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Graupa sieht Sterne

Ein Verein rettete 2015 die Sternwarte vor dem Verfall. Zum Jahrestag wird in den Orbit geäugt und am Fernrohr gegrillt.

© Archivfoto: Marko Förster

Von Daniel Förster

Graupa. Im Zeichen von Sonne, Mond und Sternen: Vor einem Jahr erweckte der Verein Pro Graupa, im Speziellen der Graupaer Ralf Müller, die Sternwarte im Ort zu neuem Leben. Er und einige Mitstreiter wollten das Gebäude nicht dem Verfall preisgeben. Nach etwa zwei Jahren Pause gibt es seit Sommer 2015 in dem Haus an der Badstraße wieder regelmäßig astronomische Veranstaltungen und Vorträge zu interessanten Konstellationen am Himmel. Den Startschuss für den Neuanfang gab vor einem Jahr ein Sommergrillfest.

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Ein Jahr später, am Sonnabend, gibt es nun eine Neuauflage. Los geht’s 18 Uhr. „An dem Abend haben wir die Sonne als Thema im Fokus. Wir wollen zunächst unseren Fixstern beobachten“, kündigt Müller an. Wenn der Himmel nicht wolkenverhangen ist, dürfte das kein Problem sein. Danach ab etwa 20 Uhr wird der in Graupa beheimatete ehemalige Physiker und Naturwissenschaftler Dr. Harald Funke Wissenswertes über den am besten erforschten Stern erzählen. „Ab 21 Uhr erhoffen wir uns noch einmal freie Sicht auf den Sternenhimmel. Denn dann wollen wir unser Teleskop auf den Mars und den Mond richten“, so Müller. Gemeinsam mit den Gästen möchte er nämlich die Himmelsbeobachtungen fortsetzen – in gemütlicher Runde bei Bratwürsten und Getränken. Falls das Wetter nicht mitspielt, werde ein Livestream bzw. eine Computersimulation Abhilfe schaffen.

Ralf Müllers Vorgänger, der sich ebenso wie er ehrenamtlich, jedoch beim Heimatverein engagierte, musste vor drei Jahren aus gesundheitlichen Gründen aufhören. „Bis vergangenen Sommer schlummerte alles. Unser kleines astronomisches Observatorium war anderthalb Jahre lang geschlossen und davor ist dort zum Schluss auch nur ganz sporadisch etwas los gewesen“, berichtet Müller. Deshalb hatte er Astronomie-Begeisterte, wie ihn selbst, um sich geschart. Auf den wissenschaftlichen Instrumenten in dem weißen Haus am Wald unweit dem Schönfelder Weg hätten sich nicht nur Staub abgelagert, auch Feuchtigkeit hätte begonnen, den Geräten zuzusetzen. „Wir haben die Technik wieder zum Laufen gebracht.“

Seitdem treffen sich die Astro-Fans dort einmal im Monat zu Himmelsbeobachtungen und lassen so gut wie keine spektakuläre Himmelkonstellation aus. Höhepunkt war die totale Mondfinsternis über Europa am 28. September 2015. „Aus diesem Anlass haben wir ein Mondfrühstück gemacht. Von früh 1 Uhr bis um 5 Uhr haben wir den riesigen Blutmond verfolgt. Und dann am 9. Mai zog der Merkur vor der Sonne durch und wir haben den Merkur-Transit als kleinen schwarzen Punkt in Zeitlupe vor der Sonne langlaufen sehen.“ Zuletzt gab es am letzten Mai-Sonnabend ein Jupiter-Mond-Ereignis zu beobachten.

Die Sternwarte in Graupa ist ein Ergebnis der Volkswirtschaftlichen Masseninitiative (VMI) in der DDR. 1979 wurde sie von den Einwohnern als Schulsternwarte gebaut. So wurde sie auch bis 2002 betrieben. Danach hatten Sternegucker vom Heimatverein sich darum gekümmert. Für den neuen Interessenkreis im Verein Pro Graupa sucht Hobby-Astronom Ralf Müller noch weitere Mitstreiter. Denn Gäste sollen nicht nur bei Ereignissen im Universum am Fernrohr stehen können, sondern auch regelmäßig Führungen erleben können.

Kontakt zum Verein: Tel. 03501 548262 oder [email protected]