merken
PLUS Görlitz

Wolf reißt erneut fünf Schafe in Reichenbach

Die Angriffe auf Schafherden rund um Görlitz häufen sich. Das könnte mit der Größe des Königshainer Rudels zusammenhängen.

Symbolfoto
Symbolfoto © dpa

Die Angriffe auf Nutztiere häufen sich in und um Reichenbach: Erneut sind fünf Schafe tot, ein Lamm wird noch vermisst.

„Sie mussten aufgrund ihrer schweren Verletzungen notgetötet werden“, sagt Landwirt Martin Bauz. Seine Herde war nicht betroffen, sondern die von Nachbarn in Dittmannsdorf, einem kleinen Reichenbacher Ortsteil. Von 15 Tieren sind noch neun Schafe übrig. Falk Hofer, Referent für Öffentlichkeitsarbeit beim Sächsischen Landesumweltamt (LfULG), bestätigt zu Dittmannsdorf: „Der Wolf konnte als Verursacher mit hinreichender Sicherheit bestätigt werden.“

Anzeige
Ferientipps für Sachsen und Umgebung
Ferientipps für Sachsen und Umgebung

Da ist sie endlich wieder, die schönste Zeit des Jahres - die Sommerferien! Wir haben tolle Freizeittipps für Familienausflüge in Sachsen, Thüringen und darüber hinaus.

Es ist erst zwei Wochen her, dass Wölfe in Niederreichenbach an zwei Tagen hintereinander Beute machten. Zwei Ziegen starben bei Landwirt André Bürger. Tags darauf tötete Lupus drei Schafe einer kleinen Privathaltung. Zwei Schafe wurden verletzt, eins blieb verschollen.

Einwohner sichten immer mehr Wölfe

Martin Bauz hat ebenfalls seine Erfahrung mit Wölfen gemacht. Trotz der beiden - damals jungen - Herdenschutzhunde griff der graue Jäger im Februar seine Herde in Kunnersdorf an. Fünf Tiere starben. Die Schafe hat der Landwirt aus dem Schöpstal weggeholt und die Zahl seiner Herdenschutzhunde aufgestockt. Mittlerweile sind es elf, acht von ihnen bewachen nun in Sohland am Rotstein seine Schafe. Damit hat Martin Bauz gute Erfahrung gemacht. Bisher ließen die Wölfe diese Herde in Ruhe, wie der Landwirt erzählt.

Doch warum kommt es nun so oft zu solchen Vorfällen? Auch in Vierkirchen wurden zum Jahresanfang Schaf und Ziege gerissen. Die Wolfssichtungen nehmen zu. Ein Jäger spricht von drei Welpen, die er kürzlich sah. Martin Bauz sichtete einen Einzelwolf in der Nacht, es gibt Sichtmeldungen von privat bei Reichenbach und aus Sohland. Da soll – so zeigt es ein kurzes Video – ein Wolf mitten auf einem Hof gestanden haben. Sind es mehr Wölfe rund um Reichenbach geworden?

Königshainer Rudel hat vermutlich sechs Welpen

Die Region liegt im Territorium des Königshainer-Berge-Rudels. Während die Behörden 2018 und 2019 für dieses Rudel keinen Nachwuchs registrierten, zählten sie allein im vergangenen Jahr fünf Welpen. Diese Zahlen sind bei der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) aufgeführt. Seitens des Landesumweltamtes wurden im Monitoringjahr 2020/2021 sogar sechs Welpen genetisch bestätigt.

Falk Hofer teilt außerdem mit, dass in diesem Frühjahr bei einer Sichtung „ebenfalls sechs Welpen fotografisch festgehalten wurden.“ Zwölf Junge innerhalb von zwei Jahren also. Ob mittlerweile eine Abwanderung einzelner Tiere stattfand, sei nicht bekannt. Während ihres zweiten Lebensjahres verlassen die jungen Wölfe meist ihr Rudel. Inwiefern das auf die Königshainer Wölfe zutrifft, bleibt im Moment ungewiss.

Jetzt soll zumindest bei dem jüngsten Riss in Dittmannsdorf eine genetische Untersuchung Klarheit darüber bringen, ob der Riss einem oder mehreren bekannten Mitgliedern des Königshainer Rudels zuzuordnen ist. „Wenn Wölfe die Erfahrung machen, dass sie Weidetiere leicht erbeuten können, stellt sich ein Lerneffekt ein“, räumt Falk Hofer ein. Nichtsdestotrotz bestünde der Großteil ihrer Nahrung aus Wild.

Appell an Schafhalter: Schutzvorkehrungen retten Tiere

Bei den letzten Vorfällen in Reichenbach sei nur in einem Fall ein Grundschutz vorhanden gewesen. „In einem Fall waren die Tiere vollständig ohne Schutz, obwohl dem Tierhalter gefördertes Zaunmaterial zur Verfügung stand. Auch beim Fall in Dittmannsdorf waren die Mindestschutzkriterien leider nicht erfüllt“, sagt Falk Hofer.

Anhand dieser Riss-Serie werde deutlich, wie wichtig es sei, den Herdenschutz konsequent umzusetzen. Wenn Tiere in Anbindehaltung oder lediglich von Bachläufen eingefriedet gehalten werden, „können sie früher oder später dem Wolf zum Opfer fallen.“ Dies habe weitreichende Folgen für alle Weidetierhalter in der Region. „Wir appellieren daher an die Tierhalter, die Beratungs- und Förderangebote in Anspruch zu nehmen und den Herdenschutz konsequent umzusetzen“, sagt Falk Hofer. Auch wenn diese Maßnahmen nicht jeden Riss verhindern könnten, sei die Wahrscheinlichkeit eines Wolfsübergriffes so geringer. Ob tatsächlich alle Schafhalter Schäden durch den Wolf melden, ist nicht bekannt.

Die Tiere hätten gelernt, Zäune zu überwinden, stellt Schafhalter Martin Bauz fest. „Ich rate mittlerweile dazu, aus Sicherheitsgründen Schafe am Abend in den Stall zu holen“, sagt er. Ideal jedoch sei diese Lösung nicht.

Mehr zum Thema Görlitz