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Großartige Idee oder Pseudokunstwerk?

Beim Bürgerdialog diskutierten Gegner und Befürworter über das Bus-Monument. Ganz ohne Buhrufe.

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© René Meinig

Von Christoph Springer

Die Blicke streifen durch den Saal, Unsicherheit ist zu spüren, Anspannung macht sich breit. Es ist Donnerstag, 18 Uhr, gleich beginnt im Verkehrsmuseum der Versuch, über Kunst in der Stadt zu diskutieren. Anlass ist die Auseinandersetzung um das Busse-Mahnmal auf dem Neumarkt und die Installation Lampedusa 361 auf dem Theaterplatz. Das Kulturhauptstadtbüro hat eingeladen und etwa 170 Menschen sind gekommen. Bekannte Gesichter sind darunter, auch aus der Pegida-Bewegung. „Wir wollen niemanden umerziehen“, stellt Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) zu Beginn klar.

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Die Dresdnerin Helga Burkhardt kommt zuerst zu Wort: „Wer hat dieses Pseudokunstwerk genehmigt, was kostet es und wer bezahlt es“, will die Seniorin wissen. „Ich möchte von meiner Vorrednerin wissen, was sie unter Pseudokunstwerk versteht“, macht gleich darauf die zweite Besucherin deutlich, dass es zwei klare Positionen im Raum gibt. Auf der einen Seite die Gegner des Monuments, die das Mahnmal für Schrott halten und so schnell wie möglich weg haben wollen. Und auf der anderen Seite diejenigen, die es gelungen finden und den Standort verteidigen. Zu dieser Gruppe gehört Marion Ackermann, die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen. Ihr Urteil zum Monument von Manaf Halbouni: „Das ist ein exzellentes Kunstwerk.“ Der Deutsch-Syrer arbeite mit der Verfremdung und stelle das Mahnmal der Hochkultur gegenüber. So gibt es eine Verbindung zu Dresden, erklärt Marion Ackermann. Schließlich sei mit der Stadt im Februar 1945 ein Ausdruck der Hochkultur zerstört worden. Ein anderer Besucher sagt: „Ich bin ergriffen. Ich halte das für eine ganz großartige Idee, dass das geschundene Dresden einer anderen geschundenen Stadt oder Region gedenkt.“ Er bekommt viel Beifall. „Wenn man ernsthaft an Frieden interessiert ist, dann heißt das auch Frieden in unserer Gesellschaft. Diese Kunst hat dazu beigetragen, die Stadt noch mehr zu spalten“, stellt ein Gegner der Busse fest. Auch er bekommt Beifall.

Obwohl es zwei klar getrennte Positionen gibt, bleiben an diesem Abend alle Redner sachlich. Es gibt keine Buhrufe und keine Beleidigungen und die Frage von Helga Burkhardt wird auch beantwortet. Die Stadt hat das Monument genehmigt und es kostet 57 000 Euro. Bezahlt haben es Stiftungen, die Stadt und mehrere Privatsponsoren.

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„Ich bin glücklich, dass es gelungen ist, sachlich miteinander zu diskutieren“, sagt Annekatrin Klepsch nach der Diskussion. Auch die Monument-Gegner sind zufrieden. „Auf klare Fragen gab es klare Antworten“, sagt Heiko Müller, einer von ihnen.