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Große Kunst

Internationale Graffiti-Künstler gestalten drei riesige Wände in Freital. Und das soll erst der Anfang sein.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Tobias Winzer

Freital. Was passiert, wenn ein Graffiti-Künstler eine Graffiti-Künstlerin heiratet? Richtig, sie feiern Polterabend – und zwar einen ganz besonderen. Marcel Graf und seine künftige Ehefrau Lisa-Maria Ebersbach stehen in der Bahnunterführung am Stadteingang Freitals und tragen ihren Teil dazu bei. Am Donnerstag haben sie begonnen, Amor und Psyche – ein seit der Antike immer wieder abgebildetes Liebespaar, bestehend aus einem Engel und einer Königstochter – überlebensgroß auf die grauen Betonwände zu sprühen. Am Wochenende wollen die beiden Freitaler damit fertig werden. „Wir wollen damit eine klare Botschaft in die Stadt tragen“, sagt Marcel Graf. „Und die heißt Nächstenliebe.“

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Der Roboter, der mit seinen Händen ein Herz formt, ist in der Bahnunterführung Hüttenstraße zu sehen.
Der Roboter, der mit seinen Händen ein Herz formt, ist in der Bahnunterführung Hüttenstraße zu sehen. © Karl-Ludwig Oberthür
Die Fantasiewelt, die von einem Liebespaar beobachtet wird, ist auf dem FSG-Gelände entstanden. Neugierige können es am besten von der Umgehungsstraße auf Höhe der Abfahrt von der Wilsdruffer Straße aus betrachten.
Die Fantasiewelt, die von einem Liebespaar beobachtet wird, ist auf dem FSG-Gelände entstanden. Neugierige können es am besten von der Umgehungsstraße auf Höhe der Abfahrt von der Wilsdruffer Straße aus betrachten. © Karl-Ludwig Oberthür

Es sind nicht die ersten Spuren, die der 37-Jährige unter seinem Künstlernamen Costwo hinterlassen hat. Die Fassaden des Cafés Positano und des Unternehmens Die Maler sowie ein riesiges Wilhelmine-Reichard-Bild an der Dresdner Straße sind sein Werk. Der Autodidakt kann seit 17 Jahren von solchen Auftragsarbeiten im In- und Ausland leben. Auf Einladung anderer Profi-Sprayer hat er seine Spuren bereits in Schanghai, Los Angeles, Madrid, Antwerpen, Tel Aviv oder Mumbai hinterlassen.

Seine künftige Frau – die Hochzeit steht am 8. August an – lernte er vor vier Jahren bei der Arbeit kennen. „Wir haben uns vor einem seiner Bilder das erste Mal gesehen“, erzählt Lisa-Maria Ebersbach. Die gelernte Physiotherapeutin hat sich ebenfalls der Graffiti-Kunst verschrieben und arbeitet unter dem Namen Lizzy. Wenn beide gemeinsam sprühen, so wie jetzt in Freital, dann unter dem Titel Coli, der sich aus beiden Künstlernamen zusammensetzt.

Im Januar begannen die beiden mit der Organisation ihres ungewöhnlichen Polterabends. Sie fragten befreundete Künstler, ob sie sich unter dem Titel „Love ist in the air“, also „Liebe liegt in der Luft“, in Freital verewigen wollen. Das Künstlerpaar nahm auch Kontakt zum Rathaus auf und stieß dort auf Begeisterung. Die Verwaltung vermittelte den Kontakt zur Freitaler Strom und Gas (FSG) und zur städtischen Wohnungsgesellschaft WGF. Die FSG stellte eine leere Hauswand zur Verfügung und beteiligte sich außerdem an den Kosten für die Spraydosen. Die WGF konnte mit Wohnungen für die Künstler helfen.

In der vergangenen Woche sind bereits zwei Werke in der Stadt entstanden. Zwei Graffiti-Künstler aus Frankreich schufen auf dem Gelände der FSG eine Fantasiewelt aus Hütten, einem See und Bergen, die von einem Liebespaar beobachtet wird. Marcel Graf und Lisa-Maria Ebersbach standen dafür Modell. Das zweite schon fertige Werk befindet sich in der Bahnunterführung der Umgehungsstraße in der Nähe des Busbahnhofs Deuben, geschaffen von einem österreichischen Künstler. Ein Roboter formt dort mit seinen Metallhänden ein Herz. Die Botschaft ist dahinter zu lesen: „Show more love“, also: „Zeigt mehr Liebe“.

In den kommenden Wochen sollen weitere großformatige Bilder unter anderem an der Schachtstraße und in der Bahnunterführung am Ortsausgang entstehen. Coli können sich sogar vorstellen, das Ganze zu einer Tradition werden zu lassen und jedes Jahr zu einem bestimmten Zeitpunkt Graffiti-Künstler nach Freital einzuladen – zu einer Art Festival.

Denn den beiden geht es nicht nur darum, einen möglichst ausgefallenen Polterabend zu feiern, sondern sie wollen auch etwas für die Stadt tun. Marcel Graf zeigt auf die andere Seite der Bahnunterführung am Ortseingang. Jemand hat dort „No Asyl“, also „kein Asyl“ an die Betonwand geschrieben. Mit ihrer Graffitikunst soll auch ein Zeichen gesetzt werden. „Überall in Freital sind Hassparolen zu lesen“, sagt Marcel Graf. „Das wollen wir nicht.“