Merken

Griff nach den Sternen

Die Herrnhuter suchen das neue Sternekind. Noch-Amtsinhaber Jonas Bührdel erzählt von seinen Erlebnissen.

Teilen
Folgen
© Rafael Sampedro

Von Susanne Sodan

Herrnhut. Ein kleines bisschen hatte Jonas Bührdel gehofft, dass sich vielleicht niemand bewerben würde. Denn dann könnte er noch ein Jahr länger das Sternekind von Herrnhuter sein. Aber der Posten ist begehrt. „Die ersten drei Bewerbungen sind schon da“, sagt Jacqueline Schröpel, Sprecherin der Herrnhuter Sternemanufaktur. Aber ein paar Wochen und ein paar Termine als Sternekind bleiben Jonas Bührdel noch. Was auch bleibt: viele Erinnerungen an die vergangenen Monate.

Jonas‘ Amtszeit als Sternekind vor einem knappen Jahr begann schon mit einer Herausforderung – mit einem Fernseh-Dreh. Der damals Achtjährige aus Oderwitz war gerade mal eine Woche im Amt, da war der MDR zu Gast in der Sternemanufaktur. „Der Sender hatte bei uns eine Weihnachts-Reportage gedreht“, erzählt Jacqueline Schröpel. Natürlich mit Sternekind. Jonas liebste Erinnerung? Da muss er erstmal überlegen. Es waren so viele Erlebnisse. Eine der ersten Aufgaben: ein Foto-shooting mit dem Sondereditions-Stern. Den Weihnachtsbaum zum Weihnachtsmarkt der Sternemanufaktur hat er aufleuchten lassen, Gäste durch die Produktion geführt, die Sieger der O-See-Challenge geehrt. „Das Lückendorfer Bergrennen war auch schön“, erzählt Jonas. Bei der Motorsport-Veranstaltung durfte er in der Ehrenrunde der Oldtimer mitfahren. Er durfte sich auch das Fahrzeug aussuchen, in dem er den Beifahrer machte. „Ich bin in einem Trabi mitgefahren“, erzählt Jonas. Nicht nur irgendein Trabi. Ein rotes Trabi-Cabrio.

„Wir versuchen schon, unseren Sternekindern auch immer besondere Orte zugänglich zu machen“, sagt Jacqueline Schröpel. Spaß soll der Job auf jeden Fall machen, Arbeit gehört aber auch manchmal dazu – siehe Fotoshooting. „Dafür braucht man schon ein bisschen Ausdauer“, sagt Jacqueline Schröpel. Deshalb sollten Sternekind-Bewerber mindestens sechs Jahre als sein. Was sonst noch nötig ist? „Wichtig ist, dass das Kind aufgeschlossen ist und Spaß daran hat, in der Öffentlichkeit zu sein.“ Jedes Jahr gehen bei der Sternemanufaktur zehn bis 15 Bewerbungen ein. Die Entscheidung sei bisher nie leicht gewesen, sagt Frau Schröpel. „Wir sind nicht umsonst fünf Leute in der Jury“, sagt sie und lacht. „Jedes Kind steckt Mühe in die Bewerbung, es wirklich nicht einfach.“

Ganz allgemein gehören zur Bewerbung ein Steckbrief, ein Foto und eine kurze Begründung, warum man das Sternekind werden möchte. Und etwas Kreatives. „Es sind schon ganz unterschiedliche Sachen bei uns eingegangen“, erzählt Frau Schröpel. Geschichten über den Herrnhuter Stern, Gedichte, Gebasteltes, Holzarbeiten. Jonas’ Vorgängerin, Chantal Laura Kröpelin, hatte sich mit einem Video bei Herrnhuter vorgestellt. Es gehe also nicht um ein ellenlanges Bewerbungsschreiben, erklärt Jacqueline Schröpel. „Wir möchten lieber merken, dass sich das Kind mit dem Thema beschäftigt hat.“ Und, dass es nicht nur die Eltern sind, die gerne wollen, dass ihr Kind zum Sternekind wird – sondern, dass es das Kind selbst will. Jonas wollte unbedingt. Seine Bewerbung vergangenes Jahr war nicht seine erste. „Er war hartnäckig“, sagt Jacqueline Schröpel. Schon zwei- oder gar dreimal zuvor hatte Jonas sich beworben. „Vergangenes Jahr steckte vielleicht noch ein bisschen mehr Arbeit in der Bewerbung drin“, sagt seine Mutter Manuela Kurcz mit einem Schmunzeln. Es war eine Holzsägearbeit in einer Glaskugel. Für Jonas und seine Familie haben Sterne ein ganz besondere Bedeutung.

Jonas’ Geburt und der Tod seiner Uroma – Manuela Kurcz Großmutter – fielen etwa in den gleichen Zeitraum. „Meine Oma war für mich immer die wichtigste Bezugsperson“, erzählt Manuela Kurcz. An ihrem Tod habe sie lange zu kauen gehabt. Die Oma war immer Thema, aber als Person eben nicht mehr da. Als Jonas sprechen konnte, sei sehr früh die Frage gekommen: Wo ist sie denn, die Oma, also Jonas‘ Großmutter? Für Manuela Kurcz stellte sich damit im Grunde die Frage: Wie erklärt man einem kleinen Kind, dass ein wichtiger Mensch tot ist, dass es den Tod gibt? „Ich habe Jonas damals gesagt, dass die Oma leider schon vor ihm von der Welt gegangen ist.“ Dass sie aber trotzdem immer noch da sei – nämlich in den Sternen. Dieses Gespräch muss zur Weihnachtszeit stattgefunden haben. Jedenfalls hing in der Küche der Familie damals ein rot-gelber Herrnhuter Stern. Bis heute ist aus dem einen Stern eine wahre Sammlung geworden. Jonas hat einen kunterbunten selbstgebastelten Stern, einen rot-weißen, einen grünen, einen orangefarbenen, einen roten... Aber dieser eine in der Küche durfte nie mehr abgenommen werden. Bis heute nicht.

Bewerbung als Sternekind gehen an: Herrnhuter Sterne GmbH, Stichwort: Sternekind 2018, Oderwitzer Straße 8 in Herrnhut. Anmeldeschluss ist der 10. November.