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Gratis-Bus-Test im Fernsehen

Einen Tag nach dem Dreh in Meißen zeigte der MDR das Ergebnis seiner Aktion.

© Claudia Hübschmann

Von Dominique Bielmeier

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Meißen. Zwei Euro dreißig für zwei Haltestellen. „Das ist viel zu teuer“, sagt die Rentnerin, die zu Beginn des Beitrags vom MDR-Kamerateam interviewt wird. Sechseinhalb Minuten ist der Film über den Gratis-Bus-Test in Meißen lang und gezeigt wurde er in der Umschau-Sendung am Dienstagabend. Die Dreharbeiten dafür fanden am Montagvormittag statt (die SZ berichtete).

Ähnlich wie die Rentnerin, die durch die Aktion des MDR an diesem Tag das Ticketgeld sparen konnte, äußern sich in dem Beitrag viele Meißner: Rund 500 Euro würde eine Frau im Jahr sparen, rechnet sie aus, wenn der öffentliche Personennahverkehr tatsächlich kostenlos werden sollte.

Wie wahrscheinlich das ist, beleuchtet der MDR in der Verbrauchersendung. Dazu blickt der Beitrag zunächst in die estnische Hauptstadt Tallinn, in welcher der Nahverkehr bereits seit 2013 gratis ist. Dort sei diese Idee eine Erfolgsgeschichte: „Die Bewohner sparen Geld, der Autoverkehr ist um 10 Prozent gesunken.“ 11 000 Pendler zogen vom Umland in die Stadt und finanzieren so dieses Modell mit ihren Steuern mit.

Im brandenburgischen Templin gab es zwischen 1998 und 2003 kostenlosen Nahverkehr. „Die Fahrgastzahlen explodierten: innerhalb eines Jahres von 40 000 auf 350 000.“ Aber weil auch die Betriebskosten stiegen, wurde das Projekt schließlich eingestellt. Wie auch in Köthen in Sachsen-Anhalt: „Auch hier hatte die kostenlose Nutzung der Busse zu steigenden Fahrgastzahlen geführt, doch auch hier war dieses Modell nicht dauerhaft tragfähig.“

Die Finanzierung ist auch das Hauptbedenken der befragten Meißner. „Für die Verkehrsbetriebe ist das nicht realisierbar“, sagt ein Rentner. Auch VGM-Geschäftsführer Rolf Baum sieht das so: „Für die Verkehrsgesellschaft sind das in etwa 10 Millionen, die zusätzlich aufgebracht werden müssten.“ Bürgermeister Markus Renner fragt sich unter anderem, ob die Arbeitskräfte dann noch motiviert seien.

Als ein Rentner ein Bürgerticket anspricht, blickt der Beitrag nach Erfurt, wo diese Möglichkeit seit Jahren diskutiert wird. Rund 20 Euro könnte das jeden Erwachsenen im Monat kosten. Fazit des MDR für Meißen: Die meisten wünschen sich einen günstigeren Nahverkehr – halten ihn kostenlos aber für eine Utopie.