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Grippe sorgt für Sonderschicht

Die Influenza tobt sich aus: Im Labor auf der Cottbuser Straße werden täglich 700 Proben getestet – mehr als im Vorjahr.

© Maurizio Gambarini/dpa

Von Daniela Pfeiffer

Görlitz. Chefs haben es in diesen Tagen auch nicht leicht. Denn die Krankenscheine stapeln sich. Aus vielen größeren Behörden und Unternehmen sind zurzeit Krankenzahlen im höheren zweistelligen Bereich zu vernehmen. Offiziell bestätigen mag das aber keiner so gerne. Und ob das alles echte Grippefälle sind, vermag ohnehin kein Chef zu sagen, die Diagnose steht schließlich nicht auf dem Krankenzettel.

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Zumindest Claudia Friedrichs, Fachärztin für Mikrobiologie, bestätigt aber, dass wohl die Wenigsten mal eben so auf der Grippewelle mitschwimmen, sondern wirklich geschwächt im Bett liegen. Denn Claudia Friedrichs bekommt im Medizinischen Labor Ostsachsen auf der Cottbuser Straße jeden Tag hautnah mit, wie dramatisch die Lage ist. Noch dramatischer als im vergangenen Winter nämlich. „Wir untersuchen um die 700 Proben jeden Tag, alle auf Influenza und die Positivrate ist hoch“, sagt sie. Fast ausschließlich das Influenza B-Virus sei es, was die Menschen in diesem Winter umhaut. Im Vorjahr war das Influenza A-Virus der Übeltäter. Weit über 1000 Fälle meldete im Frühjahr 2017 abschließend das Gesundheitsamt des Landkreises, 13 Tote waren zu beklagen. Und jetzt soll alles noch schlimmer sein als damals? Zumindest nicht, was die Todesopfer angeht. Drei sind es bislang. Ansonsten aber übertreffen die aktuellen Zahlen vom Gesundheitsamt bereits die vom Vorjahr. Da konnten selbst die Winterferien keine Entspannung bringen. 376 Fälle wurden in der zweiten Ferienwoche registriert. Allerdings bekam das Gesundheitsamt von nur 21 der sonst etwa 30 Praxen Zahlen übermittelt. Das heißt, die wahre Zahl wird höher liegen. Zum Vergleich: In der gleichen Woche 2017 waren es 130. Damals war die Grippewelle schon deutlich eher losgegangen.

Wann die Epidemie dieses Jahr ein Ende hat, da sind sich Experten nicht sicher. Mancher sieht den Zenit überschritten. Claudia Friedrichs sagt: „Wir sind noch mittendrin.“ Für sie und ihre Kollegen bedeutet das deutlich mehr Arbeit. Ein Zweischichtsystem wurde extra eingerichtet, vor allem, damit stationäre Proben aus den Krankenhäusern noch am selben Tag untersucht und Ergebnisse rasch übermittelt werden können.“ Aber die Viren machen um die Labor-Mitarbeiter keinen Bogen. „Wir haben selbst einen hohen Krankenstand, es ist also auch für uns eine angespannte Situation“, sagt Claudia Friedrichs.

Davon kann auch das Rathaus ein Lied singen. Konkrete Zahlen gab es gestern nicht, aber in den vergangenen Tagen gab es immer wieder den Hinweis auf schlechte Besetzung aufgrund der Grippewelle. Selbst der Görlitzer Stadtrat war bei seiner Sitzung am Donnerstag überschaubar. Von 39 Räten waren elf entschuldigt. Wie viele davon wegen Grippe ist nicht bekannt.

In den Schulen der Stadt hingegen scheint die Lage noch oder wieder halbwegs entspannt. In der Melanchthon-Oberschule etwa war die Liste der kranken Schüler vor den Ferien lang, momentan sind es nur Wenige. Gleiches Bild in der Neißegrundschule: Zwei Mitarbeiter fehlten gestern grippebedingt und sieben von 105 Schülern – wobei auch hier nicht gesagt ist, dass alle Grippe haben. „Der Schulalltag läuft wie geplant“, sagt Schulleiterin Kerstin Wilke. Genauso ist es in der Scultetus-Oberschule: „Wir liegen im normalen Bereich“, so Schulleiter Frank Dörfer. Ein kranker Lehrer, acht kranke Schüler waren es gestern.

Natürlich merken sie die Auswirkungen der Epidemie ganz besonders: die Görlitzer Krankenhäuser. Im Malteser Krankenhaus St. Carolus musste eine Station vorübergehend geschlossen werden, weil im gesamten Krankenhaus viele Mitarbeiter krank sind und das Pflegepersonal der geschlossenen Station zur Entlastung der Mitarbeiter auf den offenen Stationen eingesetzt werden soll.

Angespannt ist ebenfalls weiterhin die Lage im Klinikum. Dennoch sei die reguläre Versorgung auf den Stationen und die Notfallversorgung sicher gestellt, so Felix Kurtze von der Pressestelle. Besonderen Wert legt das Klinikum weiterhin auf intensive Hygienemaßnahmen. Das Personal ist angehalten, vor allem bei Besuchern darauf zu achten. „Besucher und Angehörige werden weiterhin gebeten, ihre Besuche einzuschränken.“ Geplante Behandlungen werden überprüft und sind abhängig vom Gesundheitszustand der Patienten. Bei angeschlagenen Patienten mit bestätigter Grippeerkrankung oder Erkältungssymptomen wird versucht die Behandlung zu verschieben.

Die Barmer-Krankenkasse hat wegen der ernsten Lage ihre Hotline verlängert. Ronny Scharntke, Regionalgeschäftsführer für die Barmer Görlitz sagt, dass an der Hotline Ärzte des Barmer-Teledoktors zum Beispiel darüber beraten, wie sich Grippe und die eher harmlose Erkältung unterscheiden und was man tun kann.

Erreichbar ist die Hotline bis zum 9. März von 9 bis 21 Uhr unter 0800/8484111. Die Beratung ist kostenlos und steht allen Interessierten offen.

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