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Großeinsatz im Abrissviertel

Das Technische Hilfswerk aus Kamenz trainierte in Bischofswerda. Durchaus für den Ernstfall.

© Rocci Klein

Von Rocci Klein

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Kamenz / Bischofswera. Viel Blaulicht war jetzt zwischen Kamenz und Bischofswerda unterwegs. In das Ex-Papageienviertel an der Bautzener Straße rückten zahlreiche große blaue Fahrzeuge an – die Fahrzeuge des Technischen Hilfswerkes (THW). 63 Mitglieder der Ortsverbände Bautzen und Kamenz trafen sich in einem der leer stehenden Gebäude für einen großen Ausbildungstag.

Kurz nach 10 Uhr gab es eine kurze Einweisung, dann ging es auch schon los. Die Leiter dieser Ausbildung teilten die Mitglieder in mehrere Gruppen ein, gemischt von THW-Jugend und erfahrenen Helfern. Zuerst schauten sich die Teilnehmer das Gebäude von innen an, bevor es an die Arbeit ging. In dem leer gezogenen und von der städtischen Wohnungswirtschaft und Bau GmbH bereitgestellten Wohnblock ging es nun laut zu. Ziel dieses Ausbildungstages war es, einen Wand- und Deckendurchbruch zu üben. Außerdem stand das Retten von Personen aus höheren und tieferen Lagen im Gebäude auf dem Programm.

Bei dem Durchbruch durch die Seitenwände wurde zuerst mit einem großen Bohrer ein Loch in die Wand gebohrt. Im Anschluss wurde die Wand Stück für Stück durchbrochen, die Kanten ordentlich abgestumpft, sodass Helfer im Notfall ohne Probleme und ohne sich zu verletzten durchsteigen können. Auch die Deckendurchbrüche können im Ernstfall sehr wichtig sein. In einen der oberen Stockwerke wurde eine Halterung aufgebaut, die es möglich macht, Personen über eine Trage von einem oberen in ein unteres Stockwerk herabzulassen. Ein dafür vorgesehener Dummy, eine lebensgroße Puppe, lag auf der Trage. Nur an einem Seil befestigt, wurde die Trage langsam aus dem Fenster geschoben, oben hielten vier Jugendliche und Erwachsene das Seil fest. Als die Trage in der Luft schwebte, wurde das Seil langsam herabgelassen.

Breites Aufgabenfeld

Das THW bietet ein breites Feld an Aufgaben an. Oft kennt man das Technische Hilfswerk von Einsätzen in Hochwassergebieten, bei größeren Schadenslagen, wie zum Beispiel Erdbeben, oder bei Vollsperrungen auf Autobahnen, wo der Verkehr umgeleitet werden muss. Auch zur Absicherung eines Einfamilienhauses in Neukirch nach einer Explosion vor wenigen Tagen war das THW im Einsatz. Doch oft kommen das THW und das Know-how seiner Helfer zu kurz.

Andreas Heinrich, Landessprecher für den Freistaat Sachsen, sieht darin ein Problem: „Alle Mitglieder des Technischen Hilfswerkes brauchen auch die Motivation des Einsatzes, um nicht nur an Übungen teilzunehmen.“ Er sieht das Problem auch in der Politik, wünscht sich mehr Unterstützung durch Polizei und Feuerwehr. „Das technische und humane Potenzial des THW muss einfach mehr eingesetzt werden,“ sagt er.

Diesen Wunsch hat auch jetzt schon der Nachwuchs. Nach dem Mittagessen aus der eigenen Küche startete gegen 13 Uhr eine große Übung. Alle 63 Mitglieder wurden mit einbezogen und wendeten das am Vormittag Gelernte an. Geübt wurde in einem von noch zwei stehenden Wohnblocks im Papageienviertel. Ein dritter Block wurde Ende vergangenen Jahres abgerissen. Die beiden jetzt noch stehenden Häuser werden ebenfalls abgerissen. Das soll passieren, sobald die Wohnungswirtschaft dafür Fördergelder bekommt. Im vergangenen Jahr gab es den staatlichen Zuschuss nur für ein den Abriss eines Wohnhauses.

Verstärkung ist beim Hilfswerk jederzeit willkommen. Melden können sich sowohl Jugendliche als auch Erwachsene.

www.thw-bautzen.dewww.thw-kamenz.de