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Birkenstock setzt auf Badesandalen

Acht Millionen Euro investiert Birkenstock in Görlitz bis Ende 2021. Zusammen mit Bernstadt wird das Werk immer wichtiger für die Lifestyle-Marke.

Birkenstock-Produktion in Görlitz
Birkenstock-Produktion in Görlitz © nikolaischmidt.de

Der größte Industriebetrieb in Görlitz plant eine Ausweitung seiner Produktion und stärkt damit seine Standorte in der Oberlausitz, zu der auch das Werk in Bernstadt zählt.

Wie der Schuh-Hersteller Birkenstock mitteilt, laufen die Planungen auf Hochtouren, um im Gewerbegebiet Ebersbach den Produktionsbetrieb auszuweiten. Dafür soll das Gebäude, in dem sich derzeit der Werksverkauf befindet, genutzt werden. Das teilte das Unternehmen mit Sitz in Linz am Rhein am Dienstag mit. Ob und wie viele neue Jobs mit dem Ausbau verbunden sind, dazu gab es jetzt keine detaillierten Angaben. Da aber neue Anlagen errichtet werden, sei das wahrscheinlich, hieß es.

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Acht Millionen Euro für Görlitz

Für acht Millionen Euro sollen bis Ende dieses Jahres neue Produktlinien für die Herstellung vor allem der aus Kunststoff produzierten Bade- und Freizeitsandalen aufgebaut werden. Sie sind einer der Renner bei Birkenstock und tragen zur guten Entwicklung des gesamten Unternehmens bei. Zuletzt machte Birkenstock im Geschäftsjahr 2018/2019 rund 721 Millionen Euro Umsatz, einen Überschuss von 130 Millionen Euro und verkaufte 24 Millionen Paar Schuhe. "Nie zuvor haben wir mehr Schuhe produziert", erklärt Birkenstock-Vorstandschef Oliver Reichert, "deshalb ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, um mit unserem Investitionsprogramm die Weichen für künftig noch weiteres Wachstum zu stellen".

Birkenstock vermarktet sich selbst nicht als x-beliebiger Schuhhersteller, sondern als eine Lifestyle-Marke, die zu einer höheren Lebensqualität beiträgt. Deswegen sind ihre Schuhe auch keine Billigartikel. Neben Schuhen produziert oder vertreibt das Unternehmen auch Taschen, Socken und Gürtel, Naturkosmetik und Schlafsysteme. Derzeit sind 4.300 Mitarbeiter für die Birkenstock-Gruppe tätig.

Zuletzt Zweifel am Bestand von Birkenstock

Aber nicht nur deswegen ist es der richtige Zeitpunkt. Zugleich zerstreut das Unternehmen damit auch Zweifel an seiner künftigen Entwicklung. Die waren aufgekommen, als überregionale Zeitungen wie die Neue Zürcher Zeitung oder die Frankfurter Allgemeine Ende Januar über einen möglichen Verkauf von Birkenstock an Finanzinvestoren berichteten. Verhandlungspartner soll mit der Private-Equity-Haus CVC ein Unternehmen sein, das zuletzt auch die Parfümeriekette Douglas kaufte und sich auch für den Bundesliga-Betreiber DFL interessiert.

Die Werke in Görlitz und Bernstadt zusammen sind die größten Produktionsstandorte von Birkenstock in Deutschland. Zusammen arbeiten hier mehr als 2.000 Mitarbeiter, nach Angaben aus Gewerkschaftskreisen sind es zuletzt sogar fast 2.500 Mitarbeiter gewesen. Eine Bestätigung dafür gibt es von Birkenstock nicht. Aber auch die Gewerkschaften sehen, dass das Geschäft sehr gut laufe, es brumme regelrecht, heißt es. Dazu beigetragen haben Umstrukturierungen in den vergangenen Jahren, um die Produktion effektiver gestalten zu können.

Anders als im Frühjahr 2020 musste Birkenstock seine Produktion jetzt nicht wegen der Corona-Pandemie unterbrechen, sondern weitete den Schichtbetrieb nach eigenen Angaben sogar aus. Ein Großteil der Mitarbeiter von Birkenstock pendeln täglich aus Polen nach Görlitz und Bernstadt, in der ersten Corona-Welle hinderten geschlossene Grenzen sie eine Weile, an ihren Arbeitsplatz zu gelangen.

Bis zu 90.000 Paar Schuhe können in den beiden Werken in Sachsen täglich hergestellt werden. Mit der Erweiterung werden es deutlich mehr sein. Nach dem jüngsten Personalabbau im Görlitzer Waggonbau, ist Birkenstock damit der größte Industriebetrieb in der Stadt. Hier werden Schuhe komplettiert sowie die Kunststoffsandalen komplett gegossen.

Birkenstock nahm sein neues Labor in Bernstadt in Betrieb

Doch Birkenstock investiert auch in weitere Büroflächen für Verwaltungsmitarbeiter am Görlitzer Standort. Bereits in den vergangenen Jahren hatte das Unternehmen ein neues chemisches Zentrallabor in Bernstadt errichtet. Hier werden alle Materialien im Wareneingang auf mögliche Schadstoffe untersucht, bevor sie zur Verarbeitung freigegeben werden. Nun nahm auch noch ein technisches Prüflabor in Sankt Katharinen in Rheinland-Pfalz seine Arbeit auf, wo technische Innovationen vorangetrieben und die produktionsbegleitende Qualitätssicherung stattfindet. Beide Labore kosteten etwa 4,5 Millionen Euro.

Weitere Produktionsanlagen sollen in den kommenden Jahren in Sankt Katharinen und in Steinau-Uerzell (Hessen) sowie ein neues Lagersystem am Logistikstandort der Birkenstock-Gruppe in Vettelschloss (Rheinland-Pfalz) hinzukommen. Insgesamt will die Unternehmensgruppe allein in diesem Jahr eine zweistellige Millionen-Summe für Investitionen bereitstellen. Birkenstock betreibt Werke an vier Orten in Deutschland und verfügt über eigene Vertriebsniederlassungen in zwölf Staaten der Welt, darunter in den USA, in China, Dubai und Indien.

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