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Größte Katastrophe seit der Reblaus

Eine neue Pflichtversicherung verschreckt Sachsens Winzer. Der Weinbauverband geht dagegen vor.

© Claudia Hübschmann

Radebeul/Meißen. Ein Zahlungsbescheid der Berufsgenossenschaft hat Tausende Kleinwinzer in Sachsen aufgeschreckt. Über diese und andere Herausforderung sprach die SZ mit dem Vorstandsvorsitzenden des Weinbauverbandes Sachsen Christoph Reiner.

Herr Reiner, der sächsische Wein ist in vielen Teilen Deutschlands immer noch wenig bekannt. Wie lässt sich das ändern?

Teppich Schmidt
Sieben Wohnwelten – ein Geschäft
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Erfahrung, Wissen und ein super Team. Bis zum heutigen Erfolg war es eine lange, lehrreiche Reise, die sich nun in verschiedenen Abteilungen widerspiegelt und seinen Kunden Einrichtungs- und Wohnträume verwirklicht.

Durch viele kleine und größere Schritte. Ein wichtiger Ansatz ist der gemeinsame Stand von sieben sächsischen Winzern auf der Messe Prowein im März 2016 in Düsseldorf. Unsere sächsischen Steillagen mit ihren landschaftsprägenden Terrassen werden hier einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Wesentlich ist allerdings generell die hohe Qualität unserer sächsischen Weine, die bereits für sich allein so manchen Messebesucher überraschen wird. Täglich 13.30 Uhr ist eine Weinprobe geplant, um den Besuchern die ganze Vielfalt des sächsischen Weins präsentieren zu können.

Stellt dort jeder Winzer seinen eigenen Wein vor?

Ja, aber unterstützt durch Janek Schumann, der das Restaurant mit Weinschule „Die Weinwirtschaft“ in Lichtenwalde bei Chemnitz betreibt und der dieses Jahr vom Londoner Institute of Masters of Wine den Titel Master of Wine verliehen bekommen hat. Diesen tragen derzeit nur 340 Wein-Spezialisten aus 24 Ländern. Selbstverständlich wird auch unsere amtierende Weinkönigin Daniela Undeutsch Herrn Schumann und die Winzer unterstützen.

Im kommenden Jahr dürfen in Sachsen fünf Hektar neu aufgerebt werden. Das klingt nicht viel, oder?

Aktuell haben wir im Weinanbaugebiet rund 490 Hektar im Ertrag. Somit wären fünf Hektar gut ein Prozent. Ursprünglich sollte das Wachstum auf bundesweit 0,3 Prozent der bestehenden Rebfläche beschränkt werden. Die fünf Hektar sind deshalb für uns schon ein Erfolg, zumindest wenn diese tatsächlich im bestimmten Weinanbaugebiet verbleiben. Dies ist momentan noch nicht sicher, da sie dem gesamten Flächenstaat zugesprochen werden. Hier arbeiten wir mit dem Freistaat an einer Lösung. Es ist allerdings auch möglich, dass mehr als fünf Hektar nach Sachsen kommen, dies hängt von der bundesweiten Anzahl an Anträgen ab, wobei Flächen in der Steillage bevorzugt werden. Die Zahl der potenziellen Standorte ist aufgrund der Naturschutzauflagen aber begrenzt. Kritisch sehen wir die Vorgabe, dass ohne Prüfung der weinbaulichen Eignung theoretisch aufgerebt werden darf und nur die Steigung eines Weinbergs vom Bund vorangestellt wird.

Sachsens Kleinwinzer sollen künftig Pflichtbeiträge für die Unfallversicherung der Berufsgenossenschaft zahlen. Wie stehen Sie dazu?

Es gibt Winzer, die bezeichnen diese Pflichtversicherung als größte Katastrophe seit dem Einfall der Reblaus. In Gesprächen habe ich den Eindruck gewonnen, dass es gar nicht so sehr um das Geld geht. Vor allem ältere Winzer verstehen die ganze Angelegenheit eher als persönlichen Angriff auf ihr oft jahrzehntelanges Schaffen – gerade in Bezug auf den Erhalt unserer sächsischen Steillagen. In Sachsen haben wir insgesamt rund 2 480 Winzer. Diese Tradition des „Kleinwinzertums“ ist einmalig in ganz Deutschland. Unabhängig von der Anzahl der Stöcke wird jeder dieser Winzer jetzt zum „Unternehmer“ und muss neben dem Flächenbeitrag einen Grundbeitrag von jährlich rund 80 Euro entrichten. Dies ist bei anderen Sonderkulturen, wie etwa den Imkern, nicht der Fall. Hier existiert eine Bagatellgrenze.

Was wird Ihr Verband jetzt tun?

Wir versuchen, parallel auf mehreren Wegen eine Lösung zu finden: Die Winzergenossenschaft arbeitet an einer Musterklage, die wir im Rahmen unserer begrenzten finanziellen Möglichkeit als Verband, wenn möglich, mit unterstützen werden. Eine weitere Möglichkeit liegt in einer Satzungsänderung der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft. Parallel dazu versuchen wir, über die politische Schiene und mit Unterstützung des deutschen Weinbauverbandes eine Gesetzesänderung zu erreichen. Ziel muss die Einführung einer Bagatellgrenze in Bezug auf den Grundbeitrag sein.

Das Gespräch führte Peter Anderson.