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„Größtes Missverständnis meines Lebens“

Nach seinen umstrittenen Äußerungen über Behinderte verlässt Sachsens AfD-Vize Thomas Hartung die politische Bühne. Auch die TU Dresden setzt den Professor vor die Tür.

© Eric Münch

Von Gunnar Saft

In der Führungsspitze der sächsischen AfD klafft seit gestern eine große Lücke. Thomas Hartung, stellvertretender Parteivorsitzender und Landessprecher der Alternative für Deutschland erklärte seinen Komplett-Rückzug: Der 52-Jährige stellt nicht nur alle seine politischen Ämter mit sofortiger Wirkung zur Verfügung, sondern verzichtet auch auf eine Kandidatur auf dem aussichtsreichen Listenplatz 2 der AfD-Landesliste bei der sächsischen Landtagswahl am 31. August.

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Notgedrungen zog Hartung damit die Konsequenz aus dem öffentlichen Proteststurm, den er zuvor mit abfälligen Bemerkungen über Menschen mit Trisomie selbst ausgelöst hatte. So hatte er via Facebook den vom Down-Syndrom Betroffenen unter anderem die Fähigkeit für einen Lehrberuf grundsätzlich abgesprochen – mit einer teils drastisch-rüden Wortwahl.

Petry: „In der Debatte verrant“

Hartungs letzter Weg zum politischen Aus währte schließlich von Dienstagabend bis Mittwochfrüh: Sechseinhalb Stunden tagte der AfD-Landesvorstand zu der Personalie, um danach per Pressemitteilung den Rücktritt zu verkünden. Thomas Hartung bestand dabei gegenüber der SZ auf folgender Lesart: „Ich bin nicht dazu gedrängt worden, es war eine langwierige Abwägung über das Für und Wider.“ Bei dieser Erklärung im ruhigen Tonfall bleibt es für Außenstehende schwierig einzuschätzen, was wirklich den Ausschlag für den Rückzug gab. Der Journalist und Mediendozent selbst bezeichnete den Vorfall am Mittwoch jedenfalls als „das größte Missverständnis meines Lebens“. Unterstützt wurde er dabei von der AfD-Landeschefin Frauke Petry. „Ich glaube, das hat Thomas Hartung nicht gewollt“, erklärte sie. Wegen seiner Leidenschaft für das Thema Bildung habe er sich bei dieser Debatte völlig verrannt. Hartung habe mit seinen Äußerungen vielmehr auf das stete Absinken von Bildungsstandards aufmerksam machen wollen, verteidigte sie ihren Ex-Vize. „Das hat er leider nicht zum Ausdruck gebracht.“

Sachsens AfD-Chefin und Spitzenkandidatin zur Landtagswahl kann sich derzeit über Umfragewerte von bis zu acht Prozent für ihre Partei freuen. Der erstmalige Einzug ins sächsische Parlament ist greifbar nah. Logisch, dass Petry die Causa Hartung möglichst schnell abschließen will. Dieser habe eine hervorragende Aufbauarbeit bei der AfD geleistet, lobte sie ihn ein letztes Mal, um dann zu verkünden, wie es in der Partei weitergehen soll. Das vakante Vizeamt werde vorerst nicht neu besetzt.

Mit einem weiteren Stellvertreter und dem Generalsekretär könnten alle Aufgaben abgesichert werden. Ein neuer Pressesprecher werde in Kürze vorgestellt. Auf Nachfragen gab es darüber hinaus wenige Antworten. Ob sie ohne Hartungs Rücktritt weiter mit ihrem bisherigen Vize politisch gearbeitet hätte? „Diese Frage stellt sich nicht.“ Was sie zum Vorwurf meint, dass in der AfD viele so denken wie der jetzt zurückgetretene Parteivize? „Solche Vorwürfe kenne ich nicht.“ Einräumen musste Petry allerdings, dass es Mitglieder gibt, die nun auch einen Parteiausschluss von Thomas Hartung fordern. Ein solcher Schritt sei „keine leichte Entscheidung“, der Rücktritt von Hartung bereits ein „bedeutender Schritt“, bremste die AfD-Chefin. Nur in einem Punkt legte sie sich fest. „Für den Wahlkampf ist das alles schädlich. Das ärgert mich.“

TU wirft Hartung raus

Während sie das sagt, kämpft Hartung bereits in einem anderen Bereich. In wenigen Tagen will er der TU Dresden, seinem Arbeitgeber, die geforderte Stellungnahme zu den Ereignissen der letzten Tage übergeben. Dort hat man jedoch längst reagiert. Hartungs bis zum Ende des Sommersemesters gültiger Lehrvertrag werde nicht verlängert, alle noch ausstehenden Lehrleistungen würden von anderen übernommen, teilte die TU Mittwochabend auf ihrer Website mit.

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