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Große Klappe aus Freital

Die Firma SES Solutions will mit ihren Auto-Dachboxen auf den Markt. Der Chef wittert ein Milliardengeschäft.

Unternehmenschef Johann Espig zeigt einen Prototyp seiner Smartbox. Das Besondere: Sie kann eingeklappt werden. © Andreas Weihs

Das Potenzial ist riesig. Da ist sich Johann Espig sicher. „Wenn wir nur ein kleines Stück von dem Kuchen abbekommen, dann können wir sehr erfolgreich sein.“ Der 38-Jährige denkt gern groß, spricht von möglichen Umsätzen in Milliardenhöhe. Dabei sitzt er mit seiner Firma SES Solutions noch in einem relativ kleinen Büro im Freitaler Technologiezentrum. Sieben Mitarbeiter gehören zum Team. Doch nach mehreren Jahren der Entwicklungsarbeit soll es 2019 ein gehöriges Stück nach vorn gehen. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagt Espig.

Die Idee des Unternehmers klingt simpel, aber könnte gerade deswegen Erfolg haben: eine faltbare Dachbox fürs Auto, die nur einmal montiert wird und ohne Mühe verschwinden kann, wenn sie nicht gebraucht wird. Stauraum per Knopfdruck – Espig glaubt, dass das viele Autofahrer begeistern kann.

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Und nicht nur die. Auch einige Investoren konnte Espig bereits von seiner Idee überzeugen. Rund eine Million Euro hat er nach eigener Aussage bereits von Geldgebern eingesammelt, die an die Smartbox – so der Name des Produkts – glauben und sich eine Rendite erhoffen. Hinzu kommen weitere 500 000 Euro über ein Förderprogramm der Europäischen Union. Darüber hinaus geht Espig auch ungewöhnliche Wege, um Startkapital für sein Unternehmen einzusammeln. Bereits vor zwei Jahren hat er eine sogenannte Crowdinvesting-Kampagne gestartet. Dabei investieren viele kleine Anleger in eine Geschäftsidee. In der Regel handelt es sich um kleinere Geldbeträge. Im Gegenzug erhalten die Anleger eine Prämie – vorausgesetzt, das Unternehmen hat mit seiner Idee Erfolg. 300 000 Euro hat SES damit 2017 eingeworben. Ende Januar hat Espig nun eine zweite Crowdinvesting-Runde gestartet. 100 bis 10 000 Euro können Interessenten investieren. Je größer der Einsatz desto größer die potenzielle Prämie. 500 000 Euro sollen am Ende dabei herauskommen.

Mit dem Geld will Espig den internationalen Vertriebsstart finanzieren. Denn das Produkt ist seiner Meinung nach nun so weit ausgereift, dass es auf den Markt kann – endlich.

Eigentlich sollte das schon Ende 2017 der Fall sein. In einem Gespräch mit der Sächsischen Zeitung im Juni 2017 hatte der Unternehmer dies angekündigt. „Lassen Sie uns lieber über die Zukunft reden“, sagt Espig nun. Er spricht nicht so gern über die Rückschläge in der Vergangenheit. Nur so viel: Einige Dachboxen sind bereits an Endkunden geliefert worden. Wie viele kann Espig nicht sagen. Zusammen mit den Gesellschaftern des Unternehmens entschied er sich aber für eine Kurskorrektur. Im Fokus stehen jetzt große Autofirmen und die Zulieferer. Mit diesen will Espig ins – besser planbare – Geschäft kommen. SES würde dann die Dachboxen in größeren Stückzahlen selbst produzieren oder als Lizenzgeber fungieren. Er sei dazu im Gespräch mit mehreren Autofirmen und -zulieferern, sagt Espig.

Die vergangenen Monate hat sein Team daran gearbeitet, die Dachbox nach den Wünschen der künftigen Kunden zu verbessern. Entwickelt wurde eine multifunktionale Grundplatte, die mit Schnellspannern am Dach befestigt wird. Sie hat die gleiche Funktion wie die heute üblichen Dachträger. Auf ihr können neben der Dachbox auch Fahrräder, Surfbretter oder Kanus montiert werden. Die Platte soll dieses Jahr auf den Markt kommen. 2020 folgt dann der faltbare Deckel, die Smartbox.

Der Vorteil gegenüber üblichen Dachboxen: Der Deckel kann eingeklappt werden und damit immer auf dem Auto bleiben. Zugleich soll die Smartbox samt Platte auch günstiger sein als die Konkurrenz. Preise von 500 bis 2000 Euro je nach Fahrzeugklasse sind avisiert.

Insgesamt sieht Espig einen wachsenden Markt für solchen zusätzlichen Stauraum. Vor allem für junge Familien reiche der Platz im Auto oft nicht aus. Gerade in urbanen Gebieten würden die Autos außerdem eher kleiner, Platz fürs Gepäck werde aber trotzdem gebraucht. Auch bei Hybridautos, die wegen des Doppelmotors weniger Stauraum haben, könnte eine Dachbox zum Renner werden, so Espig. Und der Unternehmer denkt noch weiter: Die Box eignet sich auch als sicherer Ablage- und Annahmeort für Pakete, da sie per Smartphone von Dritten geöffnet werden kann. Sie könnte damit die Infrastruktur stellen für sogenannte Mitpackgelegenheiten. Mithilfe der Dachbox könnte dann jeder Autofahrer zum Paketkurier werden.

Wird das kleine Büro in Freital angesichts dieser Pläne dann nicht schnell zu klein? „Wir sind mit dem Standort sehr zufrieden“, kontert Espig. Als eines der ersten Unternehmen hatte er sich 2013 im damals noch spärlich vermieteten Technologiezentrum niedergelassen. Falls man weitere Räume für die Produktion brauche, werde man diese dazumieten. Einen Neubau schließt Espig aus. „Wir investieren lieber in Köpfe“, sagt er. Nur für die Suche nach finanzkräftigen Investoren und Geschäftspartnern sei Freital ein eher schwieriges Pflaster. „Eventuell werden wir deshalb weitere Standorte eröffnen – in Sachsen, Deutschland und der Welt.“

Sie wollen noch besser informiert sein? Schauen Sie doch mal auf www.sächsische.de/freital vorbei.

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