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35 Minuten für vier Kilometer

Wegen der Sperrung der B 98 wälzt sich die Blechlawine auf der Umleitungsstrecke. Der Stau inklusive Lärm nervt vor allem Großraschützer Anwohner.

Insbesondere vor der Ampelkreuzung in Zschieschen staut sich der Verkehr momentan aus Richtung Großraschütz kommend. Grund sind Bauarbeiten auf der B 98 mit entsprechender Umleitung. Anwohner sind genervt.
Insbesondere vor der Ampelkreuzung in Zschieschen staut sich der Verkehr momentan aus Richtung Großraschütz kommend. Grund sind Bauarbeiten auf der B 98 mit entsprechender Umleitung. Anwohner sind genervt. © Kristin Richter

Großenhain. Mal ist das Stauende an der Bäckerei auf der Riesaer Straße. In weniger verkehrsreichen Zeiten auch ein Stück näher an den Bahnübergang ran. Wer an der oft geschlossenen Bahnschranke ganz vorn steht, wähnt sich glücklich. "Da habe ich ,Luft' bis zur Ampel", sagt Markus P. und schmunzelt. Einigen Großraschützern indes ist in den letzten reichlich zwei Wochen das Lachen vergangen.

"35 Minuten für vier Kilometer" seien keine Seltenheit, schimpft ein Mann. Manchmal komme er gar nicht aus seinem Grundstück raus. Hinzu kommt der Lärm, den vor allem die Brummis verursachen. "In Weißig und Skassa hat man Tempo 30 eingerichtet. Uns Großraschützer hat man mal wieder vergessen", sagt der Anwohner. Dort gelte nach wie vor Tempo 50, "an das sich nur die Wenigsten halten".

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Die Ursache des Dilemmas ist hausgemacht und hat ihren Ursprung an ganz anderer Stelle. Weil die B 98 zwischen Wildenhain und dem Abzweig Roda wegen Bauarbeiten voll gesperrt ist, müssen Fahrzeuge aus Glaubitz kommend auf die S 40 ausweichen. Das sorgt dort für einen erheblichen Zusatzverkehr. Das sei normal, heißt es aus dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv). Bei Umleitungen würden immer die bestehenden Verkehrsbelastungen für einen befristeten Zeitraum auf andere verlagert, so Lasuv-Sprecher Franz Großmann.

"Vor Erstellung einer Verkehrsrechtlichen Anordnung werden die mit der Baudurchführung und der zugehörigen Sperr- und Umleitungskonzeption verbundenen Nachteile geprüft und abgewogen", fügt er hinzu. Verkehrsbeobachtung und nachträgliche Anpassungen gehörten zur üblichen Vorgehensweise.

Für die Geschwindigkeitsbegrenzungen auf der Umleitungsstrecke sei jedoch letztlich die Stadtverwaltung Großenhain zuständig. In Großraschütz bestehe keine Notwendigkeit, weil es dort teilweise beiderseits verfügbare Gehwege gibt, so Großmann. Anders als in den Ortslagen Skassa und Weißig. Deshalb sei "aus Gründen der Verkehrssicherheit" dort eine 30 km/h-Zone festgelegt worden.

Dass sich das Fahrzeugaufkommen in den letzten gut zwei Wochen nahezu verdoppelt hat, kommt natürlich erschwerend hinzu. Nachhaltig spürbar wird das auf den "letzten Metern" vor der Großenhainer Ampelkreuzung Meißner/Riesaer Straße. Die dortige Schaltung der Grünphasen ärgert nicht erst wegen der aktuellen Situation viele Großenhainer schon längere Zeit. "Warum wurden sie zumindest für den Zeitraum der Umleitungsregelung nicht geändert?" fragen sich viele.

Franz Großmann verweist darauf, dass die Ampelphasen bereits durch die Wartungsfirma angepasst wurden. "Jedoch ist es nicht möglich, die Grünphasen über die aktuelle Umlaufzeit hinaus weiter zu verlängern", so der Lasuv-Sprecher. Dies würde einen erhöhten Rückstau in Richtung Großenhain-Zentrum verursachen, da Fahrzeuge dann dort auf erhöhte Wartezeiten stoßen. Aus diesem Grund sei die Ampelphase zum Baubeginn in der aktuellen Umlaufzeit und unter Berücksichtigung der anderen Verkehrswege angepasst worden.

Ein erhöhter Rückstau ergebe sich außerdem aus der Situation von geschlossenen Bahnschranken auf der Riesaer Straße auf der S 40. Hier komme es aber auch ohne Umleitungsführung in hochfrequenten Zeiten zu Verkehrsbehinderungen, so Großmann.

Die gute Nachricht für Anwohner: Die Bauarbeiten zwischen Wildenhain und Abzweig Roda auf der B 98 liegen offenbar im Zeitplan, auch wenn manch Großenhainer skeptisch ist und lächelnd auf den langen Brückenbau auf der Mülbitzer Straße verweist. "Wie angekündigt, soll das Vorhaben bis Ende Juli fertiggestellt werden", so Franz Großmann.

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