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Gratis-Nahverkehr kostet zehn Millionen Euro extra

Der VGM-Chef hält den Vorschlag, Tickets für Busse und Bahnen abzuschaffen, für einen Schnellschuss – und spricht sich für eine andere Lösung aus.

© Claudia Hübschmann

Von Britta Veltzke

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Landkreis. Rolf Baum, Chef der Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM), hält den Vorschlag für kostenfreie Busse und Bahnen für blanken Aktionismus. „Ich habe in letzter Zeit häufiger den Eindruck, dass die amtierende Bundesregierung unrealistische Ziele verfolgt. Ein anderes Beispiel ist die E-Mobilität. Da mangelt es derzeit einfach noch an den technischen Voraussetzungen.“ Für ihn stellt sich die große Frage der Finanzierung. „In unserem Fall bräuchten wir zehn Millionen Euro jährlich, die uns durch die Ticketeinnahmen verloren gehen würden.“ Diese Summe mache etwas mehr als die Hälfte des jährlichen Budgets aus. Etwa zwölf Millionen Fahrgäste nutzen die Busse der VGM im Jahr. „Die würden ja weiterhin mitfahren, dazu kommen dann noch die, die vom Auto und vom Fahrrad umsteigen.“ Zu den Spitzenzeiten im Berufs- und Schülerverkehr müssten dann zusätzliche Busse bereitgestellt werden. Rolf Baum spricht sich in der aktuellen Debatte für ein gesundes Mittelmaß aus. Denn, dass sich in puncto ÖPNV etwas ändern muss, findet auch der VGM-Chef. „Zu DDR-Zeiten hat man im Stadtverkehr 20 Pfennig in eine Kiste geworfen. Da werden wir wohl nicht wieder hinkommen. Trotzdem muss das Tarifsystem vereinfacht werden“, erklärt Rolf Raum. Was das angehe, herrsche in Deutschland „Kleinstaaterei“. Zudem müssten Tickets für Busse und Bahnen seiner Ansicht nach günstiger werden. „Aber das funktioniert nur mit mehr Geld der öffentlichen Hand.“

Der VVO begrüßt den Vorschlag

Der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO), dem auch die VGM angehört, hingegen begrüßt den Vorschlag: „Die Bundesregierung setzt damit ein deutliches Signal für den ÖPNV. Die Frage der Finanzierung muss dann natürlich noch beantwortet werden, damit das heutige hohe Niveau im VVO auch bei deutlich mehr Fahrgästen gehalten werden kann“, erklärt Sprecher Christian Schlemper. Im VVO finanzieren die Fahrgäste knapp 60 Prozent der Kosten für den Nahverkehr – damit liegt der Anteil höher als im Bundesdurchschnitt. Der Verkehrsverbund rechnet in dem Fall, dass die Idee Wirklichkeit wird, ebenfalls mit einem Ausbau der Kapazitäten. „Sprich: Die Unternehmen im VVO benötigen mehr Busse, Züge und Personal“, so Schlemper.