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Gospel ganz groß

Ein besonderer Chor klingt und verstummt seit 20 Jahren und vereint dabei Generationen.

© Sven Ellger

Von Nadja Laske

Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Halleluja, sind das viele Leute! In Halbkreisen haben sie sich locker um Drums, Piano und Gitarren versammelt. Sie wippen und schnippen mit den Fingern, und sie singen. Der Gospelnight-Chor probt ein letztes Mal vor seinem großen Auftritt. Am Sonnabend feiern die Sängerinnen und Sänger das 20-Jährige einer reizvollen Idee. Sie kam einst Christian Barth und einigen Mitstreitern, die Lust auf einen etwas anderen Heiligabend hatten.

„Damals gab es mehrere Chorprojekte in unserer Christuskirchgemeinde“, sagt der Mitbegründer. Eines gemütlichen Kneipenabends entstand der Plan, alle Sänger zu einem großen Chor zu verbinden und ihn am 24. Dezember auftreten zu lassen. Gospel im Gottesdienst, das würde doch mal frischen Wind bringen: Etwas Neues, Überraschendes, Mitreißendes könnte daraus entstehen. Wie mitreißend, das erlebten die Initiatoren zunächst bei den ersten Zusammenkünften der singenden Gemeinde und schließlich in der voll besetzten Christuskirche, in der rund 2000 Menschen ab 23 Uhr die Heilige Nacht ganz anders als gewohnt feierten.

„Wir waren total überwältigt von der riesigen Begeisterung, das hatten wir nicht erwartet“, erinnert sich Christian Barth. Er hatte mit der Gospelnight etwas viel Größeres mitgegründet, als drei zusammengefasste Chöre. Der Gospelnight-Chor ist ein Projektchor. Jeder, der Freude daran hat, darf dabei sein, ob jung oder alt, Mann oder Frau, gläubig oder nicht, Mitglied der Christuskirchgemeinde oder einer anderen, oder keiner. Noch nicht einmal wirklich singen können muss, wer dort einstimmt. Dass am Ende trotz der vielen verschiedenen Choristen dennoch Einklang herrscht, dafür sorgt jedes Jahr ein professioneller künstlerischer Leiter.

Zum 20-Jährigen ist das Götz Bergmann. Er beherrscht mehrere Instrumente, arrangiert und komponiert, singt und macht aus mehr als 100 Laien einen funktionierenden Klangkörper. In Spitzenzeiten standen 160 Sänger im Kirchenschiff, am Sonnabend klingen in der Staatsoperette 140 Stimmen. Für die Sängerinnen und Sänger ist der ausverkaufte Auftritt eine Premiere. Bisher fand die Gospelnight immer im Rahmen des Gottesdienstes statt. Zum Jubiläum muss sie allen Regeln der Kunst genügen. „Wir haben noch keine Erfahrung damit“, gibt Christian Barth zu. Damit aus dem Programm eine echte Show wird, sind extra Arrangements nötig, die fünf Stammmusiker bekommen von drei Bläsern Verstärkung, und die Sänger werden nicht wie üblich an ihren Plätzen stehen. „Wenn alles so klappt wie geplant, können wir die Hub- und Drehbühnentechnik nutzen. Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten“, sagt der Organisator.

Darauf ist auch Jacqueline Zorn gespannt. Seit 17 Jahren singt sie im Gospelchor. Der formiert sich übrigens immer im September neu und probt bis Jahresanfang jeden Freitagabend. Chorwochenenden ermöglichen zudem intensivere Probenarbeit. Nach Heiligabend geht der Chor auf eine kleine Tournee, und Ende Januar ist alles vorbei – Segen und Fluch zugleich. Zum einen muss niemand rund ums Jahr Zeit für dieses Hobby aufwenden, zum anderen geht die Gemeinschaft auseinander, wenn ihre Stimmen nach viel Mühe endlich ein Ganzes geworden sind.

Um das zu erleben, ist Jacqueline jedes Jahr wiedergekommen, inzwischen gehört sie zum Orga-Team und kümmert sich um das alljährliche Spendenprojekt. Rund 2 000 Euro sammelt der Chor mit seinen Auftritten ein und lässt das Geld einem guten Zweck zukommen. Wohltätige Vereine und Projekte können sich im Vorfeld darum bewerben, unterstützt zu werden. „Ich habe zwar viel mit der Arbeit im Planungsteam zu tun, aber ich schaffe es trotzdem noch, auch mitzusingen“, erzählt die 34-Jährige. Im Chor hat sie ihren Mann kennengelernt, vielleicht wird irgendwann ihr gemeinsames Kind mitsingen.

So wie Sarah. Sie ist zwölf Jahre alt und begleitet nun zum ersten Mal ihre Mutter zu Proben und Auftritten. Heike Morjan suchte Anschluss in der Gemeinde und ließ sich rasch von der Gospel-Begeisterung anstecken. Neun Jahre dauert ihre Faszination schon an: „Es ist so mitreißend, dabei zu sein und diese tolle Chorerfahrung zu machen.“ Obwohl er mit Singen nichts am Hut hat, konnte sie neben ihrer Tochter auch ihren Mann begeistern. Er kocht leidenschaftlich gern und hilft im Küchenteam mit. Schließlich müssen so viele Sänger auch gut verpflegt werden. Zum Chorleben hat sich eine gut organisierte Crew gesellt. Sie sorgt für Speisen und Getränke, Transport und Übernachtung, auch für Sicherheit. Damit die Sänger und auch die Gäste zur rechten Zeit am rechten Platz sind, braucht es Logistik. So wirken an jeder Gospelnight insgesamt rund 200 Menschen mit. Von ihnen ist Sarah die Jüngste. Mitte 60 sind die Chorältesten.

Was mit einer Plauderei beim Bier begonnen hat, ist ein generationenübergreifendes, künstlerisches, soziales, nicht zwingend religiöses Gemeinschaftserlebnis geworden. Halleluja!

Der Chor probt von September bis Februar, freitags,
19 bis 21 Uhr im Gemeindehaus der Christuskirche Dresden Strehlen. Dazu kommen Probentage und -wochenenden sowie Auftritte. Informationen zu Jahresbeiträgen und Terminen gibt es im Internet:

www.gospelnightdresden.com