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Deutschland & Welt

Kalifornien: 120.000 fliehen vor Großbränden

Mitten in der Corona-Pandemie müssen über 100.000 Menschen in Notunterkünfte gebracht werden. Unterdessen melden die Feuerwehren erste Erfolge.

Kalifornien kämpft um die Eindämmung riesiger Waldbrände und hat nun auch Hilfe aus dem In- und Ausland angefordert.
Kalifornien kämpft um die Eindämmung riesiger Waldbrände und hat nun auch Hilfe aus dem In- und Ausland angefordert. © Marcio Jose Sanchez/AP/dpa

Im Kampf gegen die verheerenden Waldbrände im US-Bundesstaat Kalifornien hat die Feuerwehr erste Fortschritte erzielt. Abflauende Winde halfen den mehr als 13.700 Einsatzkräften, die Flammen zumindest vorübergehend in einigen Gebieten zurückzudrängen, wie die "New York Times" berichtete. Dennoch brannten am Samstag nach Angaben des kalifornischen Gouverneurs Gavin Newsom noch mehr als 3.000 Quadratkilometer Land – eine Fläche etwa zehnmal so groß wie München.

Zwei der 560 Brände zählen die Behörden inzwischen zu den größten in der jüngeren Geschichte Kaliforniens. Die Feuer kosteten bisher mindestens fünf Menschen das Leben. 120.000 Bürger wurden angewiesen, ihre Häuser zu verlassen und sich vor den herannahenden Flammen in Sicherheit zu bringen.

USA, Boulder Creek: Feuerwehrleute besprechen das weitere Vorgehen der Löscharbeiten.
USA, Boulder Creek: Feuerwehrleute besprechen das weitere Vorgehen der Löscharbeiten. © Marcio Jose Sanchez/AP/dpa

Die Feuerwehr geriet in den vergangenen Tagen an ihre Grenzen, Gouverneur Newsom bat deshalb andere amerikanische Bundesstaaten sowie Kanada und Australien um Personal und Ausrüstung. Medienberichten zufolge trafen die ersten Helfer am Samstag in Kalifornien ein. Präsident Donald Trump erklärte die Brände am Samstag auf Anfrage Kaliforniens zur schweren Katastrophe, um Gelder der Bundesregierung für Notunterkünfte, Reparaturen und Verluste zur Verfügung zu stellen. Newsom hatte bereits am Dienstag den Notstand für den Bundesstaat ausgerufen.

Als Brandursache gelten Blitzeinschläge und große Trockenheit. US-Meteorologen kündigten für das Wochenende weitere Gewitter an und warnten vor neuen Feuersbrünsten. Zugleich fürchtete die Umweltbehörde EPA eine Verschlechterung der schon jetzt extrem niedrigen Luftqualität. Die Experten riefen für manche Gebiete in Kalifornien zeitweise die höchste Warnstufe aus: "Hazardous", auf Deutsch "gefährlich". Ähnlich schmutzig ist die Luft der EPA zufolge nur in wenigen anderen Teilen der Welt, zum Beispiel in smogbelasteten Industriestädten Indiens und Mexikos.

USA, Moreno Valley: Gegen den Waldbrand im Moreno Valley wird mit Hilfe eines Löschflugzeugs angegangen.
USA, Moreno Valley: Gegen den Waldbrand im Moreno Valley wird mit Hilfe eines Löschflugzeugs angegangen. © Terry Pierson/Orange County Register via ZUMA/dpa

Die Coronavirus-Pandemie erschwert die Situation indes. Einige schätzten die Gefahr einer Erkrankung in Notunterkünften als hoch ein. Viele wägen daher das Risiko ab, sich in eine solche Unterkunft zu begeben. Kalifornien ist besonders schwer von Corona getroffen. Der Johns-Hopkins-Universität zufolge gab es in dem bevölkerungsreichsten Bundesstaat der USA bereits etwa 12.000 Tote und mehr als 650.000 bestätigte Corona-Fälle.

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