Was und wo genau hat Birkenstock mit der Stadtverwaltung in einer Vereinbarung festgelegt. So flossen 150.000 Euro zum einen in den Naturschutz auf dem Werksgelände. Für sogenannte Gebäudebrüter, wie etwa Turmfalken, Dohlen, Mehlschwalben wurden 20 Nisthilfen am Sozialgebäude in Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband Oberlausitz angebracht. Auch wurden Steinhügel, Sandhaufen und Totholzbereiche entlang einer Fläche von 500 Quadratmeter als neuer Lebensraum für Zauneidechsen geschaffen.

Um dieses Gebäude geht es: Hier produzierte bis vor Kurzem Yeti seine Edel-Schlafsäcke und Jacken. Bis vor einigen Jahren hatte hier auch Schneider Fashion sein Domizil. Nun wird Birkenstock hier eine neue Produktionsstrecke aufbauen.
Um dieses Gebäude geht es: Hier produzierte bis vor Kurzem Yeti seine Edel-Schlafsäcke und Jacken. Bis vor einigen Jahren hatte hier auch Schneider Fashion sein Domizil. Nun wird Birkenstock hier eine neue Produktionsstrecke aufbauen. © Archiv: Pawel Sosnowski

Gern möchte Birkenstock auch Bienen auf dem Werksgelände haben, und sucht dafür einen Imker aus dem Umland, der Bienenstöcke auf dem Gelände langfristig bewirtschaften könnte.

Zum anderen geht es um Maßnahmen außerhalb des Betriebsgeländes. Auf der ehemaligen Industriefläche zwischen Hussitenstraße und Nieskyer Straße sorgte Birkenstock für den Abriss des asbestbelasteten früheren Getränkemarktes und entsorgte Sperrmüll, der auf dem Gelände herumlag. Weiterhin wurde die Umzäunung entfernt und der Boden entsiegelt - also Asphalt-, Beton- und Schotterflächen entfernt. Den Boden hat man anschließend so aufbereitet, dass wieder eine Naturfläche entstehen kann. Zur Vereinbarung mit der Stadt gehört auch eine Pflegephase von zwei Jahren, mit Mäharbeiten, Nachschneiden, Unkraut entfernen.

Als letzter Punkt des Renaturierungsprojektes wird auf dem Birkenstock-Werksgelände am 16. November nun noch eine Gebüschgruppe gepflanzt.