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Hotels und Kneipen fehlt Personal

Nach Gewerkschaftsangaben verlassen viele Fachkräfte die Branche im Kreis Görlitz. Die Gewerkschaft sieht nur einen Ausweg.

Servicekraft händeringend gesucht: Viele Hotels und Gaststätten finden aktuell kein Personal.
Servicekraft händeringend gesucht: Viele Hotels und Gaststätten finden aktuell kein Personal. © NGG

Zahlen gab es bislang nicht, nur Berichte von einzelnen Gastronomen. Doch nun legt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zum ersten Mal Details zur Abwanderung von Fachkräften aus der Branche vor.

Demnach haben im Landkreis Görlitz innerhalb eines Jahres rund 300 Köche, Serivcekräfte und Hotelangestellte dem Gastgewerbe den Rücken gekehrt. Die Gewerkschaft NGG bezieht sich auf jüngste Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Demnach beschäftigte die Branche zum Jahreswechsel 2020/21 noch 3.740 Menschen. Genau ein Jahr zuvor – vor Ausbruch der Coronavirus-Pandemie – waren es noch 4.060. Damit haben innerhalb von zwölf Monaten acht Prozent der Beschäftigten die Branche verlassen.

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Angesichts weiterer Lockdowns bis in den Mai hinein dürfte sich der Personal-Schwund bis heute nochmals zugespitzt haben, befürchtet Thomas Lißner, Geschäftsführer der NGG-Region Dresden-Chemnitz. „Viele Menschen schätzen es, nach langen Entbehrungen endlich wieder essen zu gehen oder zu reisen. Aber ausgerechnet in der Sommersaison fehlt einem Großteil der Betriebe schlicht das Personal, um die Gäste bewirten zu können“, so Lißner.

Für die Lage macht der Gewerkschafter insbesondere die Einkommenseinbußen durch die Kurzarbeit verantwortlich: „Gastro- und Hotel-Beschäftigte arbeiten sowieso meist zu geringen Löhnen. Wenn es dann nur noch das deutlich niedrigere Kurzarbeitergeld gibt, wissen viele nicht, wie sie über die Runden kommen sollen.“

Nach Ansicht der Gewerkschaft sind Jobs in Anwalts- oder Arztpraxen oder an der Supermarktkette für manchen attraktiver als in Hotels und Gaststätten. „Schon vor Corona stand das Gastgewerbe nicht gerade für rosige Arbeitsbedingungen. Unbezahlte Überstunden, ein rauer Umgangston und eine hohe Abbruchquote unter Azubis sind nur einige strukturelle Probleme. Die Unternehmen haben es über Jahre versäumt, die Arbeit attraktiver zu machen. Das rächt sich jetzt“, kritisiert Lißner.

Die NGG sieht in armutsfesten Löhnen, besseren Arbeitsbedingungen und einer fairen Behandlung durch den Chef Möglichkeiten der Branche, Fachkräfte zu halten. Zugleich räumt die Gewerkschaft ein, dass das vermutlich höhere Preise in Gaststätten zur Folge habe. Lißner ist aber überzeugt davon, dass "viele Gäste durchaus bereit sind, ein paar Cent mehr für die Tasse Kaffee zu bezahlen".

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