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Görlitzer erobern den Park des Friedens

Die Grünanlage ist fast fertig saniert – mit überraschenden Details. Nun tut sich auch in einem zweiten Park etwas.

© Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Von Ingo Kramer

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Am 27. September 2019 lädt die Neißegrundschule Görlitz, eine Ganztagsschule in freier Trägerschaft, zum Informationstag ein. 

Freitagvormittag um elf im Park des Friedens zwischen Brückenstraße und Dr.-Kahlbaum-Allee. Zwei junge Paare schauen ihren Kindern beim Klettern auf dem neuen Spielplatz zu. Ein älteres Ehepaar genießt auf einer neuen Bank am Jakob-Böhme-Denkmal die Herbstsonne. Eine Omi hält ihre Enkelin fest, die im alten Ginkgo-Baum herumklettert. Drei Studenten queren den Park auf dem Weg zur Hochschule. Und Reynard Werling vom Sachgebiet Stadtgrün im Rathaus hat Grund zur Freude: Der erst am Dienstag nach seiner Sanierung eröffnete Park wird angenommen.

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© nikolaischmidt.de
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Ursprünglich sollte er schon im September fertig sein. Dass es nun etwas länger gedauert hat, hat mehrere Gründe, so Werling. Die Görlitzer Gleis- und Tiefbau GmbH, die den Auftrag für den Park erhalten hatte, habe sich für eine Technologie entschieden, die ohne große Eingriffe in den Verkehr der umliegenden Straßen auskam, aber eben etwas mehr Zeit brauchte. Und die Sanierung des Jakob-Böhme-Denkmals war deutlich aufwendiger als gedacht, weil die Wasserverteilung im Inneren komplett neu gebaut werden musste. Das war auch teurer. Die Gesamtbaukosten liegen bei 765 000 statt der zuvor veranschlagten 740 000 Euro. „Die Zahlen sind aber noch nicht endgültig, wir sind noch mitten in der Abrechnung“, schränkt Werling ein.

Sei es drum: Mit der Qualität, in der die Baufirma den Park saniert hat, ist er sehr zufrieden. Für Parkbesucher gibt es viele überraschende Details. Der Spielplatz ist komplett neu, neben dem Bolzplatz stehen zwei Fitnessgeräte, die der Bürgerrat Innenstadt Ost finanziert hat, in den Sitzbänke daneben sind ein Schach- und ein Mühlefeld aus Edelstahl integriert. „Nur Spielfiguren müssen die Leute selbst mitbringen“, sagt Werling. Das Becken des Jakob-Böhme-Denkmals war jahrelang mit Erde verfüllt und bepflanzt, nun dient es erstmals seit 46 Jahren wieder als Brunnen. Ein, zwei Wochen soll das Wasser vor der Winterpause noch sprudeln. Der besondere Clou hier: Im Wasser eingelassene Strahler beleuchten abends sowohl das Denkmal als auch die beiden Eichen dahinter. Das wenige Meter entfernte zweite Brunnenbecken war lange zugewuchert. Jetzt befindet sich darin ein Sandkasten mit Sandspieltisch und Aufzug für die kleinsten Parkbesucher. Ebenfalls neu: An der Brückenstraße sind alle „wilden“ Parkplätze zwischen den Bäumen weggefallen, Parken ist jetzt nur noch auf der anderen Seite erlaubt. „Der Park soll auch von außen als Park wahrnehmbar sein“, sagt Werling.

Damit nicht wieder geparkt wird, sollen Poller aus Holz aufgestellt werden. Das ist eine von vielen kleinen Restarbeiten. Am Freitag haben Arbeiter am Spielplatz noch ein Geländer aufgebaut, anderswo die letzte fehlende Bank montiert. Zudem werden noch neun Bäume gepflanzt und eine Wintereinhausung für den Brunnen gebaut. „Bis Ende November sollen alle Restarbeiten abgeschlossen sein“, sagt Werling.

Auf die Männer vom Gleis- und Tiefbau wartet schon die nächste Aufgabe: Das Stadthallenufer, das für 150 000 Euro hergerichtet wird. Beide Baustellen werden zu 85 Prozent aus europäischen Interreg-Mitteln finanziert. Werling ist dafür sehr dankbar: „Nur mit Eigenmitteln hätten wir die Parks nicht sanieren können.“ Beim Stadthallenufer hat die Firma im Sommer die alten Garagen und Reste eines früheren Bootssteges abgerissen, seither ruhten die Arbeiten, die eigentlich bis 12. Oktober abgeschlossen werden sollten. Das Problem: Die Stadt will vier Sitzgondeln aus Fertigteilen aufbauen, aber der Hersteller ist dermaßen ausgelastet, dass er schon frühzeitig zu erkennen gegeben hat, dass er den gewünschten Termin nicht schafft.

Bei Interreg wurde der Stadt eine Verlängerung bis Juni genehmigt. Am Freitag nun sind die Fertigteile für die Sitzelemente tatsächlich angekommen. Wie schnell es jetzt vorangeht, ist vom Wetter abhängig. An den vier Sitzen müssen Erde ausgehoben, Fundamente errichtet, die Betonfertigteile eingebaut und dann die Flächen dazwischen gepflastert werden. Die Böschung soll teilweise ein bisschen modelliert werden, drei Bäume sind zu pflanzen, Rasen einzusäen. „Alle Arbeiten sind aber von den Fertigteilen abhängig“, sagt Werling: „Da hätte es keinen Sinn gehabt, vorher zu pflastern oder Wiese einzusäen.“ Falls das Wetter hält, könnte bis Weihnachten alles fertig sein, ansonsten eben im Frühling. Und wenn das Stadthallenufer hinterher genauso gut angenommen würde wie der Park des Friedens am Freitag, hätte Werling doppelten Grund zur Freude.