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Deutschland & Welt

Im Land der unbegrenzten Emissionen

Europa hat sie mit ihren Klima-Protesten wachgerüttelt, nun ist Greta Thunberg nach New York gesegelt. Ob die 16-Jährige auch in den USA Gehör findet?

Greta Thunberg (vorne) fährt an Bord der "Malizia II" an der Freiheitsstatue vorbei in den Hafen.
Greta Thunberg (vorne) fährt an Bord der "Malizia II" an der Freiheitsstatue vorbei in den Hafen. © Craig Ruttle/AP/dpa

Von Benno Schwinghammer und Steffen Trumpf

Für Millionen Menschen wartete hinter der Meerenge zwischen Brooklyn und Staten Island ein anderes Leben. Migranten und Flüchtlinge auf Schiffen aus Europa, die ihr Glück in der neuen Welt suchten. Am Mittwoch nun segelt die schwedische Aktivistin Greta Thunberg an der Freiheitsstatue vorbei auf die berühmteste Skyline der Welt zu. Nach zwei Wochen auf dem Atlantik twittert die 16-Jährige noch ein letztes Mal von Bord ihrer Jacht. Sie lächelt, hinter ihr erhebt sich die Stadt. Thunberg schreibt: "Manhattan!"

Sie steht winkend auf dem Boot, im Jachthafen empfangen von den Klimaparolen junger Aktivisten. So wie ihre historischen Vorgänger startet auch Thunberg hier in New York in eine neue Phase ihres Leben. In Amerika will sie den weltweiten Klimakampf auf eine neue Stufe heben. Ein Jahr Proteste und UN-Klimagipfel statt Schule - und die Ungewissheit, wie viel Gehör sich die Schwedin im Land der fast unbegrenzten CO2-Emissionen verschaffen kann.

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"Es ist verrückt, dass eine 16-Jährige den Atlantischen Ozean überqueren muss, um ihre Meinung zu vertreten", sagt Thunberg vor einer kleinen Menge Anhänger und Schaulustiger, nachdem sie vom Segelboot des norddeutschen Kapitäns Boris Herrmann gestiegen ist. Ein paar Hundert sind gekommen, darunter auch viele Medienvertreter vor allem aus Europa. Thunberg wirkt - wie immer - zurückhaltend, aber auch müde und mitunter ein wenig überfordert.

Greta Thunberg begrüßt nach ihrer Landung in New York Menschen, die zu ihrer Begrüßung zahlreich erschienen sind. 
Greta Thunberg begrüßt nach ihrer Landung in New York Menschen, die zu ihrer Begrüßung zahlreich erschienen sind.  © Mary Altaffer/AP/dpa

"Natürlich würde ich mir wünschen, dass sich nicht immer alles um mich dreht", sagt sie und in ihrem Rücken wacht die Freiheitsstatue unter einer dichten Wolkenschicht, aus der es immer wieder nieselt. "Aber wenn das, was ich mache, einen Unterschied bedeutet, will ich davon Gebrauch machen." Auch alleine könne man etwas bewirken, wenn man sich nur genug anstrenge.

Was die Kraft eines einzelnen Mädchens ausrichten kann, weiß Thunberg wohl so gut wie kaum jemand sonst. Ein Jahr ist es her, als die komplett unbekannte 15-Jährige sich mit einem Protestschild vor das Parlament in Stockholm setzte. Das Mädchen mit Asperger-Syndrom rief zum "Schulstreik fürs Klima" auf. Mittlerweile ist sie das Gesicht einer weltweiten Bewegung und für viele auch das schlechte Gewissen auf zwei Beinen. Die Ideale der Veganerin und Flugverweigerin imponieren vielen und treiben andere auf die Palme.

Die Rennyacht "Malizia II"  war zwei Wochen von England aus unterwegs. 
Die Rennyacht "Malizia II"  war zwei Wochen von England aus unterwegs.  © Craig Ruttle/AP/dpa

In Europa hat Thunberg viele Menschen wachgerüttelt, Debatten angefacht und die Jugend animiert, ihrem Beispiel zum Protest für einen beherzteren Kampf gegen die Klimakrise zu folgen. Taten statt schöne Worte zu fordern von den Politikerin und Wirtschaftsbossen. Wer dagegen in den USA nach Thunberg fragt, erntet häufig fragende Blicke. Ein New Yorker, der gerade sein Feierabendbier trinkt, antwortet: "Ich habe Tweets gesehen. Macht sie nicht einen Hungerstreik oder so?"

Nicht nur in Sachen Bekanntheit gibt es für Thunberg einiges zu tun: Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Pew zufolge findet weniger als die Hälfte der US-Bürger, dass der globale Klimawandel politische Priorität haben sollte. Staatsoberhaupt und Kohle-Freund Donald Trump kündigte das Klimaabkommen von Paris auf. Die Vereinigten Staaten liegen weltweit beim Treibhausgas-Ausstoß auf Platz zwei hinter China (Stand 2015), pro Kopf emittiert jeder US-Bürger rechnerisch aber deutlich mehr als ein Chinese.

Greta Thunberg (l), die 16-jährige schwedische Klimaaktivistin, ist froh, New York erreicht zu haben.
Greta Thunberg (l), die 16-jährige schwedische Klimaaktivistin, ist froh, New York erreicht zu haben. © Craig Ruttle/AP/dpa

Greta Thunberg traf bereits den Papst und den ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama, an Trump will sie aber keine Zeit "verschwenden", wie sie vor der Abreise in England sagte. Ihre Botschaft an den Präsidenten heute im New Yorker Jachthafen: "Hör auf die Wissenschaft". Wenn die Trump nicht überzeuge, könne auch die 16-Jährige nicht helfen.

Stattdessen will sie in New York an mehreren großen Klimaprotesten teilnehmen und andere Aktivisten und Entscheidungsträger treffen - nach dpa-Informationen auch in Washington. Vor allem aber stehen im September zwei UN-Klimakonferenzen in New York an: Ein "Jugend-Gipfel" und die große Klimakonferenz mit Staats- und Regierungschefs.

UN-Generalsekretär António Guterres lässt ausrichten, dass er sich schon auf ein Treffen mit Thunberg freue. Vermutlich auch, weil er die Schwedin auch als jugendliches Zugpferd braucht, schließlich sollen auf seinem Gipfel die Weichen für die Weltklimakonferenz in Chile im Dezember gestellt werden. Auch hier will Thunberg dabei sein.

Nach den Strapazen der Atlantik-Überquerung soll es für die 16-Jährige aber zumindest ein paar Tage lang etwas ruhiger zugehen. Sie wolle sich vernünftig waschen, sagt sie. Frische Früchte essen und mal nichts tun. Doch so ganz stimmt das nicht. Denn schon am Freitag will sie am Schulstreik vor den Vereinten Nationen teilnehmen - ihr erster in der neuen Welt. (dpa) 

Junge Leute sind zur Begrüßung von Greta Thunberg an den Hafen gekommen. 
Junge Leute sind zur Begrüßung von Greta Thunberg an den Hafen gekommen.  © Benno Schwinghammer/dpa

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