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Griechenlands Rückkehr an die Märkte: Wer zahlt die Zeche?

Athen will pünktlich zum Besuch der deutschen Kanzlerin mit einem geglückten Kapitalmarkt-Comeback Eindruck machen. Das Manöver erntet aber heftige Kritik.

© dpa

Von Hannes Breustedt

Frankfurt/Main. Griechenlands Regierung feiert die Rückkehr an die Märkte, aber viele Fragen bleiben offen. Erstmals seit dem Finanzkollaps vor vier Jahren konnte das ehemalige Pleite-Land in dieser Woche Geld bei privaten Anlegern auftreiben.

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Doch gleich keimt Argwohn: Athen könne sich die hohe Verzinsung nur dank billiger Hilfskredite und Quasi-Ausfallgarantie seiner Europartner leisten, so die Kritik. Bürgt am Ende der deutsche Steuerzahler, damit Finanzspekulanten attraktive Renditen einstreichen können?

Die Vorwürfe haben es in sich: Die wackelnde Regierung eines Krisenlands greift in die Staatskasse, um sich im Wahlkampf eine teure Imagekampagne zu leisten. Dabei hängen die öffentlichen Finanzen seit Jahren am Rettungstropf internationaler Geldgeber. In etwa so wird Athens Rückkehr an den Kapitalmarkt von politischen Hardlinern, wie dem Syriza-Bündnis der extremen griechischen Linken oder der eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD) dargestellt. Was ist dran an der Kritik?

Ziel: Anschein von Normalität erwecken

Auch gemäßigte Experten, wie Chefökonom Ulrich Kater von der Dekabank, zeigen sich wenig überzeugt von Griechenlands Versuch, wieder an den Finanzmärkten Fuß zu fassen. Die jüngste Anleihe-Emission sei eindeutig innenpolitisch motiviert, sagt Kater im Interview der „Börsen-Zeitung“ (Freitag). „Sie soll den Anschein erwecken, dass sich das Land auf dem Weg zur Normalität befindet.“

Die Regierung von Ministerpräsident Antonis Samaras kann Imagepflege gut gebrauchen. Ihre hauchdünnne Mehrheit im Parlament ist vor den Europawahlen in Gefahr.

Doch kann es sich Athen leisten, Investoren mit Zinsen von fast fünf Prozent zu ködern? Nach Berechnungen der Citigroup hat Griechenland 2013 dank billiger Hilfskredite nur 2,6 Prozent Zinsen auf seine immensen Staatsschulden von 177 Prozent gemessen an der Wirtschaftsleistung gezahlt. „Wenn Griechenland seine Budgetlücken füllt, indem es sich am Markt zu höheren Zinsen Geld leiht, dann verschlechtert sich die Schuldentragfähigkeit“, warnt Experte James Howat vom Analysehaus Capital Economics.

Anleger gehen riskante Wette auf Politik ein

Warum reißen sich Investoren dann um die Papiere? „Die Anleger gehen hier eine Wette auf die Politik ein“, sagt Dekabank-Chefvolkswirt Kater. Klartext: Sie vertrauen darauf, dass die Europartner Griechenland erneut raushauen, wenn es noch mal hart auf hart kommt.

Neben den hohen Zinsen ist ein weiterer Kaufanreiz für internationale Anleger, dass die neuen Anleihen unter britischem Recht ausgegeben werden. Dass private Gläubiger wie vor zwei Jahren schon einmal zum Schuldenschnitt gedrängt werden, ist damit so gut wie ausgeschlossen. Damals konnte Athen die Investoren zum Forderungsverzicht zwingen, weil die betroffenen Staatspapiere griechischem Recht unterlagen. Einzelne Anleihen unter britischem Recht blieben indes verschont.

Griechen gehen davon aus, dass Europa schon helfen wird

Griechenlands Kapitalmarkt-Comeback setzt deshalb vor allem die öffentlichen Gläubiger unter Druck. „Die Griechen rechnen damit, dass im Falle des Falles die Europäische Zentralbank oder der Rettungsschirm ESM weitere Mittel zur Verfügung stellen“, sagt der Experte Bert Van Roosebeke von der marktliberalen Denkfabrik CEP im dpa-Insight-EU-Interview.

Die Käufer der neuen Hellas-Bonds - laut einem Insider sind es zu einem Drittel spekulative Hedgefonds - scheinen ebenfalls davon auszugehen. Anders können sich Experten die enorme Nachfrage nach den Papieren jedenfalls kaum erklären. (dpa)