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Grab auf Rädern

Friedhofsgärtner helfen Angehörigen in den schwersten Phasen ihres Lebens. Dafür wird jetzt geworben – farbenfroh.

© privat

Von Katarina Gust

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Neustadt. Er war der Hingucker auf dem Neustädter Markt: der knalllilafarbene Piaggio Ape. Nicht nur, weil man einen solchen dreirädrigen Flitzer aus Italien in hiesigen Breiten eher selten sieht. Sondern vor allem wegen seiner Deko auf der Ladefläche. Antje May von der Gärtnerei Gruschwitz in Langburkersdorf hatte den Kleintransporter diese Woche zur Verfügung, um damit drei Tage lang auf die Arbeit der Friedhofsgärtner aufmerksam zu machen – und auf einen runden Geburtstag. Denn der Bund deutscher Friedhofsgärtner im Zentralverband Gartenbau ist 60 Jahre alt geworden. Die Langburkersdorfer Gärtnerei ist als Mitglied der Sächsischen Gesellschaft für Dauergrabpflege aktiv. Das Thema ist Antje May deshalb besonders wichtig. „Auch, weil Grabpflege in der Öffentlichkeit oft ein Tabu ist“, sagt die Floristmeisterin.

Drei Tage lange tourte sie mit dem Mobil durch Neustadt, machte unter anderem auf dem Markt und am Neustadt-Center damit Halt. Sie und ihre Mitarbeiter kamen dadurch mit vielen Passanten ins Gespräch.

Friedhofsgärtner helfen bei Trauerbewältigung

Genau das war das Ziel der Aktion. Die Bevölkerung soll auf die Leistung der Friedhofsgärtner aufmerksam gemacht werden, um die Wertschätzung der gärtnerischen Arbeit auf Friedhöfen zu steigern. Denn Friedhofsgärtner würden mit ihrer Arbeit vielen Menschen in einer der schwersten Phasen ihres Lebens helfen. Ein schön und individuell gestaltetes Grab sei für viele Angehörige eine wichtige Anlaufstelle im Trauerprozess. Die Friedhofsgärtner sind hier die richtigen Ansprechpartner, denn sie verfügen über das notwendige Geschick und das fachliche Know-how für die Grabgestaltung. Sie pflegen auch auf Dauer die letzte Ruhestätte, bepflanzen die Gräber je nach Jahreszeit, gießen und verschneiden Gehölze. Auch die Gärtnerei Gruschwitz bietet diesen Service an. Dafür rührte das rollende Schau-Grab die Werbetrommel.

Und zwar nicht nur in Neustadt. Unter dem Motto „Gräber bewegen“ tourt der Kleintransporter ein ganzes Jahr quer durch Deutschland. Der bundesweite Startschuss fiel in Bremen. Von dort aus erreichte der Piaggio nun Sachsen. Hier war er unter anderem in Wurzen und Neukirch unterwegs. Am Donnerstag tuckert er nun von Langburkersdorf nach Leipzig.

Laut dem Zentralverband Gartenbau gibt es in Deutschland circa 32 000 Friedhöfe mit etwa 32 Millionen Gräbern sowie etwa 20 000 Friedhofsgärtnereien. Die Friedhofsfläche pro Einwohner beträgt durchschnittlich vier Quadratmeter.