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Für die Kinder gibt's Grießbrei und Pizzasuppe auf Wunsch

Katrin Lange betreibt die Schulküche Markersdorf mit einer ganz eigenen Philosophie. Das kommt nicht nur bei den Schülern gut an.

Schulküchen-Chefin Katrin Lange bereitet das Essen immer frisch zu.
Schulküchen-Chefin Katrin Lange bereitet das Essen immer frisch zu. © Constanze Junghanß

Der Topf ist riesig. Hühnerfrikassee. 400 Portionen köcheln vor sich hin. Gemüse kommt noch dazu. Zum Schluss eine Schale frisch gehackte Petersilie. Das Hühnerfrikassee ist das Wunschessen eines Mädchens namens Naomi. Und was die Kinder sich wünschen, das wird in der Markersdorfer Schulküche auch gekocht. Der Speiseplan liest sich dann beispielsweise so: „Michaels Wunsch: Buttermilchplinse“ oder „Oskars Wunsch: Grießbrei mit Erdbeeren“.

Die Schulküche in Markersdorf ist gleich in vielerlei Hinsicht etwas ganz besonderes. Nicht nur, dass da die Mädchen und Jungen ein bis zweimal wöchentlich das Sagen haben. Sie entscheiden, was an einigen Tagen auf dem Speiseplan steht. Der ist tatsächlich noch aus Papier, wird einmal monatlich verteilt, und es gibt täglich ein oder zwei Essenangebote. „Oldschool“, meint Schulküchen-Chefin Katrin Lange dazu schmunzelnd. Gekocht und gebrutzelt wird außerdem oft mit regionalen Produkten. Gemüse kommt von der Gärtnerei aus Hilbersdorf und aus Rothenburg, ein Teil des Fleisches vom Richter-Fleischer aus Löbau, die Eier aus Strahwalde, die Kartoffeln von Markersdorfer Landwirtschaftsbetrieben und das Brot vom ortsansässigen Bäcker.

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Eigenes Hochbeet für Kräuter angelegt

„Für die Kräuter haben wir ein eigenes kleines Hochbeet angelegt“, zeigt Katrin Lange auf die Büsche mit Maggikraut, Schnittknoblauch und Co. Für den Eintopf zum Beispiel. Aber auch schon Limonade aus Holunderblütensirup mit Minze vom Beet bereitete sie für die Schüler zu. Der wohl bisher ungewöhnlichste Wunsch eines Kindes war „Pizzasuppe“. Und auch Pizzasuppe gab es. „Selbstverständlich“, sagt Katrin Lange. Die Wünsche sollen schließlich in Erfüllung gehen.

Mandy Plumrich (vorn) und Heike Schwerdtner schälen Kartoffeln im Akkord per Hand.
Mandy Plumrich (vorn) und Heike Schwerdtner schälen Kartoffeln im Akkord per Hand. © Constanze Junghanß

Die 42-Jährige hat die Schulküche 2017 von der Königshainerin Regina Ludwig übernommen, die sich in Rente verabschiedet hatte. Ihre Nachfolgerin lernte im Schwarzwald, arbeitete mehrere Jahre in Österreich und kam als Rückkehrerin „wegen der Familie und dem Heimweh“ wieder in die Oberlausitz zurück. Ihre Erfahrung - „auch in der Sterne-Gastronomie“ - fließen in das Schulessen ein. Täglich wird frisch gekocht, auch mal Besonderheiten wie Couscous oder Curry-Hühnchen angeboten und ansonsten alles in aufwendiger Handarbeit hergestellt. So gibt es beispielsweise keine Schnitzel aus der Tiefkühltruhe.

Die werden ebenso weichgeklopft und paniert, wie die Quarkkeulchen aus Quark gemacht und die Stampfkartoffeln aus richtigen Kartoffeln. Dafür schälen Mandy Plumrich und Heike Schwerdtner die Erdäpfel im Akkord. Die Schalen werden später verwertet. „Die bekommen unsere Schafe“, erzählt eine der Frauen. Drei Mitarbeiterinnen stehen bei der Unternehmerin in Lohn und Brot. „Alle stammen aus der Gastronomie und dem Hotelwesen“, erzählt Katrin Lange. Ihre Mitarbeiterin Margit Deutschmann kenne jedes Essenskind mit Namen. Die Chefin betont, dass sie ein wirklich gutes Team, was mit Liebe und Freude bei der Arbeit dabei ist, sind.

Auch Oberschüler aus Reichenbach werden bekocht

Nicht nur den Schülern schmeckt es offenbar. Ebenso die Kindergärten werden bekocht, Senioren im Ort mit Mittagessen beliefert sowie Mitarbeiter einiger Firmen. Mittlerweile würden auch einige Oberschüler aus Reichenbach von den Markersdorferinnen bekocht. Da gibt es zwar einen überregionalen Essensanbieter. „Trotzdem entschieden sich einige Schüler für uns“, erzählt Katrin Lange. Denen wird das Essen, wenn sie von Reichenbach in ihr Dorf nach Hause kommen, vor die Haustür gestellt.

Die Kräuter wachsen gleich nebenan und werden frisch für das Mittagessen geschnitten.
Die Kräuter wachsen gleich nebenan und werden frisch für das Mittagessen geschnitten. © Constanze Junghanß

Trotz Regionalität und jeder Menge manueller Arbeit, dem Schleppen von bis zu 60 Kilogramm schweren Kochtöpfen und dem Abwasch, der ebenfalls eigenhändig gemacht wird, hat die Schulküche die Preise bisher noch nicht angezogen. 2,80 Euro kostet das Mittagessen für die Grundschüler in Markersdorf. Zum Vergleich: In der Reichenbacher Grundschule sind das aktuell 3,09 Euro.

Da jedoch die Preise für Lebensmittel und Benzin steigen, wird auch Katrin Lange ab kommenden Jahr den Essenspreis etwas erhöhen müssen, damit sich die Arbeit für ihr Unternehmen wirtschaftlich rechnet. Nicht abgegangen werde von der Regionalität vieler Zutaten. Denn die ist Programm. So wüssten die Kunden einerseits, woher das Essen kommt. „Andererseits möchte ich die Erzeuger in unserem Umfeld mit der Abnahme solcher Lebensmittel unterstützen“, sagt Katrin Lange.

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