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Otto geht

Der IG-Metall-Chef von Ostsachsen wechselt nach Berlin. Seine fünf Jahre in Görlitz und Bautzen haben Spuren hinterlassen.

Mikrofonen ging Jan Otto nie aus dem Weg: Hier vor dem Siemens-Gelände in Görlitz 2017.
Mikrofonen ging Jan Otto nie aus dem Weg: Hier vor dem Siemens-Gelände in Görlitz 2017. © nikolaischmidt.de

Ostsachsen braucht einen neuen IG-Metall-Chef. Jan Otto wechselt nach Berlin. Er war als Erster Bevollmächtigter der weltgrößten Einzelgewerkschaft in den vergangenen fünf Jahren in Ostsachsen tätig. 

Am Dienstag wählten ihn 88,7 Prozent aller Delegierten auf einer Versammlung der IG Metall zum Ersten Bevollmächtigten in der Bundeshauptstadt. Zum neuen Führungsduo in Berlin zählt als zweite Bevollmächtigte Regina Katerndahl, die rund 84 Prozent der Stimmen erhielt. Das neue Amt trat Otto sofort an. In einer Übergangsphase wird er bis voraussichtlich November auch die Gewerkschaft in der Oberlausitz führen. Dann muss eine Delegiertenversammlung einen neuen IG-Metall-Chef für Ostsachsen bestimmen.

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Jan Otto in Aktion: Auf einer Demonstration für die Zukunft des Görlitzer Waggonbaus in Görlitz im März 2017.
Jan Otto in Aktion: Auf einer Demonstration für die Zukunft des Görlitzer Waggonbaus in Görlitz im März 2017. © nikolaischmidt.de
Jan Otto in Aktion: Auf einer Demonstration gegen die Schließung des Siemens-Werkes in Görlitz im November 2017.
Jan Otto in Aktion: Auf einer Demonstration gegen die Schließung des Siemens-Werkes in Görlitz im November 2017. © nikolaischmidt.de
Jan Otto in Aktion: Auf der Großdemonstration zum Erhalt der Arbeitsplätze bei Siemens und Bombardier in Görlitz. am 19. Januar 2018. 
Jan Otto in Aktion: Auf der Großdemonstration zum Erhalt der Arbeitsplätze bei Siemens und Bombardier in Görlitz. am 19. Januar 2018.  © nikolaischmidt.de

Dass diese Personalie weit über die Gewerkschaft hinaus von Interesse ist, zeigt auch die Wirkung, die Ottos Tätigkeit hatte.  Dass er das Gehaltsniveau durch Tarifverträge steigern, mehr Mitglieder für die IG Metall gewinnen und die Mitbestimmung in den Betrieben erhöhen wollte, waren naheliegende Ziele. Andere Herausforderungen kamen ungeplant und ungewollt, wie beispielsweise der Kampf um das Siemens-Werk in Görlitz.

IG Metall und Region haben gemeinsame Interessen

Wenn Jan Otto nun nach fünf Jahren nach Berlin geht, dann spricht er in aller Unbescheidenheit davon, dass die IG Metall für die Durchsetzung der Interessen der Arbeitnehmer deutlich besser aufgestellt ist als zuvor. 

Das hängt zum einen mit neuen Betriebsräten in vielen Betrieben wie beispielsweise bei Accumotive in Kamenz, bei Borbet in Kodersdorf oder Birkenstock in der Oberlausitz zusammen. In seiner Zeit als Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostsachsen hat Jan Otto mit seinem Team  die Zahl der betrieblichen Mitglieder in Ostsachsen verdoppeln können. Damit ist Ostsachsen bundesweit Spitze unter den 155 IG Metall-Geschäftsstellen. Und es gelang, für 4.000 Beschäftigte Tarifverträge durchzusetzen, teilweise erstmals und teilweise auch auf dem Niveau des Flächentarifvertrags, etwa bei Accumotive und auch beim Maja-Möbelwerk in Wittichenau. 

Ottos Wirkung hängt aber auch damit zusammen, dass er die IG Metall und deren Interessen verknüpfte mit denen der Region. Augenfällig wurde das bei den Kämpfen um den Erhalt von Arbeitsplätzen. So spielte Otto eine besondere Rolle bei den Protesten gegen die beabsichtigte Werksschließung von Siemens in Görlitz, die verhindert werden konnte sowie bei den Auseinandersetzungen um den Erhalt des Bombardier-Standortes in Görlitz. Zwar konnte das durchgesetzt werden, aber der Preis dafür, war ein erheblicher Stellenabbau. Positiv verlief letztlich der Verkauf des Waggonbaus Niesky an neue Eigentümer, weniger günstig die Pleite des Nieskyer Stahlbaus. 

Rückkehr in seine Heimatstadt

Otto kehrt mit dem Wechsel nach Berlin in seine Heimatstadt zurück. In Köpenick geboren, wuchs der heute 39-Jährige in Marzahn auf. Bei der Deutschen Bahn machte er eine Lokführer-Ausbildung, wozu zunächst die Lehre in einem grundständigen Beruf gehört, in dem Fall zum Elektroschlosser. Seine Gewerkschaftslaufbahn begann so richtig vor gut 15 Jahren, als er als Beschäftigter und späterer Betriebsratsvorsitzender bei der damaligen Berliner Veolia Verkehr einen Betriebsrat gründete und anschließend einen Tarifvertrag durchsetzte. Nach seinem Wechsel zur IG Metall lernte Otto das Gewerkschaftsleben im IG Metall-Bezirk Küste und als Gewerkschaftssekretär in der Autobranche in Leipzig kennen, ehe er dem Ruf nach Bautzen folgte.

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