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Eltern zwischen Wahnsinn und Komik

So tief die Augenringe auch sind: Die Görlitzer Zeichnerin Sabine Euler findet das Lachen auch in schwierigen Lagen. Nun hat sie eine neue Ausstellung.

Früh um vier zeichnet Sabine Euler meistens ihre Cartoons. Dann herrscht noch Ruhe.
Früh um vier zeichnet Sabine Euler meistens ihre Cartoons. Dann herrscht noch Ruhe. © Nikolai Schmidt

Man kommt beim Treppensteigen nicht aus der Puste. Per Mausklick kann man den Hotherturm hinauf und hinab laufen. An den Wänden hängen Zeichnungen. Cartoons der Görlitzer Zeichnerin Sabine Euler. "Mutterland - Alltagsheldinnen im Hotherturm" heißt ihre virtuelle Ausstellung. Es geht um Alltagssituationen von Eltern - die gerade jetzt nicht immer einfach sind, in denen sich durchs Überspitzen aber doch auch Humor finden lässt. "Mir tut das auch selber gut", sagt Sabine Euler.

Sie ist Mutter von drei Kindern. 2002 kam sie nach Görlitz, damals für ihren Beruf als Schauspielerin. Kurz darauf sattelte sie um und arbeitete als Lektorin und Illustratorin. Aber für eine längere Zeit hatte sie zuletzt nicht mehr gezeichnet. Im Frühjahr vorigen Jahres holte sie die Stifte wieder raus, als der erste Lockdown das Familienleben vor ganz neue Herausforderungen stellte.

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© Sabine Euler

Am Anfang hatte Sabine Euler ihre Cartoons auf ihrer Internetseite, teils auf Facebook veröffentlicht. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. "Auch jetzt noch ist es toll, es kommen so viele witzige Kommentare von anderen Müttern und Vätern." Inzwischen hat das Zeichnen wieder einen deutlich größeren Stellenwert, "es hält mich auch über Wasser." Worüber man lachen kann, ist nicht mehr ganz zu schwer.

Die SZ hatte über sie berichtet, kürzlich die Superillu, das Klinikum wurde auf sie aufmerksam, wo sie im Januar Cartoons ausstellte. Viele hätten dazu beigetragen, ihre Zeichnungen zu verbreiten, sagt Sabine Euler. Aus ihren neusten zweidimensionalen Zeichnungen hat nun der Förderverein Kulturstadt Görlitz-Zgorzelec eine dreidimensionale Ausstellung im Hotherturm erarbeitet.

Unkritisch ist sie dabei nicht, vor allem wenn Frauen untereinander gemein sind. Einer ihrer Cartoons im Hotherturm: Eine junge Frau freut sich, mit einem Schwangerschaftstest in der Hand, dass sie ein Kind bekommt. Drei Frauen drumherum blicken skeptisch und fragen erst mal nach Ernährungskonzept, Erziehungsphilosophie und angestrebtem Schulabschluss für den Nachwuchs. Sie hat in ihren Cartoons auch schon Corona-Verharmloser aufs Korn genommen. Dennoch überwiegen die positiven Reaktionen, erzählt Sabine Euler. "Es ist zum Glück ein Raum, in dem sich niemand berufen fühlt, ätzend zu werden. Ich nehme an, weil man einen gemeinsamen Nenner finden kann, den Humor."

So sieht es im 3-D-Hotherturm aus.
So sieht es im 3-D-Hotherturm aus. © Screenshot FVKS

Der FVKS arbeitete bereits vor der Corona-Pandemie, seit zwei Jahren, verstärkt mit virtuellen Mitteln, erzählt der Vereinsvorsitzende Matthias Krick. Es gab auch schon mehrere 3-D-Ausstellungen in der "Kunstbastei Hotherturm". "Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht". Zuletzt war die Fotoausstellung "Verlassen - Vergessen - Verschwunden" von Peter Schröter zu sehen. Matthias Krick würde gerne mit einer noch ausgefeilteren Technik, die noch mehr Realität bringt, arbeiten - aber die ist sehr teuer. Aber auch mit der jetzt eingesetzten Technik sieht man nicht nur die Bilder, sondern kann sich auch im Turm umschauen, zum Beispiel das Dachgebälk besichtigen.

Mit der Ausstellung von Sabine Euler hatte sich der FVKS bei der Aktion "KulturDigital" von der Freistaat-Initiative "So geht sächsisch" beworben. Dabei geht es darum, virtuelle Möglichkeiten für Künstler in der Corona-Krise zu unterstützen.

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Die Ideen für ihre Zeichnungen nimmt Sabine Euler aus dem eigenen Alltag, sie kommen tagsüber. Zum Zeichnen aber steht sie nach wie vor vier Uhr morgens auf, "dafür braucht man eine ruhige Hand".

fotofestival-goerlitz.eu/vr/hotherturm/virtuelle_ausstellung_mutterland_sabine_euler/

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