merken

Gratis-Nahverkehr braucht höhere Parkgebühren

Alle müssten bezahlen, aber nicht alle haben das gleiche Angebot. Kostenloser ÖPNV erfordert zusätzliche Einschnitte.

© Christian Juppe

Von Christoph Springer

Nichts anbrennen lassen und ab nach Weinböhla!

Anspruchsvoller Geschmack, Style, Gemütlichkeit und Markenqualität - dafür steht Möbel Hülsbusch seit über 29 Jahren. Lassen Sie sich von den Wohnideen begeistern und individuell beraten. Jetzt zum Küchen- und Einrichtungsprofi zwischen Dresden und Meißen.

Fast 50 Millionen mehr Fahrgäste erwarten Fachleute in den Dresdner Bussen und Bahnen, wenn keine Tickets mehr nötig sind. Kostenloser öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) lockt nicht nur Autofahrer in die Fahrzeuge der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB). Auch Fußgänger, Radfahrer und die, die heute schon Bus und Bahn fahren, steigen dann häufiger ein. Die Chancen und Probleme des Gratis-Nahverkehrs sind umfangreicher als der Vorschlag der Bundesregierung erahnen lässt.

Alle müssen zahlen, auch wenn nicht alle mitfahren

Jeder potenzielle ÖPNV-Nutzer müsste mit bezahlen. Er wäre damit Teil einer Solidargemeinschaft, unabhängig vom Nutzen für ihn. Derjenige, der vielleicht nur eine Haltestelle in der Nähe hat, an der selten ein Bus abfährt, müsste genauso viel zahlen wie derjenige, der in der Nähe einer Großhaltestelle mit vielen Abfahrten pro Stunde wohnt. Gratis-Nahverkehr könnte zum Beispiel über zusätzliche Steuern finanziert werden. Ein vergleichbares Angebot gibt es bisher nur für Dresdner Studenten. Sie alle zahlen bei der Anmeldung fürs neue Semester jeweils für das Semesterticket. Es gilt im gesamten Bereich des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) und kostet 136,80 Euro. Diese Fahrkarte gilt dann das gesamte Semester lang für alle Busse, Bahnen und Nahverkehrszüge.

Menschen mit wenig Geld haben den größten Nutzen

Wer sich kein Auto leisten kann, nutzt häufiger Bus und Bahn, muss also regelmäßig Fahrscheine kaufen. Aus Sicht von SPD-Stadtrat Hendrik Stalmann-Fischer hätte Gratis-Nahverkehr deshalb einen positiven Sozialeffekt. Er sei „eine interessante Idee, die Menschen mit niedrigen Einkommen deutlich entlasten kann“.

Fußgänger und Radfahrer steigen öfter in Busse und Bahnen ein

Es sind nicht allein Autofahrer, die dann zusätzlich mit Bussen und Bahnen fahren. Auch für Wege, die zuvor zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt wurden, werde dann häufiger der ÖPNV genutzt, erwartet Martin Randelhoff, der an der Technischen Universität Verkehrswirtschaft studiert und Herausgeber des Fachblogs „Zukunft Mobilität“ ist. Sein Fazit: Nicht nur die Umweltbelastung sinkt, auch die Zahl und die Schwere der Unfälle, denn dann sind die schwächsten und damit besonders gefährdeten Verkehrsteilnehmer weniger häufig auf den Straßen unterwegs.

Gratis-Nahverkehr ist auch ein Anreiz für bisherige ÖPNV-Nutzer

Das Angebot, keine Fahrscheine mehr kaufen zu müssen, hat auch Auswirkungen auf die Dresdner, die ohnehin oft Busse, Straßenbahnen und S-Bahnen nutzen. Auch sie fahren dann häufiger, ist Randelhoff überzeugt und gibt zu bedenken, dass sie dann zusätzlich Platz in den Fahrzeugen belegen. Dabei soll das Gratisangebot vor allem Autofahrer in Busse und Bahnen locken.

Der Nulltarif allein ist noch keine gute Lösung

Es reiche nicht, die Fahrscheine abzuschaffen, gibt Hendrik Stalmann-Fischer zu bedenken. „Die Erfahrungen aus anderen Städten zeigen, dass der Anstieg der Fahrgastzahl davon abhängt, ob das Autofahren gleichzeitig unattraktiver gemacht wird.“ Das bestätigt auch Martin Randelhoff. Wer Gratis-Nahverkehr einführt, braucht ein Gesamtkonzept, „das den ÖPNV attraktiver macht und den Pkw-Verkehr schwächt“, stellt er fest. Zu diesem Konzept gehören unter anderem weniger Parkplätze und höhere Parkgebühren. Auch Lars Wagner, Sprecher des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) mahnt weitergehende Änderungen an. Der Preis sei nicht das entscheidende Kriterium für Autofahrer, um umzusteigen. „Denn auch heute schon ist das eigene Auto unter allen Gesichtspunkten teurer als ein ÖPNV-Abo. Trotzdem fahren viele Menschen täglich mit dem Auto und nehmen Staus, Parkplatzsuche und anderes in Kauf.“

Vor der Einführung braucht es viel Zeit und Geld

Stadtrat Johannes Lichdi (Grüne) wagt eine Prognose: Mindestens zehn Jahre dauert es, bis kostenloser Nahverkehr in Dresden möglich ist. Bis dahin müsste das Streckennetz vor allem für die Straßenbahnen ausgebaut werden. Außerdem müssten die DVB dafür mehr Fahrzeuge anschaffen. Beides dauert Jahre und kostet Millionen.

Andere Städte stellen in Etappen auf Gratis-ÖPNV um

Kostenlose Fahrten an bestimmten Tagen, für bestimmte Personengruppen wie Schüler und Senioren oder auf wenigen Strecken werden in anderen Städten ausprobiert. Ein Beispiel dafür ist Tübingen. Dort muss in den Bussen sonnabends nicht bezahlt werden. In Dresden gibt es noch keine solchen Pläne.