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"Kleiner Grenzverkehr" nicht mehr möglich

Bisher konnte man zum Tanken und Einkaufen für 24 Stunden nach Polen, ohne nachher in Quarantäne zu müssen. Das geht jetzt nicht mehr.

Rafal Gronicz, Bürgermeister von Zgorzelec, warnt davor, das Risiko der Corona-Pandemie zu unterschätzen.
Rafal Gronicz, Bürgermeister von Zgorzelec, warnt davor, das Risiko der Corona-Pandemie zu unterschätzen. © Archiv: Nikolai Schmidt

Der Freistaat hat die Quarantäneverordnung für Menschen, die aus einem Risikogebiet zurückkehren, verschärft. Auch die Ausnahmeregelungen sind verschärft worden. Das hat Auswirkungen auf alle, die im deutsch-polnischen Grenzgebiet unterwegs sind, etwa zum Einkaufen oder Tanken.

Berufspendeln bleibt möglich

Der neuen Regelung nach ist es Personen möglich, ohne Quarantäne nach Sachsen zurückzukehren, wenn sie sich weniger als zwölf Stunden in einem Risikogebiet im Ausland aufgehalten haben - und "wenn sie einen triftigen Grund haben. Dazu zählen berufliche, soziale oder medizinische Gründe", teilt das sächsische Sozialministerium mit. Berufspendeln über die Grenze also bleibt möglich. Der "kleine Grenzverkehr" dagegen nicht: "Gleichzeitig darf der Aufenthalt nicht dem Einkauf, der privaten Teilnahme an einer kulturellen Veranstaltung, einem Sportereignis, einer öffentlichen Festivität oder einer sonstigen Freizeitveranstaltung dienen oder gedient haben."

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Dazu teilt Sozialministerin Petra Köpping mit, sie habe "mehrfach deutlich gemacht, dass ich mit Blick auf die hohen Infektionszahlen regen grenzüberschreitenden Einkaufstourismus sehr kritisch sehe." Angesichts der ernsten Lage sei entschieden worden, dass Einkaufs- oder Tankfahrten nicht mehr von der Quarantänepflicht ausgenommen sind. Wir müssen die Kontakte einschränken, um die Pandemie einzudämmen."

Polen gilt seit reichlich zwei Wochen als Risikogebiet. Die Lage spitzt sich derzeit zu. Aktuell liegt die Zahl der Neuinfektionen im Nachbarland bei über 25.000 pro Tag. Das ist etwas weniger als vorige Woche. Aber am Sonnabend hatte Polen 548 Todesfälle im Zusammenhang mit Corona innerhalb von 24 Stunden gemeldet, ein Höchstwert seit Beginn der Pandemie .

Die Zahlen liegen deutlich über denen in Deutschland, wo auch doppelt so viele Menschen wie in Polen leben. Am Montag liegen die Zahlen üblicherweise etwas darunter: Laut Radio Wroclaw wurden in Polen 20.816 neue Fälle gemeldet, 1.784 in der Woiwodschaft Niederschlesien. Schwerpunkte sind hier Breslau und Glatz.

Covid-Station an Zgorzelecer Hospital eingerichtet

Seit Kurzem betreibt das Zgorzelecer Krankenhaus eine Corona-Station. Der Zgorzelecer Bürgermeister Rafal Gronicz kondolierte jetzt unter anderem der Familie von Jacek Wieczorek, der im Alter von 54 Jahren starb. Wieczorek war Direktor der Sekundarschule sowie Stadtrat in Jawor. Er habe "den Kampf gegen das Coronavirus verloren. Er starb in unserem Zgorzelecer Krankenhaus", teilt Rafal Gronicz mit.

Das Bild entstand vor einigen Tagen in Warschau. Seit Beginn der Corona-Pandemie sind in Polen bereits 10.000 Menschen in Zusammenhang mit Corona gestorben.
Das Bild entstand vor einigen Tagen in Warschau. Seit Beginn der Corona-Pandemie sind in Polen bereits 10.000 Menschen in Zusammenhang mit Corona gestorben. © Czarek Sokolowski/AP/dpa

Zgorzelecer Bürgermeister: "Risiko nicht unterschätzen"

"Es ist eine schwierige Zeit, weil die Epidemie die Probleme des polnischen Gesundheitswesens, das mit dem Herbst zu kämpfen hat, vertieft hat, anders als die Frühlingswelle der Infektionen", so Gronicz. "Wenn wir helfen wollen, sollten wir das Risiko vor allem nicht unterschätzen."

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte Polen Hilfe aus Deutschland angeboten. Wie unter anderem der Merkur berichtet, habe die polnische Regierung dieses Angebot aber abgelehnt.

Zgorzelecer Krankenhaus hat zu wenig Personal

Derweil bittet das Zgorzelecer Krankenhaus um Hilfe und sucht nach Freiwilligen. Das Problem ist Personalmangel: Seit der Ausbreitung der Pandemie in Polen und der Eröffnung der Covid-Unit im Zgorzelecer Hospital "haben wir einen dramatischen Rückgang beim Hilfspersonal festgestellt, das bei der Pflege der Kranken helfen kann", teilte das Krankenhaus vor einigen Tagen auf seiner Facebookseite mit. Offensichtlich sind zahlreiche Pfleger und Krankenschwester in Quarantäne oder selbst von dem Virus betroffen.

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Menschen, die an Covid-19 erkrankt sind und stationär behandelt werden müssen, "benötigen neben der typischen medizinischen Hilfe auch Unterstützung bei alltäglichen Aktivitäten wie Essen, Trinken, Waschen oder sogar Reden." Das Krankenhaus appelliert deshalb "an junge, gesunde Menschen mit einem großen Herzen, ihre Zeit kranken Menschen zu widmen - sowohl in der Beobachtungs- und Covid-Abteilung als auch in anderen Abteilungen." Schutzausrüstung sowie eine Ausbildung für die Freiwilligen werden gestellt beziehungsweise angeboten.

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