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Großbaustellen an der Geißlitz

Mit einem Millionenaufwand saniert das Land entlang des Bachs die Deiche – aber nur bestimmte Abschnitte.

© Eric Weser

Von Eric Weser

Görlitz – Immer eine Reise wert

Die Stadt Görlitz wird von vielen als „Perle an der Neiße“ oder „schönste Stadt Deutschlands“ bezeichnet. Warum? Das erfahren Sie hier.

Röderaue/Gröditz. Wenn die Ramme loslegt, vibriert der Boden. Dann dauert es nur einige Sekunden, ehe das gut fast fünf Meter hohe, etwa einen Meter breite und einen reichlichen Zentimeter dicke Stück Stahl so weit in den weichen Erdboden gedrückt ist, dass nur noch ein paar Zentimeter herauslugen. Dann rollt der 30 Tonnen schwere Bagger kraft seiner mehr als 500 PS auf seinen Ketten weiter, das nächste Element ist dran.

Der sanierte Geißlitzdeich-Abschnitt bei Gröditz ist schon vor Kurzem fertiggestellt worden. © Eric Weser

So geht das an der Geißlitz unweit von Pulsen derzeit den halben Tag lang. Auf knapp einem Kilometer Länge lässt die Landestalsperrenverwaltung (LTV) für fast eine Million Euro den Deich sanieren. Weil eine Analyse gezeigt hatte, dass es schlecht um die Standsicherheit des Bauwerks steht, kommen jetzt die Spundwände hinein, um die Stabilität zu vergrößern. Gleiches ist an weiteren Deichabschnitten rund um Pulsen schon in den vergangenen Jahren passiert. Dieser letzte Abschnitt zwischen der Kleingarten-Anlage und dem Großen Teich bringt jetzt den Lückenschluss.

Stahl verschwindet unter der Erde

Den Bauauftrag hat eine Spezial-Tiefbaufirma erhalten. Per Tieflader ist deren Multifunktionsbagger aus Frankfurt am Main auf die Baustelle nach Pulsen gebracht worden. Dort ist er jetzt noch gut drei Wochen lang im Einsatz, dann sollen alle 800 Stahlelemente, die jetzt noch größtenteils am Ufer liegen, in den Boden gerammt sein. Am Jahresende, wenn nach Plan alles fertig ist, soll die Spundwand von einer Erdschicht überdeckt und nicht mehr zu sehen sein. Auch der von den schweren Baumaschinen völlig zerwalkte Weg zwischen dem Deich und dem gleich daneben gelegenen Wald wird naturschutzgerecht als Schotterrasen-Streifen wiederhergestellt. Neben Nist- und Feldermauskästen nur eine von vielen Naturschutz-Vorgaben.

Der Naturschutz hat auch auf einer anderen Deich-Baustelle nur wenige Kilometer entfernt eine große Rolle gespielt. Zwischen der ehemaligen Deponie und der Grenze zu Brandenburg waren bei Gröditz seit dem Frühjahr zwei Kilometer Geißlitzdeich saniert worden. Rund 1,7 Millionen Euro wurden investiert. Auch hier hatte die Deich-Analyse ergeben, dass die Standsicherheit verbessert werden muss.

An der Höhe des Damms hat sich auch hier nichts verändert. Die verbesserte Standfestigkeit sieht man dem fertigen Bauwerk nicht an. Die augenfälligste Neuerung ist der graue Pflasterstreifen, der jetzt auf der Gröditzer Seite längs hinterm Deich verläuft. Der Verteidigungsweg ermöglicht, auch im Flutfall noch an den Deich zu gelangen.

LTV-Mitarbeiter Hans-Peter Hartung hat das Deichbauprojekt begleitet und zeigt sich mit dem Ergebnis zufrieden. Wenn nicht gerade eine Flut ansteht, wird das Bauwerk die meiste Zeit sich selbst überlassen, sagt er. Im Sommer und Herbst werde Gras gehauen, technische Kontrollen gebe es auch nur hin und wieder. Auch weil nur selten jemand vor Ort ist, lasse sich nicht verhindern, dass ein gewisser Verkehr auf dem neuen Verteidigungsweg herrscht. Ein besonderes Ärgernis sei, dass mancherorts inzwischen sogar Leute mit Quads auf den Schutzbauwerken herumfahren. Damit werde die wichtige Grasnarbe zerstört, die dem Bauwerk Stabilität verschaffe, so Hans-Peter Hartung.

Tierischen Deich-Schädlingen wie Mäusen versucht die LTV auf natürliche Weise zu Leibe zu rücken: Alle paar Meter ragen Holzstangen aus dem Geißlitzdamm gen Himmel – sogenannte Sitzkrücken. Von dort aus sollen sich Greifvögel auf die wühlenden Nager stürzen. Ob das klappt, muss sich zeigen. Beim Menschen setzt die LTV auf Vernunft: Neue Hinweistafeln erklären zunächst die Schutzfunktion der Deiche, statt wie die alten Schilder nur darauf hinzuweisen, dass das Betreten verboten ist. Bleibt zu hoffen, dass es auch jemand liest.

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