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Woher kommt dieses geheimnisvolle Skelett?

Warum das Gerippe in der Denkmal-Scheune auf dem Königshainer Schlossgelände steht, scheint unklar. Aber es gibt Vermutungen.

Hinter den verstaubten Scheiben der Remise ist das Gerippe – und gespiegelt im Fenster ein Teil der Schlossanlage - zu entdecken. Die Scheune steht unter Denkmalschutz. Königshain hofft auf Fördermittel für die Sanierung.
Hinter den verstaubten Scheiben der Remise ist das Gerippe – und gespiegelt im Fenster ein Teil der Schlossanlage - zu entdecken. Die Scheune steht unter Denkmalschutz. Königshain hofft auf Fördermittel für die Sanierung. © Constanze Junghanß

Was macht das Skelett hinter der Fensterscheibe? Zwischen Stühlen und einem Rosenstrauß aus Plastik steht der Knochenmann – oder die Knochenfrau? - in der großen Scheune auf dem Barockschlossgelände. Kopflos. Der Schädel fehlt. Die Scheune ist eine ehemalige Remise unter Denkmalschutz, beherbergte anno dazumal Kutschen und soll saniert werden.

Aber noch ist da der Bauhof der Gemeinde untergebracht, wie Bürgermeister Siegfried Lange sagt. Und eben die Knochenfigur. Das Skelett sei keinesfalls echt. Doch wie es dahin kam und wie lange es schon hinterm Fenster – den Rücken Richtung Wiese gewandt – steht, kann er nicht sagen. Wer zum Kräutergarten unterwegs ist oder in der Schlossanlage spazieren geht, sieht die hellen Knochen vielleicht hinter den staubigen Scheiben hervorblitzen.

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Siegfried Lange vermutet, dass das Gerippe aus einer ehemaligen Schule stammen könnte – ein Unterrichtsmaterial. Sicher ist er nicht. Eine Schule gab es früher in Königshain. Erst als Polytechnische Oberschule geführt, nach der Wende als Grundschule. Sie wurde geschlossen, wie so viele andere Dorfschulen auch. Seit 2007 lernen die Königshainer Mädchen und Jungen an der Grundschule Ebersbach. Im ehemaligen Schulgebäude ist der Kinderhort untergebracht.

Das Gerippe könnte über 50 Jahre alt sein

Auch andere Königshainer können nur Vermutungen über das Skelett anstellen. Gemeinderätin Gudrun Schubert denkt gleichfalls an ein altes Schulmodell. Vielleicht das Skelett aus dem Bio-Unterricht der Reichenbacher Schule? Vor Jahrzehnten habe es da eins gegeben, erinnert sie sich. Ein Königshainer, der seinen Namen im Zusammenhang mit dem Gerippe nicht in der Zeitung stehen haben möchte, erzählt, dass auch das Dorf früher eine Oberschule hatte. „Zu DDR-Zeiten war das“, sagt er. Da habe es ein Skelett für den Biologie-Unterricht – allerdings noch mit Schädel – gegeben.

Mehr als 50 Jahre alt ist seine Erinnerung daran. Das Gerippe – so denkt er – könne aber noch älter sein. „Vielleicht wollte keine andere Schule das Skelett nach der Wende und der Schulauflösung haben“, vermutet er. So sei das gute Stück mehrfach hin und her transportiert worden und habe immer mehr einzelne Teile, darunter den „Kopf“, verloren. Merkwürdig und makaber in seinen Augen: „Niemand kennt die Geschichte dahinter wohl genau“, sagt der Mann.

Was mit dem Skelett passiert, wenn die Remise saniert wird, darüber hat sich Bürgermeister Siegfried Lange noch keine Gedanken gemacht. „Das wissen wir noch nicht“, sagt er. Vielleicht werde es aufgehoben, vielleicht lande es auf dem Müll? „Jetzt steht es jedenfalls in Ruhe und im Trockenen“, sagt er. Das wird wohl noch eine Weile so bleiben. Den Fördermittelantrag zur Sanierung des historischen Gebäudes auf dem Schlossgelände hat die Gemeinde abgegeben. In den kommenden Wochen werde sich klären, wie es mit der Remise weiter geht.

Die Sanierung soll fast eine halbe Million Euro kosten. Klappt das mit der Förderung für Sanierung und Ausbau, könnte Königshain damit einen Saal zum Feiern – unter anderem für Hochzeitsgäste - haben. Brautpaare werden bereits im Schloss nebenan im historischen Ambiente getraut. Auch Kunst und Kultur sollen eine Rolle spielen, wie der Vorsitzende des Heimatvereins, Joachim Mühle, der SZ im Sommer erläuterte.

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