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Waggonbau-Zulieferer hat Probleme

Die BSG Components Görlitz ist in Eigeninsolvenz. Die Zeit will die junge Firma für Gespräche mit Alstom nutzen. 63 Jobs sind damit verbunden.

Auch in der neuen Straßenbahn, die Alstom für Dresden baut, sind Teile der BSG Components aus Görlitz zu finden.
Auch in der neuen Straßenbahn, die Alstom für Dresden baut, sind Teile der BSG Components aus Görlitz zu finden. © Alstom

Mit dieser Ausgliederung aus dem Görlitzer Waggonbau sind viele Hoffnungen verbunden. Die BSG Components GmbH & Co KG übernahm im vergangenen Jahr 63 Mitarbeiter des Waggonbaus zu Tariflöhnen. Doch jetzt erlebt die Firma einen Rückschlag.

Seit Anfang des Monats befindet sie sich in Eigeninsolvenz, wie Miteigentümer Mike Klaus Barke gegenüber der SZ bestätigt. Die Mitarbeiter wurden auf einer Belegschaftsversammlung über den Stand der Dinge informiert. Barke zeigt sich zuversichtlich, mit dem französischen Bahn-Konzern Alstom eine Lösung für die Probleme zu finden.

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Entstanden seien sie durch den Verkauf der Bombardier-Bahnsparte an Alstom sowie die Corona-Pandemie. "Dadurch haben sich Aufträge verzögert", erklärt Barke. Alstom sei bereit, mit Barke zu verhandeln und zeige sich kooperativ für eine Lösung. Dabei müssen alte Verträge aus der Bombardier-Zeit angepasst werden.

Neue Firma ist wichtiger Zulieferer für Waggonbau

Ein Bild aus besseren Tagen: Mike Barke, Geschäftsführender Gesellschafter; André Wendler, Standortleiter; Hans-Christian Zink, Geschäftsführender Gesellschafter bei BSG Components (v. li.).
Ein Bild aus besseren Tagen: Mike Barke, Geschäftsführender Gesellschafter; André Wendler, Standortleiter; Hans-Christian Zink, Geschäftsführender Gesellschafter bei BSG Components (v. li.). © Martin Schneider

Die BSG ist einer der großen Zulieferer für die Waggonbau-Standorte in Görlitz und Bautzen, seit das Unternehmen die frühere Teilefertigung vom Görlitzer Bombardier-Werk übernommen hat. Hier werden Blechtafeln und Holzbretter zugeschnitten, mechanisch bearbeitet oder umgeformt, um sie in Kästen, Konsolen oder Trägerbaugruppen einzubauen, die schließlich in den Doppelstockwagen von Alstom für Israel, im ICE4 oder in Nahverkehrs-Doppelstockwagen für Niedersachsen Platz finden. Selbst in der neuen Dresdner Straßenbahn finden sich Teile von BSG Components.

Mike Klaus Barke gilt als erfahrener und auch zuverlässiger Unternehmer aus dem Leipziger Raum. Er ist auch Vizepräsident des sächsischen Unternehmerverbandes. Gemeinsam mit Hans Christian Zink gründete er 2019 die BSG Components GmbH & Co KG.

Große Investition für Schlauroth angekündigt

Barke verfolgt mit seinem Unternehmen große Ambitionen in Görlitz. So plant er im Gewerbegebiet Schlauroth eine Investition, um ein 3-D-Druck- und Servicezentrum für die Bahnindustrie aufzubauen. Langfristig spricht die Stadt von Investitionen von sechs Millionen Euro und bis zu 25 zusätzlichen Arbeitsplätzen. Barke war die zweite Ansiedlung in Schlauroth, nachdem sich bereits die Brandschutztechnik Görlitz GmbH in dem neuen Gewerbegebiet niederlässt. Gegenüber der SZ machte Barke trotz der zwischenzeitlichen Probleme keine Abstriche an seinen Schlaurother Plänen.

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Der Görlitzer Stadtrat gab am Donnerstag nun auch grünes Licht für den zweiten Bauabschnitt in dem Gewerbegebiet. 4,8 Millionen Euro sind dafür vorgesehen, 90 Prozent der Kosten trägt der Freistaat. Dafür soll beispielsweise die Entwässerung und die Straßenbeleuchtung für das gesamte Gebiet fertiggestellt werden. Die Haupterschließungsstraße wird zusammen mit einer Wendeschleife gebaut und die Straße Stadtgrabensiedlung zu einem Radweg umgebaut. Auch sollen weitere Gebäude abgerissen werden. Für eine dritte Fläche gibt es einen Kaufantrag bei der Stadt.

Für die BSG Components geht es jetzt aber erst einmal darum, eine Einigung mit Alstom zu finden. Barke rechnet damit, dass die Eigeninsolvenz bis längstens Ende September dauert. Dann soll das junge Unternehmen wieder richtig durchstarten.

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