Von Sabine Dobel
Bis zum Nachmittag strömten 30 000 Menschen zum Buga-Gelände in München-Riem. Noch am Morgen hatten Gärtner Beeten und Wegen den letzten Schliff gegeben. „Wunderschön, witzig, super“, lobten dann auch die ersten Besucher das Konzept.
Neben bunten Blumenmeeren locken bei dieser Gartenschau unter dem Motto „Perspektivenwechsel“ ungewöhnliche Blickwinkel auf die Natur. Der Besucher durchwandert einen Maulwurfbau in der Größe einer Wohnung, irrt durch einen Garten, der stets in künstlichem Nebel liegt oder lauscht sprechenden Blumen, die aus ihrem Leben erzählen. Bis zum 9. Oktober werden auf dem ehemaligen Flughafen-Gelände vier Millionen Menschen erwartet.
Die Buga sei heute nicht mehr ausschließlich eine Leistungsschau der Gärtner, sagte Bundesratspräsident Matthias Platzeck (SPD) bei einem Festakt zur Eröffnung. „Zunehmend sind Bundesgartenschauen Möglichkeiten geworden, über Stadtentwicklung nachzudenken.“ Es gehe aber auch um die Bewahrung der Schöpfung. Der Mensch habe in der Vergangenheit zu häufig und zu intensiv versucht, die Schöpfung seinem Willen gefügig zu machen.
Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) sprach von einem „großartigen Erlebnis für alle Sinne“. Die Buga 2005 mache München und Bayern um eine Attraktion reicher. „Natur und Kunst sind hier eine harmonische Verbindung eingegangen.“ Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) verwies auf die Größe des Landschaftsparkes. Mit 200 Hektar sei der von dem Landschaftsarchitekten Gilles Vexlard geplante Park viermal so groß wie der Vatikanstaat und noch um fünf Hektar größer als das Fürstentum Monaco.
Münchner Paradies
„Auch ein Paradies, aber kein Steuerparadies“, unterstrich der Oberbürgermeister. Hier könne der Besucher „blühende Landschaften betrachten, die es tatsächlich gibt“. Besonders stolz sei er als Aufsichtsratsvorsitzender der Bundesgartenschau auf den Badesee. Gartenbau-Präsident Karl Zwermann schwärmte: „München hat ein neues Paradies geschaffen mit dieser Buga, aber hier werden die Menschen nicht vertrieben.“
Eine Seebühne bietet Platz für zahlreiche Kultur-Events, eine 2,9 Kilometer lange Seilbahn bringt müde Ausstellungsgäste über das Gelände. So können bis zu 2 500 Besucher pro Stunde das Blumenmeer aus der Vogelperspektive erkunden. Eine „Kunstlichtung“ und der „Ort der Weltreligionen“ schaffen viele Möglichkeiten zur Begegnung. Die ersten Besucher hatten sich zum Buga-Start schon morgens vor Schalteröffnung eingefunden, mancher war extra in bayerischer Tracht herausgeputzt.
Hauptanziehungspunkte sind trotz allem für die meisten die Blumenhallen. In allen Farben und Formen sprießen dort Blumen mit Namen wie Schneeflockenblume und Zauberglöckchen, Fleißiges oder auch Gefülltes Lieschen. „Die Blumen sind wunderschön, der Aufbau und die Vielfalt ebenso“, lobt eine Besucherin.
Nicht bei allen stößt hingegen das eher karge Gelände um die verschiedenen Themengärten auf Gegenliebe. „Das hat bestimmt eine Bedeutung“, kommentiert ein Besucher das Fehlen von zierender Bepflanzung auf diesem Teilstück der Buga. Und eine Rentnerin meint: „Es wirkt noch ein bisschen nackt – aber vielleicht sind sie ja hier nicht ganz fertig geworden.“
Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang waren in den letzten Wochen 250 Gärtner, Ausstellungsfachleute, Monteure und andere Handwerker auf dem Gelände an der Arbeit. Hunderttausende Frühjahrsblüher, vom Stiefmütterchen bis zu Vergissmeinnicht und Gänseblümchen, hatten die Landschaftsgärtner zuletzt in nur vier Wochen gepflanzt. Bereits im Herbst waren zwei Millionen Blumenzwiebeln vergraben worden. Die Buga werde viel mehr sein als nur eine „Blumenolympiade“, hatte Münchens Oberbürgermeister Christian Ude versprochen. Denn die Gäste sollen Natur riechen, hören, fühlen und erleben.
Pralles Kulturprogramm
Zu bieten hat die Gartenschau neben ihrer Blütenpracht allein 2 000 Konzerte, Opern, Lesungen und andere Kulturveranstaltungen. Gianna Nanini kommt nach München. Rockkonzerte und Jazz, Blasmusik und Klassik – „die Bandbreite ist sehr weit und für alle ist etwas dabei“, sagt Buga-Sprecher Max-Joseph Kronenbitter.
Kindertheater, Abenteuerpfade und Lehrwege, Malschulen und eine Kulturwiese mit HipHop und Reggae, Beachpartys und eine Skateboard-Anlage sollen den Nachwuchs locken. Einen Wasserspielplatz namens „Die Pfütze“ haben Kinder selbst mitgestaltet.
Einsichten in das Alltagsleben des Kleingärtners gewährt eine echte Schrebergartensiedlung, deren Inhaber als lebendige Ausstellungsstücke fungieren. Insgesamt 19 Parzellen in drei Kategorien – Wellnessgarten, Ökogarten und Nutzgarten – sind zu sehen. (dpa)