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Große Koalition auf Island gebildet

Reykjavik - Elf Tage nach den Parlamentswahlen auf Island hat Ministerpräsident Geir H. Haarde (56) in Reykjavik eine große Koalition seiner konservativen Unabhängigkeitspartei mit den bisher oppositionellen Sozialdemokraten gebildet.

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Reykjavik - Elf Tage nach den Parlamentswahlen auf Island hat Ministerpräsident Geir H. Haarde (56) in Reykjavik eine große Koalition seiner konservativen Unabhängigkeitspartei mit den bisher oppositionellen Sozialdemokraten gebildet. Das Außenministerium in Reykjavik übernimmt die sozialdemokratische Parteichefin Ingibjörg Sólrún Gísladóttir (52). Die Sozialdemokraten sind Befürworter eines isländischen EU-Beitritts, den die Konservativen aber wegen der Fischereiinteressen der Nordatlantik-Insel ablehnen.

Die Unabhängigkeitspartei des seit einem Jahr amtierenden und als sehr populär geltenden Regierungschefs stellt nach ihrem Wahlsieg mit 25 von 63 Abgeordneten im Althing von Reykjavik wie bisher die größte Fraktion. Zusammen mit den 18 Mandaten der Sozialdemokraten verfügt die neue Koalition über eine sichere Mehrheit. Sieben Ressorts in der neuen Regierung gingen an die Konservativen und sechs an die Sozialdemokraten.

Haardes bisheriger Koalitionspartner, die liberale Fortschrittspartei, entschied sich nach zwölf Regierungsjahren als Konsequenz aus ihrer schweren Wahlniederlage für den Wechsel in die Opposition. Die Partei entsendet sieben statt zwölf Abgeordnete in das älteste Parlament der Welt. Größte Oppositionspartei mit neun (vorher fünf) Mandaten ist die Rotgrüne Volksallianz, die nach den Wahlen ihr Interesse an einer Regierungszusammenarbeit mit den Konservativen bekundet hatte. In Island sind traditionell alle Partei zu Koalitionen miteinander bereit.

Neben der Europapolitik mussten Konservative und Sozialdemokraten auch erhebliche Meinungsunterschiede beim Ausbau der isländischen Industrie überbrücken. Während Haardes Partei industrielle Großprojekte wie den Ausbau der Aluminiumindustrie und als Energiequelle den Ausbau der Wasserkraft befürworteten, verlangten die Sozialdemokraten hierzu im Wahlkampf eine „Atempause“. Die 300 000 Isländer hatten in den letzten Jahren einen massiven Wirtschaftsboom erlebt, der aber auch das Zinsniveau und die Inflation in die Höhe getrieben hat. (dpa)