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Gotteshaus in Bretnig ist verwaist

Die katholischen Gottesdienste finden nun in der evangelischen Stadtkirche in Großröhrsdorf statt. Pfarrer Norbert Littig kennt die Hintergründe.

© Matthias Schumann

Kamenz. Die katholischen Kirchgemeinden in Kamenz, Bischofswerda und Radeberg stehen vor einem einschneidenden Wandel. Bis Mai nächsten Jahres soll eine neue Pfarrei gegründet werden. Daran arbeitet eine Steuerungsgruppe seit Längerem, und der Hauptgrund ist die demografische Entwicklung. Sie hat jetzt sogar schon zur Schließung eines kleinen Gotteshauses geführt. Die Kapelle in Bretnig ist verwaist, die katholischen Gottesdienste werden nun in der evangelischen Stadtkirche von Großröhrsdorf abgehalten.

Das biblische Motto lautet: „Gehet zu seinen Toren ein mit Danken“. Allerdings wird der gute ökumenische Grundgedanke nicht von allen Gemeindegliedern auf beiden Seiten mitgetragen. Die SZ hat vor Ort nachgefragt und in Pfarrer Norbert Littig einen engagierten, wie nachdenklichen Gesprächspartner gefunden.

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Erhalt der Kirchengebäude nicht finanzierbar

Er kennt die durchaus konfessionsübergreifenden Probleme. „Unsere Kirchgemeinden nehmen an dem großen demografischen Wandel der Gesellschaft Anteil. In den letzten drei Jahrzehnten sind sie durchschnittlich um mehr als ein Drittel zahlenmäßig kleiner geworden.“ Die Hauptursache bilde das große Missverhältnis von Geburten und Sterbefällen. Außerdem ziehen insbesondere junge Familien arbeitsbedingt weg von hier. „So ist auch ein Stellenabbau im kirchlichen Dienst unausweichlich, aber auch der Erhalt der kircheneigenen Gebäude ist auf die Dauer nicht mehr finanzierbar.“

Als Konsequenz seien bereits Kirchgemeinden zusammengelegt, die Pfarrstellenanzahl reduziert und Gebäude verkauft worden, um auch weiter lebensfähige Strukturen aufrechterhalten zu können. So werde die auch im Rödertal aktive römisch-katholische Pfarrei „St. Benno“ Bischofswerda seit dem 1. Mai durch Pater Dr. Johannes Müller und durch den aus Polen stammenden Pfarrer Dariusz Frydrych seelsorgerlich betreut. Jeden Sonntag werde die Heilige Messe in den drei katholischen Kirchen in Bischofswerda, Radeberg und Kamenz gefeiert.

Dreimonatige Testphase vereinbart

„Die Kapelle in Bretnig musste am 7. April mit einem letzten Gottesdienst geschlossen werden.“ Eine Anfrage des katholischen Pfarrgemeinderates nach einer Möglichkeit in der evangelischen Stadtkirche zu Großröhrsdorf jeden Samstag 17 Uhr Messe feiern zu dürfen, habe der Kirchenvorstand der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Großröhrsdorf-Kleinröhrsdorf auf seiner Sitzung am 12. März einmütig positiv beschieden. „In einem Grußwort am 14. April anlässlich der ersten Messfeier wurden die katholischen Geschwister offiziell herzlich willkommen geheißen.“

Seit Jahrzehnten bestünden im Rödertal sehr gute ökumenische Kontakte. Jedes Jahr erhalte die evangelische Kirchgemeinde von der röm.-kath. Pfarrei eine große Osterkerze. Evangelische und katholische Frauen begehen alljährlich gemeinsam den Weltgebetstag am ersten Freitag im März. „Als starkes Zeichen ökumenischer Gesinnung wurde die über 500 Jahre alte Mondsichelmadonna aus der katholischen Vorgängerkirche in den Barockbau mit übernommen.“

Zunächst sei eine vierteljährliche Testphase vereinbart worden. Zu den katholischen Gottesdiensten sei jeder herzlich willkommen, der gemeinsam mit anderen Menschen Gott loben und einen Zuspruch für sein Leben erhalten möchte. Über dem Eingang der Stadtkirche stehe das Psalmwort: Gehet zu seinen Toren ein mit Danken. „Diese Einladung gilt jedermann, gleichgültig, ob er bzw. sie evangelisch oder katholisch, glaubensgewiss oder kritisch zweifelnd ist“, so Pfarrer Littig. (SZ)