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Dippoldiswalde

Große Holzfällaktion im Osterzgebirge

Waldarbeiter arbeiten im Wettlauf mit dem Borkenkäfer. Es liegt deutlich mehr Sturmholz in den Revieren als befürchtet.

Der wahrscheinlich größte Holzpolter im Forstbezirk Bärenfels wurde an der Rehefelder Straße in Altenberg errichtet.
Der wahrscheinlich größte Holzpolter im Forstbezirk Bärenfels wurde an der Rehefelder Straße in Altenberg errichtet. © Egbert Kamprath

Holz, Holz, Holz – so weit das Auge reicht. Wo immer man im Osterzgebirge hinkommt, überall stapeln sich Stämme am Straßenrand, an Wanderwegen, am Waldessaum. Große Laster kriechen aus Talsenken oder walzen sich Anhöhen bergab, schwer beladen mit den Resten, welche die vergangenen Stürme und zu Jahresbeginn schließlich noch der Schneebruch zurückließen. Die Forstleute arbeiten im Akkord, machen Strecke – im Wettlauf mit dem Borkenkäfer.

Der Schädling war ohnehin schon auf dem Vormarsch, nicht nur im Forstbezirk Bärenfels. Doch dieser ist vom Borkenkäfer besonders stark betroffen. Im vergangenen Dürre-Sommer fand er ideale Bedingungen, um sich massenhaft vermehren zu können. Und nun ist durch das Bruchholz der Tisch für die Käfer reichlicher denn je gedeckt. Denn die Stürme und der nasse, schwere Schnee haben weit mehr Bäume über den Haufen geworfen, als erste Schätzungen vermuten ließen.

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Ein großer Holzplatz steht an der S 174 bei Liebenau. 
Ein großer Holzplatz steht an der S 174 bei Liebenau.  © Karl-Ludwig Oberthür

Ursprünglich gingen die Forstleute von bis zu 100 000 Kubikmeter Sturmholz aus, die zwischen dem Tharandter Wald und dem Osterzgebirge herumliegen. Betroffen sind alle Reviere des Forstbezirkes Bärenfels. Besonders schlimm sieht es im Kammgebiet aus. Immer noch. Und die Förster müssen ihre Zahlen weiter nach oben korrigieren. Bert Hommel, Leiter des Staatsforstbetriebes im Bärenfelser Forstbezirk, spricht inzwischen von rund 180 000 Kubikmetern Schadholz. Zum Vergleich: Normalerweise werden um die 140 000 Kubikmeter Holz im Jahr geerntet. Es ist also deutlich mehr umgefallen, als sonst regulär unter die Säge kommt. Diese Zahl kann sich sogar weiter erhöhen. „Das Bild ist noch immer nicht abschließend“, erklärt Bert Hommel, „da Schadholz auf enorm großer Fläche angefallen ist.“ Ein „Schätzfehler“ von wenigen Festmetern pro Hektar habe große Auswirkungen auf die prognostizierte Menge insgesamt. Die Forstleute arbeiten sich Schritt für Schritt vor und haben in diesem Jahr inzwischen ungefähr 60 000 Kubikmeter Schadholz aufgearbeitet. Dabei werden sie von privaten Unternehmen unterstützt. Sonst wäre das Pensum gar nicht zu schaffen. „Hinzu kommt, dass viele Bestände extrem instabil sind und vergleichsweise schwache Windböen zu weiteren Schadholzmengen führen können“, erläutert Bert Hommel. Und keiner könne sagen, wie viel Schaden noch durch den Borkenkäfer entsteht.

Auch bei Ammelsdorf wurde viel Schadholz aus dem Wald geholt.
Auch bei Ammelsdorf wurde viel Schadholz aus dem Wald geholt. © Karl-Ludwig Oberthür

Bert Hommel weiß, dass im Osterzgebirge in den 1940er-Jahren schon mal der Forstschädling über die Wälder herfiel. Der Experte spricht von „einer dramatischen Borkenkäferkalamität“. Diese Situation sei mit der heutigen Lage vergleichbar. „Wir laufen Gefahr, dass wir dieses Jahr sogar darüber hinauskommen. Maßgeblich werde das davon abhängen, wie das Wetter in diesem Jahr wird.

Der wahrscheinlich größte Holzpolter, wie die Förster die mächtigen Stapel nennen, steht in Altenberg an der Rehefelder Straße, etwa drei Meter hoch und um die 200 Meter lang. Das hat aber einen anderen Grund. Diese Stämme wurden eigens von verschiedenen Sammelplätzen hierher transportiert. Denn dieser Holzpolter ist ein Bollwerk vorm Bombenwald und dient als Splitterschutz für die gegenüberliegende Reha-Klinik Raupennest. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, wie Bert Hommel erklärt.

Ein gewaltiger Polderplatz befindet sich an der Bielatalstraße zwischen Hirschsprung und Bärenstein.
Ein gewaltiger Polderplatz befindet sich an der Bielatalstraße zwischen Hirschsprung und Bärenstein. © Karl-Ludwig Oberthür

Zurzeit arbeiten Munitionssucher und eine Spezialfirma mit gepanzerter Forsttechnik in dem Waldstück dahinter Hand in Hand. Dort werden noch Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg vermutet. Dort liegt aber auch Sturmholz, das aus dem Wald heraus muss. Deshalb ist das Gebiet weiträumig abgesperrt. Zum zusätzlichen Schutz für den Fall der Fälle steht zwischen Holzpolter und gepanzerter Harvester immer noch ein Forwarder, ein mächtiger Holztransporter. „Wir haben ein Interesse daran, dass wir das zügig und geordnet über die Bühne bringen“, sagt Bert Hommel. „Mit gebotener Ruhe und Sorgfalt.“

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