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Wie stehen die Firmen in der Corona-Zeit da

Die Mittelstandsvereinigung der CDU hat eine Online-Befragung unter Unternehmen für den Kreis Görlitz vorgenommen. Die Antworten sind teils überraschend.

Wie geht es den es den Unternehmen im Landkreis Görlitz - hier ein Foto aus der Görlitzer Hanf- und Drahtseilerei - in Zeiten von Corona? 73 Firmen gaben dazu Auskunft.
Wie geht es den es den Unternehmen im Landkreis Görlitz - hier ein Foto aus der Görlitzer Hanf- und Drahtseilerei - in Zeiten von Corona? 73 Firmen gaben dazu Auskunft. © Paul Glaser / glaserfotografie.d

Wie es der Wirtschaft in der Pandemie geht, wird meist mit bundesweiten Kennziffern ermittelt. Erst in der vergangenen Woche zeigte der wichtigste Indikator, der Geschäftsklimaindex des ifo-Instituts in München, eine Stimmungsaufhellung bei den meisten Firmen in Deutschland.

Sylke Jennewein aber wollte wissen, wie es den Unternehmen im Landkreis Görlitz geht. Sie ist Rechtsanwältin und ehrenamtliche Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion der CDU (MIT). Zwar ist das eine parteipolitisch gebundene Mittelstandsvereinigung, man kann aber in der MIT Mitglied sein, ohne der CDU anzugehören. Frau Jennewein holte den Unternehmensberater Dr. Arnd Friedrichs ins Boot, der einen Fragenkatalog entwarf.

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Anschließend schickten die beiden ihn an mehrere hundert Unternehmen, die nicht nur Mitglieder der MIT sind, und erhielten von 73 Unternehmen Antwort. Die teilnehmenden Unternehmen kommen aus allen wirtschaftlichen Bereichen: Industrie (23 Prozent), Einzelhandel (17 Prozent), Baugewerbe/Straßenbau (8), Kultur- und Kreativwirtschaft (6), Kfz-Handel, Reisewirtschaft und Gastgewerbe (je vier Prozent), Großhandel sowie Gesundheitswesen (jeweils 3 Prozent) und Sonstige Dienstleistungen (28). Nach der Unternehmensgröße beteiligten sich am meisten Unternehmen mittlerer Größe (44 Prozent) an der Umfrage, gefolgt von Kleinunternehmen (29 Prozent), Einzelunternehmen und Soloselbstständige (23 Prozent) und Großunternehmen (4 Prozent).

Umsatzeinbußen, aber viele verzichten auf Hilfen

Erstmals liegt nun ein Stimmungsbild der hiesigen Wirtschaft vor. Deren Lage ist stark durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie beeinflusst. 73 Prozent aller Unternehmen verzeichnen Umsatzeinbuße, nur 16 Prozent sehen keine Auswirkungen von Corona auf ihren Umsatz, sieben Prozent haben sogar leichte Steigerungen, vier Prozent können das gegenwärtig nicht einschätzen. "Die Umsatzeinbußen waren nicht überraschend", schätzt Sylke Jennewein ein. "Dagegen aber schon, dass trotzdem fast die Hälfte der befragten Unternehmen angaben, keine Hilfen in Anspruch genommen zu haben." 37 Prozent der befragten Unternehmen gaben diese Antwort.

Kurzarbeitergeld war größte Hilfe

Vor allem half aber die Zahlung des Kurzarbeitergeldes, was 44 Prozent der Unternehmen in Anspruch nahmen. Das deckt sich auch mit den Angaben der Bundesanstalt für Arbeit. Auf dem Höhepunkt der ersten Corona-Welle im April 2020 wurde in den Kreisen Görlitz und Bautzen Kurzarbeitergeld an 33.180 Arbeitnehmer in 4.107 Unternehmen gezahlt. Anschließend sanken die Zahlen bis zum Oktober, wo noch 8.752 Arbeitnehmer in 1.256 Unternehmen Kurzarbeitergeld erhielten. Zahlen für die zweite Corona-Welle liegen noch nicht vor.

Weitere Hilfen wie die Soforthilfe, die November- und Dezemberhilfe sowie die Überbrückungshilfe nahmen die Unternehmen zwar auch, aber doch sehr verhalten in Anspruch. Für Sylke Jennewein zeigt das, dass die Instrumente durchaus gewirkt haben und die Hilfen auch genutzt wurden, allerdings wurden die Verfahren als zu bürokratisch und komplex eingeschätzt. "Insbesondere die Unübersichtlichkeit der einzelnen Fördermöglichkeiten wurde kritisiert", sagt sie.

Vor allem kritisierten die Unternehmer, dass zwar Fixkosten wie Löhne oder Mieten Berücksichtigung bei den Hilfen fanden, aber das Gehalt der Geschäftsführer nicht. Deswegen fordert die MIT in Auswertung der Umfrage, dass die Fördermittelverfahren vereinfacht werden, möglicherweise über Finanzämter abgewickelt und mit Vorsteuerzahlungen verknüpft werden. Auch sollten Unternehmergehälter und variable Kosten bei den Überbrückungshilfen berücksichtigt werden.

Wenn der Umsatz sinkt, ist zuvor die Nachfrage gesunken. Es überrascht daher wenig, dass 62 Prozent der Unternehmen eine geringere Nachfrage als Hauptfolge der Corona-Pandemie angeben. Doch aus ihrer Sicht gibt es noch mehr Auswirkungen. Vor allem der Ausfall von Mitarbeitern durch Quarantäne oder Erkrankung macht mehr als der Hälfte der Betriebe (56 Prozent) zu schaffen. Es folgen Stornierung von Aufträgen durch Kunden mit 37 Prozent. Probleme mit Zulieferern gaben 30 Prozent an, unterbrochene Absatzwege 25 Prozent, fehlende Waren oder Dienstleistungen zu 22 Prozent.

Digitalisierung erhält einen großen Schub

Doch die Unternehmer haben die Corona-Pandemie nicht nur als Schicksal erlitten, sondern reagierten auch gezielt darauf. Zunächst, indem sie sparten (33 Prozent), Mitarbeiter entließen (23 Prozent) oder Investitionen schoben (48 Prozent).

Zugleich aber treibt die Pandemie auch die Digitalisierung der Wirtschaft an. Je länger sie andauert, umso gravierender. 38 Prozent aller Unternehmen investierten in die Digitalisierung, viele in den Aufbau von Online-Präsenzen (33 Prozent). Hier könnte, so findet die MIT, staatliche Förderung ansetzen und hilfreich sein.

Jedes fünfte Unternehmen stellte gar sein Geschäftskonzept um (19 Prozent). Darin kommt auch die Verunsicherung in der Wirtschaft zum Ausdruck, findet Sylke Jennewein. Wie geht es nach der Pandemie weiter, erholen sich die Geschäfte schnell nach deren Abflauen, das sind Fragen, auf die es derzeit kaum Antworten gibt. Deswegen erwartet sie schnell Klarheit von Bund und Ländern, dass Investitionen von Unternehmen auch künftig gefördert werden. Denn für die MIT ist klar, dass trotz aller Probleme die Wirtschaft im Landkreis in den vergangenen Monaten gezeigt habe, dass sie über ein "hohes Maß an unternehmerischen Geist und Innovationsbereitschaft verfügt". Im Herbst soll eine zweite Umfrage stattfinden, kündigt Sylke Jennewein an.

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