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Wie der Biber die Oberlausitz erobert

Jetzt beginnt die Paarungszeit der großen Nager. Die Zahl der Biberreviere wächst, im Landkreis Görlitz gibt es mittlerweile 92 davon.

Symbolbild
Symbolbild © dpa/Felix Heyder

Nun ist der Biber offenbar auch in Melaune angekommen. Am Schöps nahe der Huh-Brücke und auch in der Ortslage wurden Fraßspuren entdeckt. Gesehen hat das Tier noch niemand. „Biber sind nachtaktiv und scheu“, erklärt Kay Sbrzesny vom Landschaftspflegeverband Oberlausitz (LPV). Die Melauner Biberspuren führten bis in Richtung Meuselwitz.

Ob das Tier ein „Durchzieher“ ist oder sesshaft wird, kann Sbrzesny noch nicht sagen. Das Vorkommen in Melaune wurde dem LPV, der seinen Sitz in Reichenbach hat, im Dezember vergangenen Jahres gemeldet. Zur gleichen Zeit gingen Meldungen neuer Standorte aus den Bereichen Rothenburg/Nieder Neundorf, aus der Region Rietschen und der „Verdacht“ einer Biberansiedlung in Neusalza-Spremberg beim Verband ein. Der hat die Bibervorkommen erfasst, kontrolliert die Reviere, bietet – außerhalb von Corona-Zeiten – Exkursionen und Vorträge zu dem zweitgrößten Nagetier der Erde an und wird auch in diesem Jahr dem Biber mit Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildungsprojekten weiter auf der Spur sein.

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Wanderausstellung und Infotafel geben Auskunft

So werden beispielsweise eine Wanderausstellung erstellt und Informationstafeln gebaut. Zehn davon soll es geben. Kommunen, die einen Biber bei sich in der Gemeinde wissen, können die Tafeln kostenlos anfordern und aufstellen. Eine Broschüre wird in dritter Auflage überarbeitet – inklusive Karte der Reviere zwischen Zittau im Süden und Weißwasser im Norden.

Die dafür zuständigen Bibermanager Kay Sbrzesny und Maria Jähde stellten fest, dass der Bestand der Biber im Landkreis Görlitz zahlenmäßig steil nach oben geht. Immer mehr der imposanten Nager siedeln sich im Kreis an. Den ersten Nachweis der monogam lebenden Tiere gab es vor 22 Jahren bei Zodel. Bis dahin war der Biber offenbar mehr als 200 Jahre vollständig aus dem Gebiet verschwunden. Seit 1999 wächst das Vorkommen stets und ständig. Waren es im Jahr 2014 noch 46 Reviere, die nachgewiesen wurden, kletterte die Zahl fünf Jahre später auf 77 Reviere.

Im vergangenen Jahr wurden bereits 92 Reviere nachgewiesen, 16 davon allein im Biosphärenreservat. Mindestens ein Tier – vielleicht sind es auch zwei oder eine komplette Familie – siedelte sich vergangenes Jahr direkt in Löbau an. „Der oder die Biber haben da auf dem ehemaligen Landesgartenschaugelände mittlerweile einen Riesendamm hingezimmert“, sagt Kay Sbrzesny. Um Genaueres über den Löbauer Biber zu erfahren, müsste nach Angaben des Experten jedoch eine Wildkamera aufgestellt werden. Bisher blieb der Erbauer des Damms für menschliche Augen unsichtbar.

Probleme mit den Tieren eher selten

Manchmal sorgt Familie Biber auch für Ärger. In Ufernähe komme es ab und an zu Deckeneinbrüchen, in Rothenburg wurde durch den Bau eine Ackerfläche geflutet, in Dauban stieg an einer Stelle das Grundwasser. Allerdings seien Probleme mit dem Tier eher selten, wie der Fachmann weiß.

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Jetzt beginnt die Paarungszeit. „Jedes Jahr kommt ein neuer Wurf mit ein bis zwei Jungtieren“, sagt Kay Sbrzesny. Die Jungen blieben in der Regel zwei Jahre bei den Eltern und gehen dann auf Wanderschaft, um ein neues Revier zu finden. Bei diesen Wanderungen wagten sie sich teils weit aus ihrem Ursprungsgebiet heraus. „Manchmal landen sie dann an völlig ungünstigen Stellen und kommen nicht mehr weiter“, so der Bibermanager. So habe sich einmal ein Biber an der Görlitzer Altstadtbrücke den Kopf eingeklemmt und musste befreit werden. Ein anderer flanierte durch Niesky, einer sei auf einem Parkplatz eines Görlitzer Discounters herumgeirrt. Zuletzt gerettet hat der LPV einen Biber in Nieder Neundorf. „Er war in einen Brunnen gefallen und kam allein nicht mehr heraus“, erinnert sich Kay Sbrzesny. Er konnte wieder in die Freiheit entlassen werden.

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