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Was die neuen Marktpächter vorhaben

Es sind die ersten Tage für die neuen Betreiber des Görlitzer Wochenmarktes, die Deutsche Marktgilde. Sie will Streit hinter sich lassen.

Edgar Palamar und Katrin Schiel übernahmen jetzt die Schlüssel für den Wochenmarkt Görlitz.
Edgar Palamar und Katrin Schiel übernahmen jetzt die Schlüssel für den Wochenmarkt Görlitz. © Foto: SZ/sdn

Mit den zig Schlüsseln müssen sich Katrin Schiel und Edgar Palamar erstmal zurechtfinden. Die Schlüssel gehören zu den Stromkästen auf der Elisabethstraße. Die Schlüsselübergabe - der letzte Schritt für den alten Betreiber des Wochenmarktes, der erste für den neuen, die Deutsche Marktgilde. Katrin Schiel ist Prokuristin der Dresdner Niederlassung und zuständig für 36 Standorte in Ostdeutschland, nun auch in Görlitz. Der Marktmeister wird Edgar Palamar sein.

Auf der Elisabethstraße ist derzeit nur wenig los. Mitte März wird die Saison wieder richtig starten. Die Zeit bis dahin will Katrin Schiel nutzen, Kontakt zu den Händlern aufzunehmen. Alle, die bisher da waren, seien auch weiter willkommen. Insgesamt will sich Katrin Schiel ein Vierteljahr Zeit nehmen, den Wochenmarkt kennenzulernen. Und das Umfeld mit seinen Geschäften. Auch das spiele eine wichtige Rolle: „Ein Wochenmarkt braucht auch ein belebtes Umfeld.“

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Kennlernzeit

Jenseits der Pandemiezeit ist der Görlitzer Wochenmarkt an sechs Tagen geöffnet. An welchen ist viel los, an welchen weniger, werden zu bestimmten Tagen bestimmte Waren besonders nachgefragt - wäre es sinnvoll, den Markt an bestimmten Tagen thematisch zu gliedern? Machen die bisherigen Marktzeiten Sinn? Fehlt etwas?

Marzena Paszkiewicz trägt die Schlüssel in einer Folie zum Markt. Man merkt ihr, Sylwia und Francois Fritz an, dass es kein leichter Weg ist. 24. November 2002, an dem Tag hatte zunächst Francois Fritz den Wochenmarkt übernommen, später wurde daraus die Wochenmarkt GbR. Zuvor betrieb die Stadt den Markt. Schaut man sich Artikel von damals an, lässt sich zusammenfassen: Die Fronten waren verworren: 2001 hatte die Stadt beschlossen, den Markt zu privatisieren, weil sie trotz vieler Anläufe keine Marktsatzung erarbeiten konnte, die nicht rechtlich angefochten wurde.

„Das war eine brutale Zeit damals“, sagt Fritz. In der Anfangszeit habe es noch mehrere Gerichtsverfahren gegeben, „die wir quasi übernommen hatten.“ Francois Fritz ist nicht unumstritten, auch die Wochenmarkt GbR nicht. Immer mal wieder gab es auch in späteren Zeiten Kritik, mal mehr, mal weniger berechtigt. Zu wenig Flair, zu hohe Standgebühren, bekommen die polnischen Händler etwa die besseren Plätze? Die andere Seite: Mehr Ruhe und Ordnung, die Etablierung des Wochenmarktes, das hat das Trio durchaus erreicht.

Wochenmarkt war zuletzt Streitthema

Ein Streit wird sicher in Erinnerung bleiben. Marzena Paszkiewicz steht mit dem Ehepaar Fritz auch hinter einem Hotel auf der Elisabethstraße. Die AfD warf ihnen zuletzt vor, einige Parkplätze, die für die Wochenmarktbetreiber gedacht waren, Gästen des Hotels zur Verfügung zu stellen. Fritz argumentierte immer, das sei mit der Stadtverwaltung auch geklärt gewesen. Die Arbeit mit der Stadt sei eigentlich immer gut gewesen. „Ich hatte den Wochenmarkt, den Handel vor Ort, die Stadt und uns immer als Symbiose gesehen.“ Die Kritik seitens der AfD wertete er als Versuch, ihn als AfD-Gegner zu treffen. Die AfD sagte, sie wolle nur rechtliche Klarheit.

Einen Antrag der AfD, der Wochenmarkt GbR sogar zu kündigen, lehnte die Stadt ab. Sie schrieb die Konzession dennoch neu aus: Die Corona-Zeit hatte gezeigt, dass manche Veränderungen - räumlich und inhaltlich - gut angenommen wurden und bleiben sollten. Die Wochenmarkt GbR sah es anders, aber die Stadt argumentierte, bei einer Neuausrichtung brauche es auch eine Neuausschreibung. Die sorgt aber bis heute für Streit, aktuell etwa auf Facebook zwischen der Linken und der AfD in Görlitz. „Ich will, dass hier wieder Frieden einkehrt“, sagt Francois Fritz. „Wenn die Marktgilde Unterstützung braucht, sind wir auch da.“

Katrin Schiel hat von alldem gehört. Sie will nach vorne schauen. „Mir ist ein lebendiger Markt wichtig.“ Deshalb jetzt die Bestandsaufnahme, um ein Konzept aufzustellen. Zum Beispiel könnte sie sich ein unregelmäßiges Extra-Programm auf dem Markt vorstellen, „zum Beispiel einen Gesundheitstag mit den Krankenkassen und ansässigen Akteuren“. Die Organisatoren vom Europamarathon, der immer eine Station auf der Elisabethstraße hat, seien schon auf sie zugekommen. „Natürlich machen wir da mit. Ich bin für alles offen.“ Etwa für einen regelmäßigen Abendmarkt.

Auf jeden Fall will sie auch Verkäufer anderer Märkte auf Görlitz aufmerksam machen. Von Streitigkeiten wegen polnischer Händler will sie nichts hören. „Wir haben polnische Händler bis hin zu unserem Dessauer Markt. Sie bereichern das Angebot.“

Marktgilde will nach vorne sehen

Erst einmal sind drängende Probleme zu lösen. Früher konnten die Händler im Hotel auf der Elisabethstraße auf die Toilette gehen. Ob das weiterhin möglich ist - im Moment sieht es nicht so aus. Die Stadt Görlitz hatte etwa auf die Toiletten auf der Apothekergasse verwiesen, erklärt Katrin Schiel. „Aber das ist zu weit weg. Die meisten Händler betreuen allein ihren Stand“. Sie hat eine andere Lösung gefunden - mit dem City Center. Die Reinigung und Pflege des Platzes wird ein Görlitzer Hausmeisterservice übernehmen.

Die Quadratmeterpreise für die Händler seien bei der Marktgilde niedriger als bei der Wochenmarkt GbR. Katrin Schiel vermutet, dass die Standgebühren letztlich aber doch geringfügig höher ausfallen könnten, weil etwa Kosten für die Reinigung dazukommen. Ein anderer Punkt: Um das Parken auf der Elisabethstraße zu regeln, hatte Francois Fritz Poller rund um den Platz aufgestellt. „Wir haben jetzt den Urzustand wiederhergestellt“, erklärt er. Und die Poller seien nicht mehr erwünscht gewesen. Ein Vertreter des Ordnungsamtes hielt zur Marktübergabe dagegen, so stimme das nicht.

Wie auch immer, die Poller sind weg. Und die Marktgilde hat damit ein altes Park-Problem. Aber davon will sich Katrin Schiel nicht aus der Bahn bringen lassen. Sie kümmert sich seit vier Jahren um Wochenmärkte. "Wir wollen für alle Seiten eine gute Lösung finden."

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