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Großenhain lässt sich das FDJ-Hemd nicht vermiesen

Verärgert und verwundert reagieren Bürger auf die Verbote zum Festumzug beim Tag der Sachsen.

Von Birgit Ulbricht

Wir lassen uns doch nicht den Tag der Sachsen verderben! Großenhains SPD-Stadträtin Andrea Kreisz, selbst Lehrerin an der Kupferbergschule, arbeitet mit ihren Schülern gerade an den Festmotiven für den großen Umzug zum Tag der Sachsen. Ihr Thema: die DDR. Und natürlich zu sehen: FDJ-Hemden, Wimpel, Pioniertücher. Wird damit die „Diktatur DDR“ verherrlicht und verharmlost? Auf die Idee wäre Andrea Kreisz nie gekommen. „Das ist doch unsere Geschichte.“

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Doch konsequent gedacht müssten all diese Symbole der systemtragenden DDR-Organisationen auch vom Tag der Sachsen ausgeschlossen werden. Denn das Kuratorium „Tag der Sachsen“ mit Landtagspräsidenten Dr. Matthias Rößler an der Spitze, hat festgelegt, dass „alles zu unterlassen ist, was eingedenk der leidvollen Erfahrungen der nationalsozialistischen und kommunistischen Gewaltherrschaft, Krieg und Diktatur verherrlicht“. Daher sind „Präsentationen, die dazu geeignet sind, dem Ansehen des Tages der Sachsen in der Öffentlichkeit Schaden zuzufügen, nicht zuzulassen.“ Das Kuratorium Tag der Sachsen hatte sich daher darauf verständigt, „zum Festumzug keinerlei militärische Fahrzeuge und uniformierte Personen der Epochen 1933 bis 1989 zuzulassen.“

Gilt das auch für das FDJ-Zeichen? In der Dresdner Geschäftsstelle des „Tages der Sachsen“ räumt man ein, das könne die Ausrichterstadt im Einzelfall selbst entscheiden. Fakt ist: das FDJ-Symbol ist verboten. Jedenfalls das Ursprüngliche aus dem Westen mit dem runden Bogen. Das DDR-FDJ-Symbol geriet nach der Wende auch immer wieder in den Fokus von eifrigen Gesinnungsschützern. Spätestens seit Katharina Witt mit dem blauen Hemd für Ostalgieshows warb, ist der Umgang mit der Symbolik wieder im Fokus.

Andrea Kreisz wird sich davon nicht beeindruckend lassen. „Das war nun mal unser Leben, und daran ist nichts anrüchig“, sagt sie und betont, dass Schüler wie Lehrer in dem Umzug doch eher ein Spektakel, statt Geschichtsaufarbeitung sehen. In der Lehrerschaft diskutiert worden sei der Aspekt jedenfalls noch nie, soviel sie wisse. Doch so locker fielen gestern die wenigsten Reaktionen auf die Nachricht aus, das zum Festumzug 56 Jahre sächsischer Geschichte einfach ausgeblendet werden – zumal in der Garnisonsstadt Großenhain, die von jeder dieser Epochen geprägt ist.

Hans-Jürgen Gläser vom Förderverein Schloss Schönfeld schreibt: „Das Ausblenden von 56 Jahren Geschichte kann doch nur noch den Schluss zulassen, den Tag der Sachsen endlich abzuschaffen.“ Er ruft sogar alle Vereine auf, ihre Bewerbung für die Teilnahme am Festumzug zurückzuziehen, solange es bei diesem Verbot bleibt. Dr. Rösler könne er nur bedauern, dass er eine derartige Bevormundung zulasse, er scheine von freiheitlicher Meinungsäußerung und Geschichtsaufarbeitung nicht viel zu halten, sonst würde er wohl kaum einen solchen Einschnitt in 56 Jahre Regionalgeschichte zulassen, so Gläser.

Auch auf der SZ-Großenhain-Seite bei Facebook gingen reichlich Kommentare ein: Von zweierlei Maß ist da die Rede, mit Blick auf den Fakt, dass die Zeit vor 1933 gezeigt werden darf. Aber auch Unverständnis, wie hier mit Sachsens Geschichte umgegangen werden soll. Ein Unverständnis, wie es auch der Landtagsabgeordnete Sebastian Fischer in einem Brief äußert. Darin heißt es: „Soll wirklich aus einer diffusen Angst heraus deutsche und Großenhainer Geschichte von 1933 bis 1989 ausgeblendet und verschwiegen werden? Gehört es nicht zur Reife einer Gesellschaft im Jahr 2014, dass man eher diskutiert statt verbietet? Es versteht sich von selbst, dass verfassungsfeindliche Symbole auf dem Tag der Sachsen nirgends und zu keinem Zeitpunkt einen Platz haben dürfen. Die Opfer der vergangenen Diktaturen mahnen jedoch zu Rede-, Meinungs- und Diskussionsfreiheit. Gerade um diese Freiheit mache ich mir Sorgen, wenn sichtbare und auch erlebbare Geschichte aus Angst vor überregionalen Medien unterdrückt werden soll. Die alte Militärtechnik, die von Bothur’s gepflegt wird, sie ist Teil der Großenhainer Stadtgeschichte. Wir brauchen uns unserer Geschichte nicht zu schämen. Sie steht im sächsischen und deutschen Kontext. Fahren wir doch bitte die Geschütze à la Militarismus, Nazitum und Heimatverrat zurück. Lassen wir doch die Teilnahme der Vereine uneingeschränkt zu. Zur Verdeckung etwaiger verfassungsfeindlicher Symbole auf den Fahrzeugen genügen handelsübliche Klebestreifen.“