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Grippewelle hat Niesky noch nicht erreicht

Influenza-Fälle treten nur vereinzelt auf. In Görlitz sieht das anders aus. Im Kreis gibt es den ersten Todesfall.

© André Schulze

Von Frank-Uwe Michel und Carla Mattern

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Görlitz/Niesky. Das „Gummistiefelchen“ ist belebt wie immer. Im Garten zwischen den Bäumen toben Mädchen und Jungs herum. Von Grippewelle keine Spur. „Husten und Schnupfen – na klar. Aber das sind die normalen Wintererscheinungen. Von schweren Fällen hat uns die Grippe bisher verschont“, freut sich Ilona Pfuhl über die volle Einsatzbereitschaft in der Uhsmannsdorfer Kindertagesstätte. Denn auch von den Erzieherinnen ist noch keine mit Influenza-Symptomen zu Hause geblieben. Dafür wird allerdings auch eine ganze Menge getan. „Wir setzen die Auflagen des Gesundheitsamtes um. Das heißt: Regelmäßig die Hände desinfizieren, vor allem nach jeder Toilettennutzung oder wenn die Kleinsten ihre Windeln gewechselt bekommen“, erklärt die Kita-Leiterin. Vor drei oder vier Jahren habe die Grippe in ihrer Einrichtung schon mal stärker zugeschlagen, erinnert sie sich. Dieses Mal, hofft sie, wird sie, ohne Spuren zu hinterlassen, an den „Gummistiefelchen“ vorüber gehen.

Ähnlich sieht das im Rothenburger Martinshof aus. Sprecherin Doreen Lorenz: „So richtig ist die Grippewelle in unserer Einrichtung noch nicht angekommen.“ Die Zahl der Krankschreibungen der Kollegen – nicht nur wegen Erkältungsinfekten – liege im Durchschnitt der vergangenen Jahre im Februar. Dies betreffe ganz konkret den Bereich Altenhilfe und die heilpädagogischen Einrichtungen. „Allerdings“, so Lorenz weiter, „nimmt die Zahl der Erkältungen ‚gefühlt‘ zu.“ Das sei vor allem im Umfeld des Martinshofes zu spüren. Immer mehr Mitarbeiter würden wegen ihrer kranken Kinder zu Hause bleiben. „Speziell in den Wohnstätten und Altenpflegeheimen achten wir aber auch verstärkt auf einen genauen Umgang mit Desinfektionsmitteln“, beschreibt die Sprecherin die in der Einrichtung praktizierte Krankheitsvorsorge. So stehe zum Beispiel im Eingangsbereich des Francke-Hauses ein Spender für Beschäftigte und Besucher bereit.

Noch nicht erreicht hat die Grippewelle auch das Orthopädische Zentrum Martin-Ulbrich-Haus (MUH) in Rothenburg. Brigitte Kerger von der Pflegedienstleitung: „Bis jetzt konnten wir den in dieser Jahreszeit üblichen Ausfall von Personal kompensieren.“ Eine grippebedingte Änderung von betrieblichen Abläufen habe es bislang nicht gegeben. Das bedeutet auch: Alle geplanten Operationen fanden statt. Um der Grippe wirksam zu begegnen, biete das MUH seinen Mitarbeitern über die Betriebsarztstelle kostenlos vorbeugenden Influenza-Impfschutz an. „Außerdem unterweisen wir unsere Beschäftigten bei Hygieneschulungen regelmäßig über präventive Dinge im Gesundheitsschutz.“

Angespannter sieht die Situation am Städtischen Krankenhaus in Görlitz aus. Wie der kaufmännische Direktor des Klinikums, Thomas Lieberwirth, sagt, verzeichnete das Krankenhaus innerhalb weniger Tage eine steigende Zahl bestätigter Influenza-Fälle unter den Patienten sowie einen hohen Krankenstand beim Personal. Das Klinikum hat deshalb verschiedene Maßnahmen ergriffen, um Patienten und Angestellte zu schützen und damit die Notfallversorgung für die Region in vollem Umfang aufrecht zu erhalten, wie Lieberwirth erklärt. So werden auf verschiedenen Stationen vorerst nur eingeschränkt geplante Patienten aufgenommen. Die Betroffenen werden darüber rechtzeitig informiert. Man rechne angesichts der steigenden Influenza-Fälle in der Region mit weiteren neuen Grippepatienten. Deshalb müssten in dieser besonderen Situation leider einige geplante Operationen und Eingriffe verschoben und Patienten, die nicht zwingend stationär bleiben müssen, vorerst nach Hause entlassen werden, heißt es vom Städtischen Krankenhaus in Görlitz.

Da hier auch eine große Anzahl an Mitarbeitern erkrankt ist, werden zudem die Dienste für die kommenden Tage entsprechend organisiert. „Wir aktivieren alle Ressourcen, die wir haben und das geht weit über das übliche Maß hinaus“, sagt Pflegedirektorin Birgit Bieder.

Ohne jede Beeinträchtigung läuft dagegen der Krankenhausbetrieb in Niesky ab. Dr. med. Uwe Scholze, der leitende Chefarzt, sagt auf Anfrage: „Wir hatten im Krankenhaus Emmaus Niesky in den vergangenen Tagen lediglich einen Patienten, der aufgrund einer Influenza-Erkrankung stationär behandelt werden musste. Auch bei unserem Personal sind keine erhöhten Krankheitsausfälle durch Influenza zu verzeichnen, weder beim Pflegepersonal noch im Arztdienst.“

Der Landkreis meldet in der fünften Kalenderwoche als aktuellste Zahlen 221 neue Influenza-Erkrankungen und den Todesfall eines 90-Jährigen. Impfen zur Vorbeugung sei nach wie vor angeraten,
empfohlen wird der bei den Arztpraxen verfügbare Impfstoff mit vier Wirkstoffen. (mit SZ/abl)