merken
PLUS Görlitz

Siemens streicht weitere 124 Stellen in Görlitz

Bei den Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Konzernführung konnte das Ausbildungszentrum erhalten werden. Doch es ist nur ein kleiner Erfolg.

Mit einem Warnstreik forderten im März die Beschäftigten des Görlitzer Turbinenwerkes von Siemens Energy Sicherheit für ihre Jobs.
Mit einem Warnstreik forderten im März die Beschäftigten des Görlitzer Turbinenwerkes von Siemens Energy Sicherheit für ihre Jobs. © Martin Schneider

Görlitz war bis zuletzt im konzerninternen Rennen bei Siemens Energy als Standort für die Produktion von Elektrolyseuren dabei. Doch am Ende zog Görlitz gegenüber Berlin den Kürzeren. Nach Gewerkschaftsangaben erhielt Berlin den Zuschlag, die Endmontage geht nach Mühlheim. Damit werden die beiden Werke zum Teil mit der Neuansiedlung entschädigt, wo nun nochmals besonders viele Arbeitsplätze in der Produktion von Dampf- und Gasturbinen wegfallen sollen, für die die Märkte zusammengebrochen sind.

Kleiner Erfolg für Görlitz

Görlitz hat bei den Verhandlungen nur einen kleinen Erfolg erzielt: Das Ausbildungszentrum in der Neißestadt bleibt erhalten. Aber Siemens Energy will am Standort Görlitz weitere 124 Stellen streichen, ursprünglich geplant waren 127. Es ist die dritte Restrukturierungsmaßnahme seit 2015, erklärt die IG Metall Ostsachsen in einer Mitteilung am Donnerstag.

Anzeige
Kommen Sie ins Team der WOGENO
Kommen Sie ins Team der WOGENO

Die WOGENO Wohnungsgenossenschaft Zittau eG bietet für engagierte Bewerber ein attraktives und verlässliches Arbeitsumfeld.

Der Ton der Arbeitgeberseite habe sich zudem enorm verschärft und gleiche fast einer Erpressung. So musste in den Verhandlungen sogar die Einigungsstelle eingeschaltet werden, um zu einem Ergebnis zu kommen. Für Siemens ein absolutes Novum. Normalerweise wurden stets sozialpartnerschaftliche Lösungen gefunden, sagt Uwe Garbe, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostsachsen.

Seit Jahren Kampf um den Erhalt des Görlitzer Standorts

Erst 2018 stand das Werk in Görlitz vor der kompletten Schließung, die erst nach massiven Protesten auch aus der Stadtgesellschaft heraus verhindert wurde. In einem Zukunftspakt verpflichteten sich Siemens und das Land Sachsen, das Görlitzer Werk zu einem Kompetenzzentrum für Zukunftstechnologien umzustrukturieren und es als weltweite Zentrale für den Industriedampfturbinenbau bei Siemens Energy zu erhalten. So errichten die Fraunhofer-Gesellschaft und Siemens Energy ein Wasserstoff-Forschungslabor, für das der Freistaat über 40 Millionen Euro zur Verfügung stellt.

Mit dezentralen Anwendungen wie Solarthermie, Abwärmenutzung, Biomasseanlagen sowie schwimmenden Kraftwerken könnten die Görlitzer ein profitables Geschäft aufziehen, zeigt sich die IG Metall überzeugt.

Warnstreik bereits im März bei Siemens

Im März hatten die Siemensianer in Görlitz noch bei einem Warnstreik ihre Kritik an den Unternehmensplänen deutlich gemacht. Bei Siemens hieß das Stellenziel bis Februar 750. Wenn weitere Stellen gestrichen werden sollten, so damals der Görlitzer Siemens-Betriebsratsvorsitzende Ronny Zieschank, sind alle Zukunftspläne in Gefahr. Deswegen drängte er auch den Vorstand von Siemens Energy dazu, mit Taten zu zeigen, dass er hinter dem Zukunftspakt für Görlitz steht. Und das heißt, zusätzliche Investitionen in den Innovationscampus zu stecken. Jetzt scheint genau das befürchtete Szenario einzutreten, indem die Belegschaft des Turbinenwerks auf 600 Mitarbeiter heruntergefahren wird.

IG-Metall-Chef Uwe Garbe versichert trotzdem aufs Neue, dass die Beschäftigten von der Unternehmensführung von Siemens Energy weitere Produktzusagen einfordern werden, um das Görlitzer Werk auch künftig zu erhalten.

Siemens Energy muss angesichts der Energiewende sein Geschäft umstrukturieren und hat für das vergangene Geschäftsjahr fast 2 Milliarden Euro Verlust ausgewiesen. Bestreben des Vorstandschefs Christian Bruch sind umfassende Kostensenkungsprogramme, bei denen ursprünglich 3.000 Arbeitsplätze in Deutschland bedroht waren sowie die Verlagerung von Produktionsstrecken nach Ungarn.

Mehr zum Thema Görlitz