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Wie die Zaunreiter Kinder ins Grüne locken

Zwei Frauen haben sich in Görlitz selbstständig gemacht: Im schönen Libellengrund wollen sie Mensch und Natur wieder näher zueinander bringen.

Katharina Schubert (links) und Katja Baller (rechts) im Zaunreiter-Lager im Görlitzer Libellengrund. Hier findet alles draußen statt.
Katharina Schubert (links) und Katja Baller (rechts) im Zaunreiter-Lager im Görlitzer Libellengrund. Hier findet alles draußen statt. © Martin Schneider

Eintritt in eine kleine Traumwelt: Ganz nah, quasi noch fast mitten in der Stadt, gibt es in Görlitz den Libellengrund. Er liegt nicht weit von der Promenadenstraße entfernt und doch glaubt man, weitab der Zivilisation zu sein. Hier am Waldrand verwirklichen Katharina Schubert und Katja Baller ihren Traum. Seit einem Jahr sind sie die Zaunreiterinnen. Ihre Mission: Mensch und Natur miteinander verbinden. Beide sind noch aus der Generation, in der man als Kind mit einer Horde anderer Kinder jeden Nachmittag die Umgebung durchstreifte. Katharina Schubert tat das in Schirgiswalde, Katja Baller in Weinhübel. „Ja, Neubaugebiet, aber da war viel Feld drumherum“, sagt die 39-Jährige. Beide hatten außerdem noch Omas mit großen Gärten. Und so haben beide erlebt, wie schön und wie wertvoll es ist, als Kind unbeschwert draußen sein zu können.

Genau das wollen sie nun als Zaunreiter vielen Görlitzer Kindern ermöglichen. Gereift war die Idee schon länger. Beide sind Mütter, Katharina hat zwei, Katja drei Kinder. „Wir haben uns im Waldorfkindergarten kennengelernt und die Chemie stimmte sofort“, erzählt die 33-jährige Katharina. Erst recht nachdem sie gemeinsam auf einer Bank unter einer Linde herausfanden, dass sie beide etwas mit Kindern und Natur machen möchten. Beruflich brachten sie mit, was es dafür braucht: Katharina ist Sozialpädagogin und Illustratorin, Katja Erzieherin, Naturpädagogin und initiatorische Naturpädagogin.

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Es wird draußen gegessen und natürlich auch abgewaschen - an dieser kleinen Holzküche
Es wird draußen gegessen und natürlich auch abgewaschen - an dieser kleinen Holzküche © Martin Schneider

Zusammen mit David Sauer von der Görlitzer Hochschule erarbeiteten sie ein Gründungskonzept und den Businessplan und bewarben sich um eine Förderung beim InnoStartBonus. Das ist ein Programm der Innovationsplattform futuresax sowie des Freistaates Sachsen, das sächsische Gründer mit innovativen Geschäftsideen vor und zu Beginn der Existenzgründung finanziell unterstützt. Die beiden Frauen bekamen die Förderung.

Und dann kam Corona. Kurz nach ihrer Gründung im vergangenen Frühjahr. Umso kostbarer war die finanzielle Unterstützung, die die beiden Frauen ein Jahr lang vom Freistaat bekamen. Denn Corona hat sie ausgebremst. Wären sie als Träger der offenen Kinder- und Jugendarbeit anerkannt, könnten sie auch jetzt mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Aber diese Anerkennung gibt es frühestens nach drei Jahren – und so gelten die Corona-Kontaktbeschränkungen.

Haben sich zusammen einen Traum erfüllt und selbstständig gemacht: Die Zaunreiterinnen Katharina Schubert (links) und Katja Baller (rechts).
Haben sich zusammen einen Traum erfüllt und selbstständig gemacht: Die Zaunreiterinnen Katharina Schubert (links) und Katja Baller (rechts). © Martin Schneider

Dabei sprühen beide nur so vor Ideen. Am konkretesten sind die Heckenforscher, denn diese Kindergruppe konnte vergangenen Sommer schon ein paarmal die Natur rund um den Libellengrund erforschen. Auch die Auszeit für Mütter und Kinder ist sehr konkret, die beiden Zaunreiterinnen hoffen, dass sie vom 27. bis 30. Mai ihre NaturFrauenZeit durchführen können, die sie zusammen mit einer Yogalehrerin und Frauenbegleiterin umsetzen möchten. Das ist ein Wochenende für Mütter mit Kindern. Geschlafen wird im Zelt oder unter freiem Himmel, fließend Wasser gibt es nicht, abends sitzen alle gemeinsam am Feuer, man kann Yoga machen oder meditieren, Wildkräuter entdecken oder einfach nur dem Rauschen der Bäume zuhören. Inzwischen sind die Kinder auf Entdeckungsreise und stromern mit ihren Freunden durch die Gegend.

Eine Nacht allein im Wald

Wer nicht gleich ein ganzes Wochenende Zeit hat, kann zum Beispiel zum Kurs Pflanzengeflüster kommen, wo heimische Wildkräuter (wieder-)entdeckt werden können. „Zu jedem Treffen gehen wir gemeinsam sammeln und stellen anschließend unsere eigenen Produkte für zu Hause her“, sagen die beiden Naturfrauen.

Für die Größeren planen die Zaunreiterinnen zukünftig Wochenenden, bei denen die Jugendlichen eine Nacht ganz allein im Wald verbringen können - natürlich mit vorheriger pädagogischer Einstimmung. Ihre Ideen haben sie nach Befragungen von Kindern, Jugendlichen und Frauen entwickelt. „Ansonsten arbeiten wir prozessorientiert“, erzählt Katja Baller. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir stundenlange Vorbereitung und ein großes Programm ganz schnell wieder einpacken können, weil die Kinder oft einfach nur toben und draußen sein möchten.“

Toilette mit Ausblick - und voll ökologisch.
Toilette mit Ausblick - und voll ökologisch. © Martin Schneider

Bis das aber wieder soweit ist, und Leben im Libellengrund einzieht, bleibt dieses idyllische Stück Land ganz den Familien von Katja Baller und Katharina Schubert vorbehalten - neben der Familie Kupper, die ihnen die Nutzung dieses Kleinods ermöglichen. Viel haben sie schon geschaffen, mit viel Liebe zum Detail. Das sieht man der entzückenden kleinen „Küche“ an - ein Abwaschstand im Freien - erst recht dem rustikalen Waldsofa oder dem vollökologischen Toilettenhäuschen.

Obwohl die Frauen noch nicht so richtig loslegen konnten, hat sich doch schon herumgesprochen, wer sie sind und was sie da im Libellengrund vorhaben. So gibt es schon Anfragen von Schulen, die gern kommen möchten, mit dem Naturkundemuseum haben sie ebenfalls schon angebandelt - für ein Angebot, das zur Hälfte hier in der Natur und zur Hälfte bei Senckenberg stattfinden soll. Mit der Obermühle gibt es eine Kooperation, in der Kindergartengruppen und Grundschulklassen das Gartenjahr im Gemüsebeet selbst erleben können.

Ganz nebenbei stellen beide Frauen auch kleine Produkte her, mit deren Verkauf sie die momentan leere Kasse ein bisschen füllen wollen. Bärlauchsalz, wilde Kräutersträuße zum Beispiel oder gefilzte Unikate sowie Illustrationen. Und Körbe. Denn sie haben die Corona-Zeit auch für einen gemeinsamen Kurs im Körbeflechten genutzt.

Produkte und Informationen: www.zaun-reiter.de

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