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Größeres Sortiment, mehr Platz

Im Kopierbüro Schmidt wurde kürzlich der Umbau des Geschäftes abgeschlossen. Neue Ziele sind angesagt.

Von Ines Luft
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Geschäft umgebaut. Die Familie von Kopierbüro-Inhaberin Elke Schmidt (2.v.l.): Stephanie (l.) Axel (2.v.r.) und Manuel Schmidt am Markt 11 in Radeburg.
Geschäft umgebaut. Die Familie von Kopierbüro-Inhaberin Elke Schmidt (2.v.l.): Stephanie (l.) Axel (2.v.r.) und Manuel Schmidt am Markt 11 in Radeburg. © Norbert Millauer

Radeburg. Ein großes Chefzimmer sucht man im Kopierbüro Schmidt vergeblich. „Gehen Sie mal den Gang hinter, dann die zweite Tür links“, weist die freundliche Verkäuferin an der Kasse den Weg. Klopfen nicht nötig, die Tür steht offen.

 Dahinter ein Raum, der etwas klein scheint für die drei, die hier arbeiten. Am Schreibtisch mittendrin Elke Schmidt und Ehemann Axel. Neben ihm der Platz von Tochter Stephanie. Überall Papier und Papiere, Briefseiten, Aktenordner, Schreibutensilien. Alles, was bei Leitung und Organisation so gebraucht wird in einem Unternehmen.

Schmidts wissen das nur zu gut – aus ihrem Familienbetrieb und weil sie seit 28 Jahren Anlaufstelle sind für die, die in Radeburg Material suchen für Büro, Schule, Studium. Mit ihrem gleichnamigen Kopierbüro gehören Schmidts zum Inventar der Stadt. Wobei: Kopierbüro trifft es nicht mehr, was sich die Familie aufgebaut hat, ist inzwischen ein Büro- und Digitaldruckcenter. Aber als Kopierbüro sind Schmidts bekannt. Deshalb gilt der Name bis heute. Und erinnert an den Anfang im Mai 1990, als zwei gebrauchte Kopierer eine wichtige Rolle spielen.

Was sich daraus entwickelt, hat sich Elke Schmidt sicher nicht träumen lassen. Die Inhaberin kommt aus der Branche. Ihre Eltern haben eine Druckerei, die Schwester übernimmt sie. Doch auch Elke Schmidt, gelernte Schriftsetzerin, will gern selbstständig sein, schon zu DDR-Zeiten. Zur Wende gibt es die Chance. Bekannte aus Niedersachsen helfen mit Kopierern. Denn Kopien sind gefragt. Und Stempel. Schon wegen der neuen Postleitzahlen. Elke Schmidt lernt in Wolfsburg, wie das geht mit dem Stempelherstellen.

Die Garage, nun Copyshop, bleibt nicht lange Firmensitz. Die Kunden wollen immer mehr Bürosachen, vom Ordner bis zum Stift. Der Platz wird knapp. Das Kopierbüro zieht 1991 erstmals um, zur Meißner Straße 4, wo ein neues Geschäft entsteht. Ehemann Axel, zuvor im Flachglaswerk für Investitionen zuständig, steigt ein. Zwei Verkäuferinnen kommen dazu.

Bei dem einen Umzug bleibt es nicht. Immer, wenn es zu eng wird, geht es weiter. In eine Filiale auf der Heinrich-Zille-Straße, von der Meißner auf die Dresdner Straße, schließlich zum Markt 11. Domizil bis heute mit Bürotechnik sowie Büro- und Schulbedarf unter einem Dach. Dazu 15 Jahre lang die Radeburger Poststelle. Die findet sich seit Oktober allerdings nicht mehr hier, sondern auf der Meißner Straße. Wieder mal fehlte es an Fläche, die Post zieht aus. Schmidts bauen im Herbst um. Auch diesmal schrittweise, ohne große Kredite, aber mit manchem Kundentipp.

Aus den beiden Tresen, vorn im Laden und im hinteren Technikbereich, wird einer – für optimales Bedienen und Beraten. Die zwei Mediengestalter erhalten einen größeren Arbeitsplatz, ebenso einer der beiden Techniker. Bürotechnik-Verkauf und -Reparatur sind verstärkt nachgefragt. Sohn Manuel Schmidt, selbst Büroinformationselektroniker, hat den Bereich aufgebaut.

Neben den Mitarbeitern – insgesamt zehn – haben die Kunden bessere Bedingungen. Mit größerem Sortiment an Spielwaren und Geschenkartikeln, einem übersichtlicheren Angebot – gekennzeichnet in der Firmenfarbe Rot. Die Gänge sind breiter, die Regale beleuchtet. Das neue Lamellensystem ermöglicht eine abwechslungsreichere Warenpräsentation. LED-Elemente statt Leuchtstoffröhren sorgen für angenehmes Licht. Da lässt es sich stöbern – die Kunden nehmen sich dafür jetzt tatsächlich mehr Zeit, haben Schmidts festgestellt.

Öfter wandern die Blicke auch zur Ranzen-Reihe. Wie sitzt die Schultasche? In vielen Familien ein wichtiges Thema. Seit zehn Jahren gibt es Schmidts Ranzenpartys, mittlerweile jährlich in Radeburg und Kamenz, im Februar wieder im Autohaus Elitzsch. Aber nicht nur auf guten Kontakt zu privaten und gewerblichen Kunden legt das Kopierbüro-Team Wert. 

Sondern auch darauf, dass die Händler der Stadt wieder mehr zusammenrücken, sagt Stephanie Schmidt. Die gelernte Mediengestalterin und studierte Betriebswirtin gelangt über Umwege ins elterliche Unternehmen, arbeitet im Marketing beim Telefonbuchverlag und in der Druckerei Vetters, wo sie viel lernt. Dann reizt es doch: das Kopierbüro – wo sie unter anderem die Abteilung Druck mit gestaltet.

Gestalten will sie noch mehr. Beispielsweise gemeinsam mit anderen Händlern. So die Stiefelaktion, zu der sich 35 Händler und Gewerbetreibende zusammengetan haben, um Radeburger Kindern bis zehn Jahre eine besondere Weihnachtsfreude zu machen. Eine von Stephanie Schmidts Ideen. 

Nur umzusetzen mit Mitstreitern wie Karina Jentzsch vom Modehaus Luckow, die einige Händler wieder an einen Tisch brachte. 180 Stiefel wurden abgegeben, mit kleinen Geschenken gefüllt und können bis zum heutigen Sonnabend abgeholt werden. Wenn Besitzer und Eltern sie in einem der Mitwirkenden-Schaufenster entdecken. Und dabei gleich mal erleben, was es in Radeburg überhaupt so alles zu sehen gibt.

Demnächst auch den Umbau des Marktplatzes, ein weiteres Thema für Stephanie Schmidt. Wie die Veränderungen, die sich im Kopierbüro abzeichnen, wenn die Gründer in den Ruhestand gehen und die nächste Generation übernimmt.