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Görlitzer Schuhmacher ganz groß

Die Firma Preuß wächst und wächst. Am Freitag stand sie im Finale für den Zukunftspreis der Handwerkskammer.

© Nikolai Schmidt

Von Ingo Kramer

Görlitz. Am Freitagvormittag hatten die Orthopädieschuhmachermeister Horst und Gunnar Preuß aus der Görlitzer Salomon-straße noch keine Ahnung, was sie am Nachmittag in Dresden erwarten würde. „Dass wir beim Zukunftspreis der Handwerkskammer Dresden unter den drei Besten sind, wurde uns vor drei Wochen mitgeteilt, aber mehr noch nicht“, sagte Seniorchef Horst Preuß. Stunden später wusste er mehr: „Für den Sieg hat es leider nicht gereicht, aber für uns als kleinen Betrieb ist auch der zweite Platz eine tolle Sache.“

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Gewinner des mit 3 000 Euro dotierten Preises ist stattdessen die Compact Kältetechnik GmbH aus Dresden. Aus dem 1992 gegründeten Fünf-Mann-Betrieb ist eine Handwerksfirma mit über 80 Mitarbeitern entstanden. Rein zahlenmäßig können die Görlitzer nicht ganz mithalten, aber auch sie haben eine stolze Entwicklung hingelegt: „1999 waren wir zu dritt, heute sind wir 15 Leute“, sagt Seniorchef Horst Preuß. Der 64-Jährige hat frühzeitig den Grundstein für die Unternehmensnachfolge gelegt. Bis 2015 war er Einzelunternehmer, seit Anfang 2016 gibt es die „Preuß Gesunde Schuhe GmbH“. Geschäftsführer und Gesellschafter sind Horst Preuß und sein Sohn Gunnar. Der 39-Jährige übernimmt die Firma nach und nach: Vater Horst tritt stundenmäßig inzwischen kürzer, will aber noch ein paar Jahre arbeiten. „Wenn die Gesundheit mitspielt und ich weiter gebraucht werde“, schränkt er ein. Momentan wird er auf jeden Fall gebraucht: Die Nachfrage ist gut. Vier Meister sind im Unternehmen tätig, dazu drei Gesellen und eine Hilfskraft in der Produktion, zudem ein kaufmännischer Angestellter und sechs Leute im Verkauf, darunter ein Lehrling.

„Allein in den vergangenen Jahren haben wir drei Azubis ausgebildet, einen Orthopädieschuhmacher und zwei Einzelhandelskaufleute“, sagt Gunnar Preuß. Die ersten zwei wurden übernommen, die Dritte steht kurz vor den Prüfungen, soll dann auch übernommen werden. Genau solche Dinge sind es, die beim Zukunftspreis der Handwerkskammer Dresden eine Rolle spielten: Nachwuchssicherung, Bindung von Fachkräften und die Regelung der Unternehmensnachfolge. Wie Carolin Schneider von der Handwerkskammer mitteilt, erhalten Preuß und der dritte Finalist jeweils 500 Euro als Anerkennung. Insgesamt hatten sich 20 Handwerksbetriebe aus Ostsachsen um den Preis beworben. Seit der ersten Vergabe im Jahr 2012 waren es 126. Die Firma Preuß schaffte es zunächst in die Auswahl der besten zehn. Diese erhielten im Mai Besuch von einer Jury. „Zwei Wochen später kam die Info, dass wir im Finale sind“, sagt Gunnar Preuß.

Laut Carolin Schneider hat die Jury überzeugt, dass die Görlitzer individuelle Orthopädie- und Schuhtechnik anbieten – auch mit moderner Technik. So helfen ein 3-D-Scanner und eine Einlagenfräse den Orthopädieschuhmachern bei der Arbeit. Auch die Integration der Mitarbeiter spielt eine Rolle: „Mit regelmäßigen Team- und Dienstberatungen werden sie in den Kurs der Firma einbezogen.“ Sie erhalten vermögenswirksame Leistungen, monatliche Tankkarten und Leistungszulagen. Über eine Gehaltsumwandlung können sie ein Fahrrad leasen. Gunnar Preuß bestätigt, dass solche Dinge im Team gut ankommen, ebenso wie die zwei Firmenfeiern pro Jahr. Neulich war die Firma auf Paddeltour mit anschließendem Grillen, zum Jahresende steht eine Weihnachtsfeier an.

Beim weiteren Wachstum gibt es Grenzen: Die Räume in der Salomonstraße 39 sind komplett ausgelastet. Für weitere Mitarbeiter ist einfach kein Platz mehr. Wobei: „Wenn sich ein wirklich guter Interessent für eine Ausbildung bewerben würde, würden wir das schon noch hinbekommen“, sagt Horst Preuß. Aktiv auf der Suche nach Azubis ist er aber derzeit nicht. Horst und Gunnar Preuß sind die zweite und dritte Generation des 1955 von Gerhard Schöbel gegründeten Familienbetriebes. Beide haben Hoffnung auf eine vierte Generation: Constantin, der elfjährige Sohn von Gunnar Preuß, kommt oft nach der Schule in den Betrieb. „Aus unseren Resten bastelt er Parkhäuser für Matchbox-Autos, aber auch Schwerter und Flugzeuge“, berichtet Gunnar Preuß. Constantin will irgendwann beim Papa lernen. Allerdings, und das ist allen bewusst, ist er in einem Alter, in dem sich Wünsche auch noch ändern können. Auf ein Wort