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Große Rohre für Putins Trasse

Das deutsch-russische Unternehmen Gascade errichtet im Landkreis Meißen zurzeit Lagerplätze, obwohl es noch keine Baugenehmigung gibt. Das Elbland wird Schauplatz der Weltwirtschaftspolitik.

© Andreas Weihs

Von Jörg Richter

Meißen/Großenhain. Zwischen Großdobritz und Buschhaus entsteht zurzeit der nächste große Lagerplatz für die Eugaltrasse. Seit dieser Woche werden hier auf einem abgeernteten Getreidefeld rund 500 Rohre in zwei Lagen gestapelt. Das erledigt ein Autodrehkran, der die 18 Meter langen Stahlrohre von den Aufliegern der Lkw hievt, die auf der Straße darauf warten, entladen zu werden. Oft stehen drei bis fünf Lkw hintereinander. Sie schaffen die Rohre vom Bahnhof Elsterwerda heran, wo täglich etwa 80 Rohre per Zug ankommen. Die Lkw müssen dabei auch durch Großenhain, Zschauitz und Lenz.

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Der Fahrer des Autodrehkrans und seine Assistenten, die die Rohre an beiden Enden mit Seilen fixieren, damit sie nicht anecken und womöglich andere Rohre beschädigen, können sich kaum ausruhen. Die Lkw-Schlange auf der Staatsstraße 81 darf nicht zu lang werden. Denn der Abstand der beiden Bauampeln, die hier den Verkehr regeln, ist begrenzt.

Insgesamt sollen in den nächsten anderthalb Jahren von der Ostsee bis an die deutsch-tschechische Grenze rund 47 000 Rohre verlegt, verschweißt und eingegraben werden. In Sachsen sind es 6 000 Stück. Eine Herausforderung. „Bei einem so großen Projekt wie dem Bau der Eugal ist es deshalb unerlässlich, dass alle Schritte perfekt ineinandergreifen“, erläutert Gesamtprojektleiter Ludger Hümbs vom deutsch-russischen Unternehmen Gascade. Das hat seinen Sitz in Kassel und ist ein Gemeinschaftsprojekt des Chemiekonzern BASF und des weltweit größten Erdgasförderers Gazprom.

Wie Gascade-Pressesprecher George Wüstner bestätigt, habe BASF ein Interesse daran, den Erdgasbedarf seiner deutschen Werke zu sichern. Der russische Konzern Gazprom will seinerseits Deutschland und Südosteuropa mit Gas beliefern. Es soll über die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 nach Deutschland gelangen. Die ist vor allem Polen ein Dorn im Auge, denn das Nachbarland verdient bislang am Transport von russischem Gas durch Polen nach Westeuropa kräftig mit. Und Deutschland und alle anderen Abnehmer müssen zahlen. Das soll Ende 2019 vorbei sein, wenn die Europäische Gas-Anbindungsleitung (Eugal) fertig sein soll.

Im nächsten Jahr laufen auch die Gas-Durchgangsverträge mit der Ukraine aus. Wegen der russischen Annektierung der Krim und anhaltenden Spannungen in der mit Russland sympathisierenden Ostukraine ist fraglich, ob die Ukraine weiter russisches Gas durch das Land lässt. Und wenn ja, zu welchen Bedingungen. Vor diesem brisanten Hintergrund wird der Landkreis Meißen jetzt Schauplatz der großen Weltwirtschaftspolitik.

Nächste Woche in Kottewitz

Gascade will keine Zeit verlieren und hat im Landkreis Meißen bereits Lagerplätze bei Brockwitz (Gemeinde Lampertswalde) und Ullendorf (Gemeinde Klipphausen) eingerichtet. Nächste Woche soll damit begonnen werden, das vierte und damit letzte Rohrlager bei Kottewitz (Gemeinde Priestewitz) einzurichten. Und das, obwohl der Planfeststellungsbeschluss für den Bau der Eugal-Trasse in Sachsen noch gar nicht erteilt wurde. Die zuständige Behörde ist die Landesdirektion Sachsen, die alle Belange neutral abwägt. „Wir hoffen, dass das Verfahren im Laufe des Augusts erfolgreich beendet wird“, heißt es aus der Gascade-Pressestelle. Dann soll mit dem Bau der Leitung begonnen werden. „Wir liegen weiterhin im Zeitplan und gehen davon aus, dass alle Genehmigungen wie geplant vorliegen werden“, sagt auch Hümbs.

Die Bauarbeiten sollen an der Elbe starten. Die Flusskreuzung erfolgt im Coswiger Ortsteil Brockwitz parallel zum bestehenden Elbdüker der Opal-Leitung und erreicht das südliche Ufer westlich von Gauernitz (Gemeinde Klipphausen).

Zwischen Weißig am Raschütz und Großdobritz kommt die Eugal-Trasse am dichtesten an Dörfer heran. Bei Kalkreuth-Paulsmühle, Reinersdorf, Beiersdorf, Ermendorf und Großdobritz. beträgt der Abstand gerade mal 150 bis 180 Meter. „Auf den anderen Trassenabschnitten sind wir deutlich weiter von den Siedlungen entfernt“, so die Gascade-Presseabteilung.