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Groß, größer, Kirschallee

Neustadt feiert den Abschluss der Revitalisierung des Gewerbegebiets. Jetzt kehrt Ruhe ein – aber nur kurz.

© Steffen Unger

Von Nancy Riegel

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Neustadt. Ein „Großprojekt“, ein „Meilenstein“, eine „Vorzeigearbeit“: Für das Gewerbegebiet Kirschallee in Neustadt finden die Verantwortlichen gern lobende Beinamen. Einige dieser Worte und noch viele mehr fielen am Freitag, denn die Stadt feierte offiziell mit vielen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung die Fertigstellung des revitalisierten Industriegebiets. Bürgermeister Peter Mühle (NfN) und Frank Beyer, Geschäftsführer der Industrie-Center Neustadt (ICN) und damit verantwortlich für die Quartiere, warfen einen Blick zurück – auf die letzten zwei Jahre, in denen sich das ehemalige Fortschritt-Gelände von Grund auf veränderte. Die Planungen hatten sich bereits im Jahr 2013 unter dem damaligen Bürgermeister Manfred Elsner konkretisiert. Bis zum Jahr 2015 standen auf der Industriebrache das Bürogebäude Schwarze Kuh, heruntergekommene Asylbewerberheime und die alte Tischlerei. Nun warten schicke Quartiere darauf, bebaut zu werden.

Bürgermeister Peter Mühle (l.) und ICN-Geschäftsführer Frank Beyer führten am Freitag rund 50 Gäste durch das erschlossene Gewerbegebiet. Hinter ihnen Quartier 2, das noch auf einen Käufer wartet.
Bürgermeister Peter Mühle (l.) und ICN-Geschäftsführer Frank Beyer führten am Freitag rund 50 Gäste durch das erschlossene Gewerbegebiet. Hinter ihnen Quartier 2, das noch auf einen Käufer wartet. © Steffen Unger

Frank Beyer nahm die Feier, zu der unter anderem Landtagsabgeordneter Jens Michel (CDU) und Bau-Beigeordneter Heiko Weigel eingeladen waren, zum Anlass, ein paar Zahlen zu nennen. Da wären zum Beispiel die drei Sprengungen, die notwendig waren, um Steinmassen auf den Grundstücken zu zerkleinern. Und die 100 Nistplätze für Vögel und Fledermäuse, die als Ausgleich im Stadtgebiet angelegt wurden, weil den Tieren mit dem Abriss der Schwarzen Kuh und dem Entfernen der Bäume Lebensraum verloren ging. Nicht zu vergessen die mehr als 100 Bauberatungen, die in den letzten Jahren abgehalten wurden. „Und, vielleicht auch ganz interessant: 250 Rechnungen, die geschrieben werden mussten“, fügt Beyer lachend hinzu.

Noch eine wichtige Zahl ist die Nummer 2. Dieses Quartier, das erste auf der rechten Seite, wenn man von der Staatsstraße kommt, ist noch nicht verkauft. Alle anderen Grundstücke schon, zuletzt an Capron. „Das noch übrige Quartier wird definitiv nicht an den Wohnmobilhersteller gehen“ sagt Frank Beyer. Die Fördermittel in Höhe von 6,2 Millionen Euro gab es nur unter der Voraussetzung, dass die Flächen an mindestens zwei unterschiedliche Unternehmen verkauft werden. Wer wird sich dann dort niederlassen? Das stehe noch nicht endgültig fest, aber es gebe einen ernsthaften Interessenten, so der ICN-Geschäftsführer.

Beyer war in den letzten Monaten auch schon fleißig auf der Suche nach weiteren Firmen, die ihre Produktion ins Gewerbegebiet Kirschallee legen möchten. Schließlich warten noch rund fünf Hektar darauf, erschlossen zu werden. „Kirschallee 2“ soll der nächste große Abschnitt des Vorhabens sein, der die Revitalisierung der Fläche umfasst, auf denen das alte Heizhaus, der Schornstein und die Gebäude des insolventen Schrotthandels stehen. „Der Antrag auf Fördermittel für die Erschließung wurde kürzlich gestellt“, sagt Beyer. Bis zum Sommer erwartet die Stadt die Zusage für weitere Millionen. Bis dahin soll schon einmal der Wildwuchs auf dem Gelände entfernt werden, damit mit dem Abriss der Altgebäude schnell begonnen werden kann.

Es kehrt also noch keine Ruhe auf dem ehemaligen Fortschritt-Gelände ein. Gut so, findet Heiko Weigel vom Landratsamt. „Neustadt ist ein wichtiger Industriekern für den Landkreis.“ Das weiß der Bürgermeister, und sieht dennoch mit dem nächsten Bauabschnitt noch einmal jede Menge Arbeit auf die Stadt zukommen. „Danach ist’s erst mal gut mit den großen Gewerbegebieten“, scherzt er beim Rundgang durch das Mammutprojekt Kirschallee.