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Görlitzer Stadthallenstiftung braucht Zeit

Die Spendenakquise dauert. Schneller ginge es mit einer sicheren öffentlichen Finanzierung. Dazu laufen Gespräche.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Ines Eifler

Görlitz. Prominente Fürsprecher wie den ehemalige Bundestagsvorsitzenden Wolfgang Thierse oder den Orgelweltstar Matthias Eisenberg hat die Stadthalle schon mal. Genau vor einem Jahr saßen Michael Kretschmer und Thomas Jurk, damals noch beide Bundestagsabgeordnete, auf dem Podium zur Görlitzer Stadthalle in der Synagoge. Bürgermeister Dr. Michael Wieler, zugleich Vorstandsvorsitzender der Stadthallenstiftung, erinnert sich, die beiden seien damals einer Meinung darüber gewesen, dass sie sich nach der Bundestagswahl ein Bild über die Möglichkeiten zur Finanzierung der Stadthalle aus Bundesmitteln machen wollten. „Dass das jetzt nach der Wahl nicht so einfach möglich ist, brauche ich nicht weiter zu erklären“, sagt Wieler, „schließlich müssen sich die neue Bundes- und die Landesregierung erst einmal finden.“ Gespräche mit beiden Regierungen führe er trotzdem. Näheres könne er noch nicht sagen, der Ausgang sei offen.

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Zwar gibt es nun seit zwei Jahren die Stadthallenstiftung, die zum Ziel hat, Spenden für die Stadthalle einzuwerben. Sie verfügt über ein Vermögen von rund 350 000 Euro, gebildet aus Geldern der Stadt Görlitz, der Stadtwerke, der Kommwohnen und des Fördervereins. Der Großteil davon darf nicht angerührt, ein kleinerer Teil, rund 50 000 Euro, kann für sogenannte Verbrauchsmittel ausgegeben werden.

Um die Fans der Stadthalle auf die Stiftung aufmerksam zu machen, brauche es gar nicht so viel Werbung, sagt Wieler. Inzwischen sei die Homepage online geschaltet, auf der über Neuigkeiten berichtet und über Spendenmöglichkeiten informiert wird. „Dort finden uns die Menschen, die ohnehin an der Stadthalle interessiert sind.“ Um die Görlitzer zu erreichen, werde es etwas Zeit brauchen. Dafür nutzt die Stiftung die üblichen Möglichkeiten der Werbung. Das Logo der Stiftung, eine Eckansicht der Stadthalle, sei im November veröffentlicht worden und werde nun immer öfter auftauchen. Zum Beispiel auf den Roll-ups mit Infos über die Stiftung, die demnächst im Rathaus, bei Kommwohnen und bei den Stadtwerken aufgestellt werden sollen. Auch die Ausstellung „Mythos Europa“, die im Sommer in der Stadthalle gezeigt wird, könne dazu dienen, Menschen für die Stadthalle zu begeistern und dafür Geld zu geben.

Um Großspender anzusprechen, sei der Aufwand allerdings erheblich höher, sagt Wieler. Zu erklären, wofür die Spende diene, sei dabei das geringste Problem. „Wir wissen doch alle, was wir wollen.“ Tanzstundenbälle, Konzerte der Philharmonie, hochrangige Veranstaltungen, die jetzt auf weniger geeignete Räume in der Region ausweichen müssen, darüber seien sich alle einig. Wenn sich dafür ein privater Betreiber finde, sei es gut, „wenn nicht, machen wir es selbst.“ Wichtiger sei aber, dass jemand, der vielleicht vorhabe, 100 000 Euro für die Stadthalle zu spenden, mehr über den Zeitrahmen wissen wolle. „Man muss jemandem, der einen hohen Betrag spenden will, sagen können, wann die Stadthalle in Betrieb gehen kann.“

Um das in Aussicht stellen zu können, brauche es eine reguläre Finanzierung (deshalb die Gespräche mit Bund und Land) und weitere öffentliche Fördermittel. „Natürlich wäre es gigantisch, wenn wir einen Großspender fänden“, sagt Wieler, „aber ich halte es für unwahrscheinlich, dass uns jemand 30 Millionen Euro gibt.“

Dass die Stadt Görlitz kein Betriebskonzept für die Stadthalle vorlegen könne, womit sie auf Land, Bund oder EU zugehen könne, stimme übrigens nicht, sagt Wieler. Als er mit so einer Aussage aus der Sächsischen Staatskanzlei einmal konfrontiert wurde, sei er nach Dresden gefahren, habe dort die Projektstudie der Firma Drees & Sommer zur Stadthalle vorgelegt und habe erklärt, sobald ein Konzept gefordert würde, könne er aus der Studie jederzeit eines machen, denn sie enthalte alles, was es dafür brauche. Der Mitarbeiter der Staatskanzlei hatte die Studie bislang nicht gekannt, sagte aber laut Wieler: „Stimmt, Sie haben ein Konzept.“

Auf die Frage, was der Bürgermeister glaube, wans aus der Stadthalle einmal werden könnte, was die Studie vorschlägt, sagt er: „Dazu mache ich keine Aussage.“ Es könne lange dauern, aber auch ganz schnell gehen. Bei der ersten Förderung für die Stadthalle hätten sich ganz plötzlich mehrere Optionen ergeben, und auf einmal waren Millionen da. Und er erinnert an die Sanierung des Curie-Gymnasiums. „Dafür sah ich schwarz, aber plötzlich ergaben sich ungeahnte Chancen.“ Ähnlich könne es bei der Stadthalle auch passieren.

www.stadthallenstiftung-goerlitz.de

Spendenkonto: IBAN: DE24 8505 0100 0234 9234 90